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Ende des Kult-Imbiss in Kollmar : Im Netz und an der Theke: Ärger über Hafensnack-Kündigung

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Sei es an der Bude oder bei Facebook – das Schicksal des Hafensnacks Kollmar sorgt für Gesprächsstoff. Jetzt äußert sich der Bürgermeister.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Kollmar | Die Nachricht, dass die Gemeinde Kollmar den Inhabern des Hafensnacks gekündigt hat, schlägt hohe Wellen. In den sozialen Netzwerken hat der Artikel über 12.000 Menschen erreicht, 108 haben ihre Meinung direkt dazu geäußert. Auch die Hafensnack-Inhaber Hartmut und Simone Köhler wurden am Wochenende immer wieder auf die Kündigung angesprochen. „Da war ganz viel Solidarität, das hat mich gestern zu Tränen gerührt“, erzählt Simone Köhler.

Nach 13 Jahren hat die Gemeinde Kollmar ohne Vorwarnung den Nutzungsvertrag mit dem Inhaber der Kult-Imbissbude aufgelöst. Der Hafensnack ist ein Anziehungspunkt in Kollmar, aber der Gemeinde ein Dorn im Auge. Würde der Imbiss verschwinden, würde am Hafen deutlich weniger Betrieb herrschen.

Viele Stammkunden seien wütend und geschockt über die Nachrichten gewesen. „Das berührt einen schon“, sagt sie. Ein Ehepaar habe am Sonntag sogar einen vorbereiteten Unterschriftenbogen gegen die Kündigung vorbeigebracht, der jetzt im Imbiss ausliegt. Dort heißt es, die Kunden des Hafensnacks müssten es immer wieder hinnehmen, dass Einzelne sich etwa beim Jet-Ski-Fahren oder bei Strandparties auf Kosten Anderer vergnügen. Das nehme man hin, „weil wir gerne in einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft leben“. Nicht hinnehmen wolle man dagegen, „dass ein wesentlicher Teil der Kollmaraner Hafenkultur in nichtöffentlicher Sitzung ohne Begründung oder Anhörung der Betreiber quasi per Federstrich zum 30.06.16 eliminiert werden soll“.

Der Hafensnack ist Kult in Kollmar, seit 13 Jahren wird er von Hartmut Köhler geführt. Der 57-Jährige hat viel Geld in seinen Imbiss mit Elbblick investiert, erst Karfreitag hat er einen nagelneuen Küchencontainer installiert. Dann, kurz vor Ostern, flatterte die Kündigung zum 30. Juni ohne Ankündigung und Begründung ins Haus.

Bei Facebook reagieren die meisten Nutzer wütend und enttäuscht auf die Kündigung. „Zu einem Besuch in Kollmar gehört immer ein Fischbrötchen vom Hafensnack“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer erklärt: „Stellvertretend für viele mir bekannte Motorradfahrer und als immer wieder gerne nach Kollmar Kommender sage ich nur: Absolutes No-Go. Ich will weiterhin meinen Butterkuchen und meinen Kaffee vom Hafensnack.“ Viele kritisieren die Intransparenz auf Seiten der Gemeinde Kollmar und vermuten Neid als Ursache für die Kündigung. „Jemand“ müsse ein „dubioses Interesse“ an dieser Kündigung haben. Es werden verschiedene Theorien dazu aufgestellt.

„Wir sind völlig aus dem Häuschen. Die Kündigung flatterte einfach so ins Haus, ein Dreizeiler ohne Vorwarnung, ohne...

Posted by Elmshorner Nachrichten on  Sonntag, 3. April 2016

Es gibt aber auch die andere Seite, Kommentatoren, die darauf hinweisen, irgendetwas müsse doch vorgefallen sein, ansonsten „würde die Gemeindevertretung nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit solche Beschlüsse verabschieden“. Ein Nutzer vermutet, die Kündigung basiere „mit Sicherheit auf Dingen, die die Auflagen wohl verletzt haben“.

Kollmars Bürgermeister Klaus Kruse, der die Kündigung nach einem Beschluss der Gemeindevertretung unterschrieben hat, gibt sich weiterhin bedeckt. Er könne nicht viel sagen, ohne Auskunft über interne Vertragsangelegenheiten und den Inhalt des nichtöffentlichen Ausschusses zu geben. Allerdings habe es in den vergangenen Jahren immer wieder mit den Inhabern des Hafensnacks Gespräche über einzelne Genehmigungen gegeben. „Ich unterschreibe eine solche Kündigung ja nicht, weil ich Lust dazu habe. Die Entscheidung resultiert aus dem Beschluss der Gemeindevertretung.“ Grundsätzlich habe die Gemeinde aber nichts gegen einen Imbiss am Hafenbecken einzuwenden.

In diesem Zusammenhang verweist Kruse auch darauf, dass das von Hartmut Köhler kritisierte Aufstellungsverbot für Sitzbänke nicht vonseiten der Gemeinde gekommen sei und der Deich Sache des Landesamtes für Küstenschutz sei. Auch mit den konkurrierenden Imbissbuden habe die Gemeinde nichts zu tun – „das liegt ganz in der Verantwortung des Fährhauses“.

Einen Imbiss, so lassen sich die Worte des Bürgermeisters interpretieren, wird es wohl weiterhin am Hafen geben – aber nach dem Willen der Gemeinde nicht mehr mit dem Ehepaar Köhler. Die werden sich aber, wie berichtet, dieser Entscheidung nicht kampflos beugen.

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