Insel nicht der Natur überlassen

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Umweltausschuss Seestermühe fordert weitere Pflege der Insel Pagensand / Vorschlag: Das könnte ein Landwirt übernehmen

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04. Juni 2019, 18:40 Uhr

Seestermühe | Pagensand – kleine Insel, großes Thema. Geht es nach dem Land Schleswig Holstein, dann soll das Naturschutzgebiet Elbinsel Pagensand künftig sich selbst und der Natur überlassen und nicht mehr gepflegt werden. Mit einer diesbezüglichen Änderung der Landesverordnung hatte sich der Umweltausschuss der Gemeinde Seestermühe in seiner jüngsten Sitzung auseinanderzusetzen. Wo die Änderung der Landesverordnung anderorten in der Regel ohne Stellungnahme durchgewunken wird, entfachte sie in Seestermühe die Diskussion.


Gepflegter Naturschutz

Seit 1997 steht die Elbinsel Pagensand, die größtenteils zur Gemeinde Seestermühe gehört, komplett unter Naturschutz. Zahlreichen Vögeln dient die Insel als Brutgebiet oder zur Nahrungssuche, seltene Pflanzen können hier nahezu ungehindert wachsen. Besonders die Feuchtgrünlandflächen der Insel boten Wiesenvögeln wie Bekassine und Wiesenpiep ein Brutgebiet. Diese Wiesen waren als Schutzzweck in der Verordnung definiert. Um als Brutgebiet zu dienen, mussten sie allerdings durch Beweidung oder Mahd kurz und offen gehalten werden. Kein einfaches und kostengünstiges Unterfangen, wie sich im Laufe der Jahre zeigte. In der Konsequenz plant das Land Schleswig-Holstein die Anpassung der Landesverordnung über das „Naturschutzgebiet Elbinsel Pagensand“ von 1997. Begründung: „ Aufgrund von erheblichen Erschwernissen bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Elbinsel Pagensand (Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung der Feuchtgrünflächen, die Einstellung weiterer Pflegemaßnahmen aufgrund enorm hoher Kosten, eine Beweidung mit großen Pflanzen fressenden Tieren ist nach Prüfung der Rahmenbedingungen nicht möglich) soll das Naturschutzgebiet nunmehr der natürlichen Dynamik überlassen und die Pflege der Feuchtgrünflächen aufgegeben werden. Deshalb soll die Landesverordnung entsprechend angepasst werden. Desweiteren gibt es Pläne, im Westen der Insel Priele herzustellen, um den Tiedeneinfluss zu verstärken.

Umweltausschussmitglied und Gemeindevertreter Claus Brinkmann (WG) zeigte deutlich, was er von dieser Anpassung hält: „Es nervt. Erst wird Pagensand zwangsweise unter Naturschutz gestellt. In der Folge hagelt es Verbote nach dem Motto: Menschen, ihr habt da nichts mehr zu suchen. Jetzt fällt Pagensand in sich zusammen. Die Aufgaben gemäß der Landesschutzverordnung werden nicht erfüllt und es heißt, wir schaffen das Gesetz wieder ab. Kurz gefasst: Wir haben kein Geld mehr, das Gesetzt wird geändert.“

Niels Runge (CDU) erinnerte daran, dass Pagensand von Menschenhand geschaffen wurde und lange Zeit landwirtschaftliche Nutzfläche war. Er befürchtet, dass sich die Insel nach der Anpassung der Verordnung und ohne Pflege zu einer brachliegenden Totfläche entwickeln könnte. Runge: „Eine Kulturlandschaft, die von Menschen geschaffen wurde, sich selbst zu überlassen, ist kein guter Naturschutz.“

Dem widersprach die Leiterin des Elbmarschenhauses in der Haseldorfer Marsch Edelgard Heim. Sie sprach sich deutlich für eine natürliche Dynamik für Pagensand aus.

Seestermühes Bürgermeister Thorsten Rockel (SPD, Foto) fragte: „Funktioniert das?“ Er machte sich dafür stark, das Thema Unterschutzstellung der Elbinsel Pagensand grundsätzlich zu diskutieren. Rockel erinnerte an den Bauern Heinz Harder, der die Insel als Landwirt bewirtschaftet hat, und sagte: „Damals hatte jeder seinen Platz auf der Insel, Touristen, Segler, Vogelschützer. Alle wurden dort akzeptiert, es gab eine große Artenvielfalt auf der Insel und es ging der Insel damals nicht schlechter. Und wer entscheidet eigentlich, welches Tier auf der Insel leben darf und welches nicht?“

Ähnlich sah es der Umweltbeauftragte der Elmshorner Wanderpaddler Joachim Meyer. Der hatte 1997 dafür gekämpft, dass Wassersportler die Insel betreten und dort auch für eine Nacht übernachten dürfen. Meyer plädierte dafür, alle Personen, die an der Anpassung der Landesschutzverordnung beteiligt sind, an einen Tisch zu holen und ihnen die Insel möglichst nahe zu bringen. Die meisten kennen die Insel gar nicht und wissen nicht, worüber sie entscheiden, so Meyer.


Unterschutzstellung hatte negative Folgen

Rockel machte in seiner Stellungnahme noch einmal deutlich, dass die Insel durch Menschenhand entstanden ist und die Unterschutzstellung 1997 durchaus negative Folgen hatte und nannte beispielhaft die Population des Marderhundes auf Pagensand, dessen Ausbreitung komplett außer Kontrolle geraten ist. Seestermühe fordert deshalb die Einsetzung eines Landwirtes für die dauerhafte Beweidung der Inselflächen. Der Landwirt könnte Ranger- und Küstenschutzaufgaben übernehmen, ein neuer Hof eine Informationsstelle über die Insel mit kleiner Gastronomie entstehen. Auch plädiert die Gemeinde für die Errichtung fester Grillplätze, da bereits jetzt verbotener Weise von den Bootsführern am Strand der Insel gegrillt wird. Auch die Übernachtung in Zelten sollte in ausgewiesenen Bereichen allen Wassersportlern künftig erlaubt werden. Diesem Forderungskatalog stimmte der Umweltausschuss einstimmig zu und lehnte im Gegenzug die Anpassung der Landeschutzverordnung in der vorgeschlagenen Form ab.
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