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Elmshorn : Immer mehr Leerstand in der Königstraße

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Leerstände in der Elmshorner Königstraße häufen sich. Stadtmarketing, Kaufleute,Vermieter und Verwaltung suchen nach Lösungen.

Elmshorn | Die Elmshorner und ihre City: das ist eine gut gepflegte Hassliebe. Viele finden die Fußgängerzone langweilig und vermissen den Branchenmix. Andere fühlen sich in der beschaulichen Innenstadt ohne viel Trubel gut aufgehoben. Die Kaufleute selbst haben mit hohen Mieten und der Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen. Die Auswirkungen sind deutlich sichtbar: Beim Gang durch die Königstraße fallen immer mehr leerstehende Ladenflächen auf. Jetzt hat sogar die Modekette „New Yorker“ Elmshorn den Rücken gekehrt. Patentrezepte für die Belebung der City gibt es nicht, doch Stadt, Stadtmarketing und die zuständige Arbeitsgruppe sehen dringenden Handlungsbedarf.

Wenn es um die Entwicklung der Elmshorner Innenstadt mit dem Sanierungsgebiet Krückau/Vormstegen geht, spricht Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) gern von „Aufbruchstimmung“. Was die Situation des Handels in der Fußgängerzone anbelangt, läuft die Sache zurzeit nicht unbedingt in seinem Sinn. „Aufbruch“ bedeutet hier Schließung und Geschäftsaufgabe.

Ein Spaziergang durch die „Kö“ verdeutlicht die Situation unübersehbar. Die ehemalige Rossmann-Filiale steht leer, wo „New Yorker“ war, klafft eine Lücke, leerstehende Verkaufsräume durchbrechen die Front der Ramelow-Geschäfte. Manche Flächen werden zwischengenutzt (Fingernagelstudio Königstraße/Ladenstraße). Auch im City Center (CCE) am Alten Markt und in der Marktpassage sind große Flächen ungenutzt. Lichtblick ist jetzt der Einzug der Woolworth-Filiale ins CCE im zweiten Quartal des Jahres.

„Das Thema Leerstellenmanagement wird uns mit Sicherheit in diesem Jahr stark beschäftigen“, sagt Bürgermeister Volker Hatje. Und weiter: „Das Stadtmarketing, bei dem ich im Vorstand vertreten bin, wird sich des Themas ganz intensiv annehmen und Vorschläge für die politischen Gremien erarbeiten.“ Man könne, so der Verwaltungs-Chef, den Leerstand nicht einfach hinnehmen. „Der Wandel im Kaufverhalten der Menschen, Stichwort Internet, ist mittlerweile auch in Städten unserer Größenordnung spürbar. Man muss deshalb auch mit den Immobilien-Eigentümern diskutieren, um herauszuarbeiten, ob die geforderten Mieten in den sogenannten A- und B-Lagen überhaupt noch zeitgemäß sind. Ich höre von Startup-Unternehmern, die Räume brauchen, immer wieder: ‚Zu den Preisen ist mieten für uns indiskutabel‘. Das ist die Schwierigkeit, der Markt funktioniert nicht“, sagt Volker Hatje.

Königstraße 59: Hier war bis vor Kurzem noch der Brot&Brötchen-Verkaufs-Shop zu finden. (Fptp: Schönstedt)
Königstraße 59: Hier war bis vor Kurzem noch der Brot&Brötchen-Verkaufs-Shop zu finden. (Fptp: Schönstedt)
 

Die Stadt, so der Bürgermeister, habe in diesem Bereich fast keine Möglichkeiten einzugreifen. Es gebe dennoch Ansätze. „Wir wollen mit dem Sanierungskonzept Krückau/Vormstegen Impulse für eine komplette Veränderung der Innenstadt geben, damit die Menschen mehr in die Stadt kommen, um dort zu wohnen und ihren Lebensmittelpunkt zu haben.“

Zu den Immobilienbesitzern und Vermietern in der City gehört der Elmshorner Geschäftsmann Dirk Kehrhahn (Flora Gesundheitsgruppe). „Den Grund für die Leerstände nur bei den hohen Mieten zu suchen, ist zu kurz gegriffen, eine Vielzahl von Maßnahmen ist nötig, um die Situation zu verbessern“, sagt er. Der Elmshorner ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Leerstände in der Elmshorner Innenstadt beschäftigt. Mit dabei sind Vertreter der Geschäftswelt, der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Eigentümervereinigung Haus & Grund und der Stadt.

Auch die Räume der ehemaligen Rossmann-Filiale an der Königstraße stehen seit geraumer Zeit leer. (Foto: Schönstedt)
Auch die Räume der ehemaligen Rossmann-Filiale an der Königstraße stehen seit geraumer Zeit leer. (Foto: Schönstedt)
 

„An wen sie vermieten, ist Sache der Eigentümer, aber es ist ja nicht damit getan, dass sich noch mehr Filialisten weniger Branchen in der Königstraße ansiedeln. Ein guter Mix ist notwendig. Die Vermieter sind da auch einsichtig, es findet ein Umdenken statt“, sagt Dirk Kehrhahn. Die Königstraße müsse lebendiger werden. Dem Elmshorner fehlt es beispielsweise an Gastronomie.

Für besonders wichtig hält Kehrhahn den Aufbau einer Datenbank. „Wer in Elmshorn ein Geschäft aufbauen möchte, muss genau wissen, was zur Verfügung steht, wo er sich ansiedeln kann und was es kostet“, sagt der Kaufmann. Dazu sei zunächst eine Bestandsaufnahme nötig. Es müsse klar zu sehen sein, welche Flächen vermietet seien, was zur Verfügung stehe und wer der Ansprechpartner sei.

Doch wer soll die Datenbank erstellen, bearbeiten und auf dem neuesten Stand halten? Für Dirk Kehrhahn kommen zwei Ansprechpartner in Frage: Das Stadtmarketing und die Stadtverwaltung. „Das kostet aber Geld. Das Team des Stadtmarketings müsste aufgestockt werden. Die Mitarbeiter versinken jetzt schon in Arbeit“, sagt Dirk Kehrhahn.

Hier zieht Woolworth ein: Die ehemalige Kik-Filiale im CityCenter Elmshorn- (Foto: Fröhlig)
Hier zieht Woolworth ein: Die ehemalige Kik-Filiale im CityCenter Elmshorn- (Foto: Fröhlig)
 

Problematisch ist für den Elmshorner, dass seiner Einschätzung nach ein Viertel der Immobilien in der Königstraße nicht in Besitz von örtlichen Eigentümern sind. „Mit Vermietern aus Elmshorn kann man reden. Mit Eigentümern zum Beispiel aus dem Ausland nicht. Da wird es schwierig, da kommen sie nicht ran, die haben kein lokales Interesse an Elmshorn“, sagt Dirk Kehrhahn.

Die Situation für die Kaufleute in der Königstraße sei nicht einfach, so der Geschäftsmann. Das Kaufverhalten vieler Menschen habe sich geändert, das Internet werde für lokale Händler zunehmend zur harten Konkurrenz. Kehrhahn: „Da wäre es doch schön, wenn es in der Elmshorner City wenigstens einheitliche Öffnungszeiten gäbe. Die Menschen wüssten dann verlässlich, wann sie in der Innenstadt einkaufen könnten. Die Konkurrenz aus dem Internet hat immer geöffnet.“

An der Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Elmshorner Innenstadt arbeitet Manuela Kase, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, seit Jahren. Die Entwicklung der Leerstände betrachtet sie mit Sorge, auch wenn sie weiß, dass die „New Yorker“-Filiale nicht geschlossen worden ist, weil Elmshorn nicht attraktiv genug ist. Kase: „Auch die Filiale in Pinneberg ist dicht. Das ist Unternehmenspolitik. ‚New Yorker‘ will keine Geschäfte mehr betreiben, die weniger als 800 bis 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben.“

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erstellt am 03.Feb.2016 | 14:00 Uhr

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