Ingrid Roitzsch (CDU) am Montag gestorben

Ingrid Roitzsch †
Ingrid Roitzsch †

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02. Februar 2011, 03:59 Uhr

Pinneberg/Quickborn | Das Herz einer der profiliertesten und streitbarsten Christdemokratinnen im Kreis Pinneberg hat aufgehört zu schlagen. Wie gestern bekannt wurde, ist die ehemalige Quickborner Christdemokratin Ingrid Roitzsch am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben. "Wir danken Ingrid Roitzsch für ihr großes Engagement. Sie hat sich für das Gemeinwohl, für die Bürgerinnen und Bürger im Land Schleswig-Holstein und für den Kreis Pinneberg verdient gemacht", sagte der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Ole Schröder. Sein Mitgefühl und das der CDU gelte ihrer Familie.

Roitzsch wurde am 30. Juli 1940 in München geboren. Sie besuchte das neusprachliche Gutenberg-Gymnasium in Wiesbaden bis zum Abitur. Sie studierte Jura und Zeitungswissenschaften. Als Roitzsch 1963 heiratete, hängte sie das Studium an den Nagel. Sie begann ein Volontariat bei unserer Zeitung und arbeitete später dort als Redakteurin. Sie hatte zwei Kinder.

Seit 1970 war sie Mitglied der CDU. Ab 1971 gehörte sie dem CDU-Kreisvorstand Pinneberg und ab 1981 dem CDU-Landesvorstand in Schleswig-Holstein an. Von 1978 bis 1980 war sie Kreistagsabgeordnete.

Auch wenn sie stets die Bezeichnung "Quotenfrau" von sich wies, war es doch die Frauenquote, die ihr ein Bundestagsmandat einbrachte. Der damalige Kreis Pinneberger Bundestagsabgeordnete Rainer Ute Harms verlor 1980 sein Direktmandat, Roitzsch, vom damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg auf Platz zwei der Landesliste gehoben, schaffte indes den Einzug in das Bundesparlament, dem sie bis 1994 angehörte.

Nachdem sie seit 1987 als Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion tätig war, wurde sie am 8. April 1992 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Verteidigung. Anlässlich einer Kabinettsumbildung schied sie jedoch schon am 22. Januar 1993 aus dem Amt. Sie setzte sich für die Abschaffung des Abtreibungsverbots ein und machte sich für die Gleichberechtigung der Frauen stark. Roitzsch hatte zudem großen Anteil an dem Erhalt der Marseille-Kaserne in Appen. Die Unterbringung der Unteroffizierschule an dem Standort ist nicht zuletzt ihr zu verdanken.

Roitzsch scheute vor Streit nicht zurück. Wegen einseitiger politischer Haltung drohte sie der evangelischen Kirche mit Austritt. Trotz Rauchverbots zündete sie sich im Flugzeug eine Zigarette an. Nach ihrer politischen Karriere arbeitete Roitzsch für die Zigarettenindustrie.

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