Krähensterben : In Elmshorn fallen die Krähen vom Himmel

Kirstin Zoller mit dem Krähen-Kadaver, der nächste Woche untersucht werden soll.

Kirstin Zoller mit dem Krähen-Kadaver, der nächste Woche untersucht werden soll.

Krankheit, Mangelernährung oder Vergiftung – Bürger finden in der Stadt Kadaver. Vogelschützer sind alarmiert.

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04. Juni 2018, 16:20 Uhr

Elmshorn | Im Rosengarten, am Probstendamm, an der Bismarckschule – überall fanden Elmshorner in der vergangenen Woche größere Zahlen toter Krähen unter den Bäumen. Immer sind es neben Nestlingen auch erwachsene Vögel, immer treten die Vorfälle örtlich begrenzt und einmalig auf, immer sind die Kadaver nach kurzer Zeit wieder verschwunden. 

Vogelschützer sind alarmiert, fragen nach der Ursache für das Sterben der Tiere. Als Helmut Dürnberg vom Nabu Elmshorn am Probstendamm zahlreiche tote Krähen entdeckte, führte er das zunächst auf Wasserknappheit zurück. Außerdem ist es laut der Raa-Besenbeker Vogelexpertin Kirstin Zoller nicht ungewöhnlich, dass Nestlinge bei warmen Temperaturen unruhig werden und aus dem Nest fallen. Doch die örtliche und zeitlich begrenzte Häufung der toten Krähen ist auffällig, ebenso ihr schnelles Verschwinden, auch an einem Sonntag. Beim Bauhof heißt es, dort habe man die Tiere nicht entfernt. Dazu kommt, dass viele der toten Vögel ausgewachsene Tiere waren.

Die tote Krähe soll auf Krankheiten und Gift untersucht werden.
Cornelia Sprenger
Die tote Krähe soll auf Krankheiten und Gift untersucht werden.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Krähen vergiftet worden sind, sagt Kirstin Zoller. Sie hat sich mit Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt in Verbindung gesetzt. Auch in anderen Städten werden laut Albrecht derzeit tote Krähen gefunden, aber in erster Linie Jungtiere, die von ihren Eltern nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. „Wenn erwachsene Tiere vom Himmel fallen, müssen wir das prüfen“, sagt Albrecht und schließt weder eine Krankheit noch eine Vergiftung aus. Nächste Woche sollen die Krähenkadaver untersucht werden.

Suche nach dem Grund

Was ist der Grund für das Krähensterben? Derzeit kennt keiner die Antwort. In der Wildtierstation in Sparrieshoop wurden in den vergangenen beiden Wochen 60 verwaiste und teilweise verletzte Nestlinge abgegeben. Leiter Christian Erdmann geht bislang davon aus, dass die jungen Krähen vor Hunger aus ihren Nestern fallen, weil ihre Eltern wegen der hohen Temperaturen nicht mehr ausreichend Nahrung finden. „Das ist wie bei den Störchen, bei der Trockenheit finden die Krähen nicht genug Nahrung“, erklärt Erdmann. „Am Boden werden die Tiere nicht weiter versorgt und würden sterben.“

Vogelexpertin Zoller glaubt nicht an Nahrungs- oder Wasserknappheit. Angesichts der Gewässerdichte in Elmshorn herrsche kein Mangel an Flüßigkeit, zudem beobachte sie in diesem Jahr in Schleswig-Holstein ein deutlich höheres Insektenaufkommen als in anderen Bundesländern. Sie findet es auffällig, dass gehäuft erwachsene Tiere tot gefunden werden. „Eine illegale Vergiftungsaktion muss man zumindest in Betracht ziehen.

Vergiftung nicht ausgeschlossen

Auch Erdmann schließt eine Vergiftung nicht aus – zumal die schwarzen Vögel in Elmshorn bekannterweise nicht gerade beliebt sind. Beide Vogelexperten schließen aber natürliche Ursachen nicht aus. Um das zu klären, hat Zoller eines der toten adulten Tiere eingefroren, um es wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Rüdiger Albrecht vom Landesamt für  Umwelt will den Vogel Anfang kommender Woche in Absprache mit der Stadtverwaltung abholen und untersuchen lassen. Das Veterinäramt in Neumünster ist für die pathologische Untersuchung zuständig. „Das geht relativ schnell“, sagt Albrecht. Wird dort keine natürliche Todesursache festgestellt, geht der Kadaver weiter nach Göttingen, um dort auf Gift untersucht zu werden. Das kann bis zu zwei Wochen dauern.

In Rheinland-Pfalz war es Rattengift

Einen ähnlichen Fall gab es erst vor wenigen Wochen im Rheinland-Pfälzischen Zweibrücken. Wie in Elmshorn beklagen die Bürger dort eine Krähenplage, wie in Elmshorn  tauchten große Mengen von Krähen-Kadavern auf. Jetzt haben Tierschützer die Tiere untersuchen lassen, die Uni München bestätigte, dass die Tiere mit Rattengift getötet wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Um die Situation in Elmshorn aufzuklären, bittet Kirstin Zoller die Bürger, die Augen offen zu halten und Fotos von den Kadavern zu machen. Erreichbar ist sie unter der Nummer (0171) 2116312. „Wenn möglich, können die toten Krähen in Plastiktüten zu mir gebracht werden“, sagt Zoller. Die Krähen sollten aber nicht angefasst werden.

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