Elmshorn : Inklusion ist mehr als Integration

Workshop im Rathaus: 45 Schüler kamen zum Diskutieren, wie aktuelle Gesellschaftspolitik in Elmshorns weiterführenden Schulen umgesetzt werden kann.
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Workshop im Rathaus: 45 Schüler kamen zum Diskutieren, wie aktuelle Gesellschaftspolitik in Elmshorns weiterführenden Schulen umgesetzt werden kann.

Schülervertreter aus Elmshorn erarbeiten im Rathaus Pläne für mehr Menschlichkeit, Toleranz und Integration an Schulen. Demonstration in der Königstraße geplant

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28. Januar 2015, 16:13 Uhr

130 belegte Brötchen, 20 XL-Pizzen, 30 Liter Kaffee und fünf Kilogramm Süßigkeiten – dazu gesellschaftspolitische Themen. Bei der Versammlung Elmshorner Schülervertreter von sechs weiterführenden Schulen diskutierten 45 Teilnehmer über den Umgang mit Asylbewerbern, Menschen mit Behinderungen und Toleranzverständigung an ihren Schulen. Einen Tag lang standen diese aktuellen weltpolitischen Themen im Vordergrund eines Workshops. Die Schüler beschlossen neue Aktivitäten anzugehen. Die Heranwachsenden wollen sich und ihre Mitschüler dazu bewegen, sich für mehr Unterstützung für hilfsbedürftige Schüler im Rahmen der Inklusion und für Flüchtlinge einzusetzen. „Elmshorn ist bunt“ – so ihr Ansatz. Die kulturelle Vielfalt in der Stadt und ihre Toleranz und Menschlichkeit im gemeinsamen Leben wollen sie mittels eines kreativen Protests in Form einer Menschenkette kund tun.

Der Leiter der Veranstaltung, Stadtjugendpfleger Thieß Koopmann, kam im Kollegiumssaal des Rathauses kaum zu Wort, denn die Schüler hatten ein Argument nach dem anderen parat. Zwei Mal im Jahr trifft sich der Kreis-Schüler-Jugend–Verband (KSJVB), um in Arbeitsgruppen Lösungen für aktuelle Probleme zu finden, die den Schulalltag mitbestimmen. Danny Schaller und Lukas Huckfeldt (ehemalige Schulsprecher der KGSE) sorgten beim jüngsten Treffen für eine geordnete Diskussion in den Reihen der Schüler.

Inklusion an den Schulen ist ein weit umstrittenes Thema, doch die Schüler bereiten sich auf die Integration von geistig- oder körperlich benachteiligten Jugendlichen vor. „Unsere Aktion ist von Schülern für Schüler. Diese Schüler sind nicht anders, sondern besonders. Wir müssen die Schwächen der Betroffenen anerkennen und sie akzeptieren“, sagte Referentin Stine Fromke (KGSE). Es sollen Workshops an allen Schulen unter dem Motto „Anlachen statt Auslachen“ (Thies Koopmann) in betroffenen Klassen stattfinden. Die Entwicklung der Inklusion verlaufe nach Ansicht der Schüler zu langsam. Die Schüler wollen deshalb ein Positionspapier entwerfen und darin die Inklusion voranbringen. Sie möchten nicht nur mehr Akzeptanz schaffen, sondern auch das Gefühl für das Gemeinsam betonen. „Inklusion ist mehr als gemeinsamer Unterricht“, formulierten die Schülervertreter.

Erste Umsetzungen sind bis zur nächsten Schülerversammlung am 15. Juli geplant. Zuvor bestehende Partnerschaften zwischen älteren und jüngeren Schülern sollen nun auch auf einzelne hilfsbedürftige Schüler ausgeweitet werden.

Ebenfalls zum Thema gesellschaftlicher Einbindung stellte Marcello Hagedorn (Bismarckschule) seine Idee zur besseren Integration von Flüchtlingen und Immigranten vor. Zu diesem Thema erarbeitete seine Gruppe einen Plan für ein Sommerfest im Rahmen der interkulturellen Woche. Dieses soll zum speziellen interkulturellen Tag umgesetzt werden. Die Schüler nehmen ein Grillfest und sportliche Spiel–und Spaßaktionen in Angriff.

Unterstützung bekommen sie dabei von Allegra Tekleab, Integrationsbeauftragte der Stadt Elmshorn. Mit ihr ist ein Beratungsgespräch im März geplant. Um ihre Aktion finanzieren zu können, wollen sich die Schüler an die „Jugendinitiative mit Pfiff“ wenden. Mit Glück kann durch eine Bewerbung ein Betrag von 500 Euro erzielt werden.

Für Aufsehen wird eine weitere Idee der Schülervertreter sorgen. In Anlehnung an die Aktion „Kiel ist bunt“ plant die Gruppe, Jung und Alt zu einer Menschenkette zu verbinden, um bei der Aktion „Elmshorn ist bunt“ die Abtrennung von der anti-islamischen und asylkritischen Gruppe PEGIDA zu verdeutlichen. Philipp Schwartz und Jan-Ole Villbock (Sprecher der Arbeitsgruppe) wollen mit solch einer Demo Initiative ergreifen und für Toleranz und mehr Menschlichkeit im Zusammenleben aller unterschiedlichen Kulturen in Elmshorn werben.

Die Rahmenbedingungen des kreativen Protestes wollen die Schüler in den nächsten Wochen mit Stadtverwaltung und Schulrektoren besprechen. Die Königstraße „in Farbe getaucht“, lautet der Ansatz der Kundgebung.

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