Immer mehr Kita-Kinder auffällig

Zu Gewalt neigende Kinder - laut einer Umfrage der Verwaltung keine Seltenheit im Kreis.   Foto: pt
Zu Gewalt neigende Kinder - laut einer Umfrage der Verwaltung keine Seltenheit im Kreis. Foto: pt

37 Prozent zeigen laut einer Umfrage der Kreisverwaltung Probleme in der sozial-emotionalen Entwicklung / Fallzahlen steigen deutlich

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18. Juni 2011, 06:45 Uhr

Pinneberg | Motorische Unruhe, mangelnde Konzen trationsfähigkeit, Angst, Rückzug, Aggression, Gewalt: Immer mehr Jungen und Mädchen zeigen sozial-emotionale Auffälligkeiten und bedürfen einer speziellen Förderung - oft schon im Kindergartenalter. "Wir mussten in den vergangenen Jahren eine deutliche Fallzahlensteigerung im Bereich der heilpädagogischen Leistungen verzeichnen", berichtet Marc Trampe, Sprecher der Kreisverwaltung im Gespräch mit unserer Zeitung. Waren im Jahr 2005 nur acht Fälle bei der Kreisverwaltung registriert, sind es derzeit 45 - also fast sechs Mal so viele.

Alarmierende Zahlen, denen der Kreis möglichst schnell und effektiv entgegenwirken möchte. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die Verwaltung getan, indem sie Fragebögen zum Thema an alle Kindertageseinrichtungen des Kreises geschickt hat.

Darin wurden die Kita-Verantwortlichen aufgefordert, ihre Schützlinge einer von drei Kategorien zuzuordnen: Ohne Probleme im Bereich ihrer sozial-emotionalen Entwicklung, mit Problemen oder mit massiven Problemen. Zudem sollten die Pädagogen entscheiden, ob es sich bei den Problemschwerpunkten um Angst/Rückzug, motorische Unruhe, Aggression/Gewalt oder eine andere Auffälligkeit handelt.

Die Ergebnisse liegen jetzt vor und sollen zunächst dem Ausschuss für Soziales, Gesundheit,Gleichstellung und Senioren während seiner Sitzung am Mittwoch, 29. Juni, und im Anschluss den einzelnen Kommunen vorgestellt werden. "Bislang haben wir nur die Daten, die Bewertung wird die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Politik und den Kommunen vornehmen", erläutert Trampe. Gemeinsam solle dann auch beschlossen werden, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Trampe zeigte sich mit der Rücklaufquote der Aktion zufrieden: "Diese war mit 85 Prozent hoch und verleiht der Umfrage eine ausreichende Repräsentativität."

8680 genehmigte Kita-Plätze gibt es derzeit im Kreis Pinneberg, 7411 Jungen und Mädchen wurden von den Verantwortlichen eingeschätzt. Mehr als ein Drittel von ihnen zeigte sich laut Umfrage-Ergebnis verhaltensauffällig. Acht Prozent hätten sogar mit massiven Problemen zu kämpfen.

Rund zwölf Prozent der auffälligen Kinder leiden den Ergebnissen zufolge unter Angstzuständen, ziehen sich zurück oder lassen überhaupt keinen Kontakt zu anderen Spielkameraden zu. Weitere elf Prozent sind von einer motorischen Unruhe geprägt, die sowohl für die Gruppe als auch für die Fachkräfte als belastend empfunden wird. Besonders alarmierend: Immerhin fast fünf Prozent werden von den Kita-Verantwortlichen als aggressiv und zur Gewalt neigend eingestuft.

Die meisten verhaltensauffälligen Jungen und Mädchen finden sich der Umfrage zufolge in Moorrege - dort liegt die Quote bei etwa 51 Prozent - gefolgt von Tangstedt (50 Prozent), Rellingen (46 Prozent), Quickborn, Hemdingen und Uetersen (alle 43 Prozent) sowie Wedel und Elmshorn (beide rund 40 Prozent).

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