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Konstruieren, herstellen und installieren : Industrieanlagen aus Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Industrieanlagen werden in fast allen Branchen gebraucht. Was viele nicht wissen - nicht selten kommen solche Anlagen aus Elmshorn.

Elmshorn | Automatisch Räder aussortieren, die nicht exakt genug hergestellt wurden. Oder eine Anlage, die Endstücke aus Metall automatisch auf Hydraulikschläuche presst. Solche Anlagen konstruieren, bauen und beim Kunden aufstellen: Das ist die Domäne des Sonderanlagenbaus bei der Elmshorner JIM Innovation und Maschinenbau GmbH.

Spezialität von JIM ist Fördertechnik, hauptsächlich für die chemische Industrie. Wenn zum Beispiel bei Bayer Materialien in 1-Kubikmeter-Containern oder in 200-Liter-Fässern automatisch von A nach B transportiert werden sollen, kümmern sich die Elmshorner um die Konstruktion und Installation der Anlage.

Aus diesem Bereich stammt auch der bisher größte Auftrag des Unternehmens: Die Firma Dow an der niedersächsischen Unterelbe stellte ihre Produktion synthetischen Kautschuks um. Der sollte nicht mehr in Kartons auf Holzpaletten abgefüllt werden, sondern in Metallcontainer. Dafür musste die gesamte Füll- und Förderanlage umgebaut werden: Auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern bauten die Elmshorner neun Palettierer auf – dort kommt der Kautschuk in die Container – und installierten mit 8500 Rollen ein Transportsystem. Mehr als 4 Millionen Euro kostete das und brachte JIM viel Know-how: „Wir profitieren noch heute davon“, sagt Michael Kliche. „Jeder, der ein Problem hat, das mit einer Anlage aus Stahl gelöst werden soll“, ist ihm als Kunde willkommen. Für komplexe Anlagen schreiben die Elmshorner auch die nötige Software und bauen die passenden Schaltschränke.

Zweiter Geschäftsbereich ist die Lohnfertigung. Mit einem üppigen Maschinenpark formen die Elmshorner Metall in vielen Varianten: Bei JIM stehen Walzen, eine Abkantbank, in der mit 170 Tonnen Druck Bleche abgewinkelt werden, CNC-gesteuerte Drehbänke und Fräsen. Außerdem ist JIM zertifiziertes Schweißfachunternehmen. Kliches Stolz ist ein Laserschneidgerät, das fast beliebige Muster in Metallplatten schneidet. Ein hydraulischer Gewindebohrer und eine Glasperlstrahl-Anlage zum Säubern von Edelstahl-Oberflächen gelten da schon als kleinere Maschinen.

Martin Bunk transportiert eine 3 mal 1,50 Meter große Tafel aus Aluminium.
Martin Bunk transportiert eine 3 mal 1,50 Meter große Tafel aus Aluminium. Foto: Jann Roolfs
 

Standard-Rohstoff sind sogenannte Tafeln: Metallplatten mit dem Standardmaß 3 mal 1,50 Meter. Als Material kommen Aluminium, Rotguss, Stahl, Edelstahl und Kunststoffe zum Einsatz. Eine Untergrenze für Kleinstaufträge gibt es bei JIM nicht: „Viele unserer Kunden haben klein angefangen“, erzählt Kliche. Und bei 30 bis 40 kleineren Aufträgen pro Tag haben die insgesamt 27 Mitarbeiter gut zu tun. Wenn es mal ruhiger zugeht, bauen die Elmshorner für ihren größten Stammkunden Maschinen auf Vorrat. Aber auch nicht zu viele, eine Konstruktionsänderung kann die Vorgaben jederzeit kurzfristig ändern.

Viele Firmen aus Elmshorn, Hamburg und Umgebung lassen Metallteile bei JIM herstellen, berichtet Geschäftsführer Kliche. Export spielt so gut wie keine Rolle. „Wir sind Praktiker. Wir machen Lösungsvorschläge“, beschreibt Kliche die Firmenphilosophie. Sowohl er als auch der zweite Geschäftsführer und Firmengründer Volker Jacobsen sind Meister in Feinwerktechnik. „Unser größtes Kapital sind die Mitarbeiter“, stellt Kliche klar.

Michael Kliche, einer der beiden JIM-Geschäftsführer.
Michael Kliche, einer der beiden JIM-Geschäftsführer. Foto: Jann Roolfs
 

Jacobsen arbeitete bis 1992 bei einem Hamburger Maschinenbauer. Der ging pleite, Jacobsen machte sich selbständig und nahm das Know-how für Großprojekte mit, vor allem Palettieranlagen hatte er gebaut. Seit 2002 residiert JIM in Elmshorn.

Jacobsens Erfahrungen sind gerade bei einem neuen Projekt gefragt: Aus der Chemie-Industrie liegt eine Anfrage vor, eine Abfüllanlage für Fässer zu bauen; Ähnliches konstruierte Jacobsens früherer Arbeitgeber. Für JIM wäre das ein großer Schritt: keine maßgefertigte, einmalige Sonderanlage, sondern ein Produkt, das sich quasi als Serienmodell auch an andere Kunden verkaufen ließe.

Der Umsatz von JIM lag 2016 bei 3,2 Millionen Euro, Tendenz der vergangenen Jahre: steigend. „Wir wollen nicht viel weiter wachsen“, erklärt Kliche: Der Schwerpunkt liege auf hoher Qualität, nicht auf Menge. Es soll beim Einschicht-Betrieb bleiben. Was der Geschäftsführer bedauert: „Von der Politik fühle ich mich allein gelassen.“ So hätte er ein bis zwei Stellen, die er mit Migranten besetzen könnte, etwa beim Entgraten; aber kein Offizieller habe sich bisher bei ihm blicken lassen.
 

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