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Wochenserie Inklusion: Eine Schule ohne Schüler? : Immer weniger Schüler lernen im Klassenverband an der Paul-Dohrmann-Schule

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nur noch wenig Schüler lernen im Klassenverband an der Paul-Dohrmann-Schule. Die Aufgaben der Schule haben sich verlagert.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 12:30 Uhr

Elmshorn | Pausenzeit an der Paul-Dohrmann-Schule. Während an anderen Bildungseinrichtungen die freie Zeit zwischen den Unterrichtsstunden mit lauten Jauchzen und Gegröle begrüßt wird, ist es hier ziemlich ruhig. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Schüler dieser Schule besonders schweigsam sind, sondern weil es hier einfach nicht so viele von ihnen gibt.

Neun Schüler besuchen zur Zeit in den Klassenverband die Paul-Dohrmann-Schule, Lehrer gibt es derzeit etwa 43. „Das Haus ist leer, wir haben nur noch eine Klasse“, sagt Volker Hintsch, Schulleiter der Einrichtung, die mit vollem Namen Paul-Dohrmann-Schule, Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Lernen heißt. Eine Schule ohne Schüler? Im Gegenteil, es passiert viel an der Schule. Nur nicht immer vor Ort, sondern an ganz unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet.

2009 hatte Schleswig-Holstein die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen unterschrieben. „Damit war klar, das Förderschule so wie sie damals existierte, wird so nicht weitergeführt werden können“, sagt Uta Bortz, stellvertretende Schulleiterin der Elmshorner Schule. Das Übereinkommen der UN sieht die Installation einer inklusiven Gesellschaft vor, in der Behinderte dieselbe Teilnahme am gesellschaftlichen Leben haben sollen wie Nichtbehinderte. Für Schulen bedeutet das, dass man Schülern mit Einschränkung denselben Zugang zur Bildung ermöglicht und einen Unterricht gestaltet, bei dem unabhängig vom Entwicklungsstand der Schüler gemeinsam unterrichtet wird.

„Es hat ein großer gesellschaftlicher Wandel stattgefunden. Und dadurch haben wir eine große Aufgabe erhalten“, sagt Schulleiter Hintsch. Schüler, die mehr Hilfe beim Lernen benötigen, gehen heute oft auf eine Regelschule. Damit die Lehrkräfte auch diesen Schülern gerecht werden, arbeiten die Pädagogen der Paul-Dohrmann-Schule an den Regelschulen mit. Unterrichten gehört dabei nach wie vor zum Berufsbild. Doch das Personal der Paul-Dohrmann-Schule, zu dem auch Sozialpädagogen gehören, habe noch ganz andere Aufgaben, erzählt Bortz. „Unser Job ist jetzt auch die Beratung“, sagt sie.

Um Kindern mit Einschränkungen die Teilhabe am Unterricht in Regelschulen zu ermöglichen, gibt es – zusätzlich zu Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen – verschiedene Fördermaßnahmen:  Die Sonderpädagogen, die früher direkt an Förderzentren unterrichtet haben, arbeiten stundenweise in Klassen mit Kindern mit Förderbedarf an Regelschulen.  Zusätzlich unterstützen Schulbegleiter Kinder mit Behinderung, damit sie am Unterricht teilnehmen können. Schulbegleiter haben in der Regel keine spezielle Ausbildung, sie begleiten die Kinder in der Schule und helfen ihnen, dem Unterricht zu folgen, sie geben Hilfestellung bei Toilettengängen und bei Mahlzeiten. Seit Anfang diesen Jahres gibt es außerdem Schulassistenten, in der Regel ausgebildete Pädagogen, die die Arbeit  in ganzen Klassen in Grundschulen unterstützen sollen. Für Kinder mit besonders starken Verhaltensauffälligkeiten gibt es das Schultraining, ein Beschulungsangebot mit starker sozialpädagogischer Basis. Gelernt wird in kleinen Gruppen oder einzeln. Schrittweise werden die Schüler dann zurück in die Regelschulen geführt.

So unterstützen Lehrkräfte der Schule etwa die Arbeit an Grundschulen und Kindertagesstätten mit dem Ziel, frühzeitig Lernprobleme bei Kindern zu erkennen und eine passende Fördermaßnahme zu ermitteln. In den höheren Klassenstufen wird bei der Inklusion von Schülern mit Einschränkungen geholfen. So werden Unterrichtskonzepte, die alle Schüler miteinschließen, entworfen oder individuelle Förderpläne entwickelt. „Es ist normal verschieden zu sein. Für uns bedeutet das aber auch eine große Aufgabe“, sagt Hintsch.

Die Dohrmann-Lehrkräfte beraten bei ihrer Arbeit nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer der Regelschulen, Eltern und auch Mitarbeiter von Ämtern, die manchmal über Fördermaßnahmen entscheiden müssen. Auch die Schulbegleiter, das Schultraining und die Schule in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird unter dem Dach der Paul-Dohrmann-Schule organisiert. „Wir haben nach wie vor eine große Aufgabe in der Schullandschaft“, sagt Hintsch. Eine Schule ohne Schüler? Mitnichten.

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