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„Wen interessiert das Museum?“ : Industriemuseum in Elmshorn muss detaillierte Betriebsrechnung vorlegen

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Industriemuseum muss detaillierte Betriebsrechnung vorlegen. Eine Verringerung der Öffnungszeiten ist angedacht. Die Personalkosten zu hoch.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 13:00 Uhr

Elmshorn | Die Stadt Elmshorn lässt sich den Bereich Kultur einiges kosten. Eines der Aushängeschilder ist das Industriemuseum an der Catharinenstraße 1. Neben Stadtbücherei, Volkshochschule und Theater zählt das Haus bei den Zuschüssen zu den dicken Brocken. Viel zu dick für Politik und Verwaltung.

Im vergangenen Jahr bekam das Museum insgesamt 333.500 Euro an Zuschüssen. Für 2016 sind rund 326.000 Euro eingeplant. Zum Vergleich: Das Stadttheater bekommt für die laufende Spielzeit 2015/16 insgesamt 229.000 Euro an Zuschüssen von der Stadt. Dazu kommen 50.000 Euro von der Sparkasse. Das Theater hat pro Spielzeit rund 40.000 Besucher. Im Museum waren es, laut Museumschefin Bärbel Böhnke 2015 rund 9000 Besucher.

Mit Abstand größter Posten im Etat des Museums sind die Ausgaben für das Personal. Im Jahr 2016 sind rund 214.000 Euro eingeplant. Linderung soll künftig die Streichung des wissenschaftlichen Volontariats im Museum bringen. Das ist aber nicht gleich möglich, weil das bestehende Volontariat erst 2017 ausläuft. Danach soll die Stelle nicht mehr besetzt werden. Ersparnis: 31.000 Euro.

Politik und Verwaltung wollen die Mitarbeiterstruktur insgesamt unter die Lupe nehmen. Neben Museumsleiterin Bärbel Böhnke gibt es zurzeit den Volontär, eine halbe Verwaltungsstelle, Museumswart, Honorarkräfte und geringfügig Beschäftigte - nach Auskunft des Kulturamtes insgesamt mehr als 20 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr hat das Museum 40.300 Euro erwirtschaftet. Im städtischen Haushalt 2016 sind 45  400 Euro kalkuliert.

Für Immo Neufeldt, Fraktionschef der CDU im Stadtverordneten-Kollegium ist die Bilanz des Museums ernüchternd. „Es muss sich dringend etwas ändern“, sagt er. Es müsse geklärt werden, wie viele Menschen das Museum besuchten und ob in diesem Zusammenhang die derzeitigen Öffnungszeiten noch realistisch seien (momentan ist das Haus nur montags geschlossen). Neufeldt: „Wir wollen das Museum nicht schließen, aber wir müssen sparen und brauchen eine Bestandsaufnahme. Die Kostendeckung muss ermittelt werden“.

Das Museum soll attraktiv bleiben

Von einer Verringerung der Öffnungszeiten hält Ulrich Lenk, Chef der SPD-Fraktion nichts. „Ich glaube nicht, dass das zu Einsparungen führt, außerdem muss das Museum attraktiv für Besucher bleiben“, sagt er. Doch auch der SPD-Politiker sieht die Notwendigkeit, die Kostenentwicklung beim Industriemuseum zu prüfen. „Wir sind offen für eine Bestandsaufnahme“, so Lenk. Dabei müsse aber im Blick bleiben, dass das Industriemuseum ein „Alleinstellungsmerkmal für die Stadt“ sei. Über die Streichung der Volontariatsstelle könne man nachdenken.

Klare Vorstellungen hat Silke Pahl, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. „Wir brauchen im Museum ein gutes Angebot bei einem vernünftigen Aufwand“, sagt sie. Die Qualität des Hauses sei unbestritten. Pahl: „Wir wollen nicht schließen sondern schauen, was sich lohnt. Wir müssen sehen, in welchem Verhältnis die Öffnungszeiten zur Zahl der Besucher und den Personalkosten stehen.“

Jens Petersen, FDP-Fraktionsvorsitzender geht noch einen Schritt weiter und sagt: „Es muss geklärt werden: Wen interessiert das Museum eigentlich“. Dabei bestehe erheblicher Handlungsbedarf. Eine Option sei, die Öffnungszeiten erheblich einzuschränken. Petersen: „Das Industriemuseum könnte nur noch Freitag bis Sonntag geöffnet sein“. Bei der Senkung der Kosten sieht der FDP-Politiker das Museumsteam in der Pflicht. Petersen: „Es ist der Job von Museumsleiterin Bärbel Böhnke sicherzustellen, dass ihr Haus effizient funktioniert“.

 

Beim Thema Öffnungszeiten tritt die Verwaltung auf die Bremse. In einer Stellungnahme für den Kulturausschuss heißt es: „Eine Reduzierung der Öffnungszeiten des Museums ist kontraproduktiv, da das positive Image des Industriemuseums und die öffentliche Zugänglichkeit sinken würden. Insgesamt ist ein Rückgang der Einnahmen mit der Reduzierung der Öffnungszeiten zu erwarten.“

Die Verwaltung schlägt für eine kurzfristige Senkung des Zuschussbedarfs die Erhöhung der Eintrittspreise vor. Erwachsene sollen 5 Euro (bisher 3 Euro), Kinder 2 Euro (bisher freier Eintritt) bezahlen. Die Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder) soll 12 Euro kosten. Die Erhöhung der Preise ab 1. April sei angemessen.

In diesem Jahr besteht das Elmshorner Industriemuseum 25 Jahre. Dazu gibt es eine große Sonderausstellung. Auch die renovierte erste Etage wird neu eröffnet. Darauf bereitet sich das Team an der Catharinenstraße intensiv vor. Das wichtigste Datum im Jahr 2016 ist für die Museumsmitarbeiter aber der 30. September. Bis dahin muss die Betriebsrechnung für ihr Haus vorliegen.

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