Badeaufsicht : In Elmshorn ist die Not bei den Rettungsschwimmern groß

Auch der Vorsitzende Olaf Ulrich übernimmt Dienste im Badepark – aber nur sehr selten.
Auch der Vorsitzende Olaf Ulrich übernimmt Dienste im Badepark – aber nur sehr selten.

Das DLRG unterstützt den Badepark bei der Freibadaufsicht. Seit die Aufpasser volljährig sein müssen, gibt es Probleme.

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19. Mai 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Für die Sicherheit im Elmshorner Freibad sorgen in der Regel fest angestellte Fachangestellte für Bäderbetriebe, früher bekannt als Bademeister. Vor allem um Geld zu sparen, setzen viele Betreiber zusätzlich an den Wochenenden oder in den Ferien auf Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). In Elmshorn ist es für die ehrenamtlichen Lebensretter vor einem Jahr aber zu einem echten Problem geworden, ausreichend Mitglieder für den Badepark-Dienst zu finden.

Haftungsgründe und Reife

Denn: Seit der Saison 2017 lässt Badepark-Betriebsleiter Jürgen Gerweler nur noch Rettungsschwimmer über 18 Jahren für den eigenverantwortlichen Dienst am Becken zu. Dabei beruft er sich auf ein Merkblatt für die Aufsicht in Badeanstalten, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. „Danach gelten in einer Badeanstalt andere Richtlinien als bei der Wasserrettung an öffentlichen Stränden“, erklärt Gerweler. „Es geht eben nicht nur um die Wasserrettung, sondern auch darum, die Badeparkregeln durchzusetzen.“

Die Rettungsschwimmer sollen eben nicht nur Badegäste in Not aus dem Wasser holen, sondern beispielsweise auch dafür sorgen, dass Rangeleien am Beckenrand nicht zu wild werden, sie sollen einschreiten, wenn sich Jugendliche schupsen, unter Wasser drücken oder unerlaubt mit dem Handy andere Badegäste fotografieren. Dafür kann er nur volljährige DLRG-Mitglieder einsetzen, sagt Gerweler – aus Haftungsgründen und weil die jungen Leute ein gewisses Maß an geistiger Reife benötigten, um sich auf eine deeskalierende Weise Respekt zu verschaffen.

Zu wenig Volljährige sind bereit, den Dienst zu übernehmen

Der Elmshorner DLRG-Vorsitzende Olaf Ulrich sieht das ein wenig anders. Für ihn ist es die Hauptaufgabe der Rettungsschwimmer, aufzupassen, dass jeder, der untergetaucht ist, auch rechtzeitig wieder auftaucht. Die neue Regelung stellt ihn vor ein großes Problem: Ihm stehen nur etwa zehn volljährige Rettungsschwimmer für die Dienste in den Ferien und an den Wochenenden zur Verfügung, dem gegenüber stehen zwanzig Mitglieder zwischen 16 und 17 Jahren, die die Voraussetzungen erfüllen und auch am Kollmaraner Strand Dienst tun.

Ältere Rettungsschwimmer zu aquirieren ist für Ulrich schwierig. Zum Ausgleich für die Dienste stellen die Stadtwerke dem DLRG die Becken für ihre Trainings – wie anderen Vereinen auch – hauptsächlich kostenlos zur Verfügung und zahlen zusätzlich eine festgelegte Entschädigungs-Summe pro Saison. Dafür muss der Badepark keine zusätzlichen Kräfte einstellen, die bei schlechtem Wetter nicht gebraucht würden. „Was davon am Ende bei unseren Leuten ankommt, ist nicht die Welt, fünf bis sieben Euro pro Stunde pro Person, aber für Jugendliche ist es ein nettes Taschengeld“, sagt Ulrich.

Ältere DLRG-Mitglieder könne man damit allerdings nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Zumal nicht alle älteren Mitglieder, wie für den Rettungsdienst vorgeschrieben, im Zweijahresrhythmus ihre Rettungsschwimm-Scheine auffrischen.

Für Ulrich wäre es wesentlich leichter, die Badepark-Dienste zu besetzen, wenn er auch Unter-18-Jährige einsetzen dürfte. „Für die Wasserrettung sind sie gut genug ausgebildet.“ Aber Jürgen Gerweler sagt, er könne 16- bis 17-Jährige höchstens im Rutschendienst einsetzen, wo die Rettungsschwimmer dann darauf achten, dass die Kinder die Abstände einhalten. „Wenn ich jemanden für einen festen Bereich am Becken einteile, ist er dort auch für alle Aufgaben zuständig – auch für die Einhaltung der Badepark-Regeln.“ 

Problematisch wird es in den Ferien

„Da muss man sich natürlich Respekt verschaffen – und das auf eine möglichst deeskalierende Art und Weise“, sagt Rettungsschwimmer Ulrich. Er sieht das aber nicht als originäre Aufgabe der Rettungsschwimmer an und weist seine Leute an, sich in solchen Situationen mit den Mitarbeitern des Badeparks in Verbindung zu setzen. Die Unter-18-Jährigen setzt er trotzdem am Beckenrand ein – an den Wochenenden jetzt immer nur zusätzlich zu einem volljährigen Rettungsschwimmer.

Problematisch wird es allerdings in den Ferien. „Dann haben nur die Schüler an den Werktagen Zeit, die Wachen zu besetzen“, sagt Ulrich. „Und die sind nun mal im Regelfall jünger als 18 Jahre.“

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