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Elmshorner Nachrichten

18. Dezember 2017 | 08:33 Uhr

Elmshorn : Ihre Mission: Guter Geschmack

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Alle zwei Wochen stellen die wir Firmen vor, die in Elmshorn produzieren oder ihre Produkte vermarkten. Heute: Mount Everest Tea.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 16:30 Uhr

Elmshorn | Wenn Catharina Richter nach der Arbeit in der S-Bahn nach Hause fährt, passiert es ihr schon mal, dass wildfremde Menschen an ihr schnuppern und loben: „Sie riechen aber gut.“ Das liegt daran, dass die blonde Frau die vielen Düfte ihres Elmshorner Arbeitsplatzes mit sich trägt: Richter ist Tea Taster bei Mount Everest Tea. Die Firma wird von Jens von Riegen in neunter Generation als Familienunternehmen geführt, sie bietet mehr als 1000 Teesorten an und residiert seit Ende der 1990er-Jahre in Elmshorn; vorher waren die Geschäftsräume seit 1793 in der Hamburger Speicherstadt untergebracht.

Das Kerngeschäft von Mount Everest besteht darin, in Indien, Japan, China, Taiwan und Kenia Tee zu kaufen – also überall dort, wo er wächst –, ihn in Elmshorn zu reinigen, spezielle Mischungen herzustellen und ihn dann weltweit zu verkaufen. Das Land der Teetrinker schlechthin, England, ist ein wichtiger Markt, dazu kommen Europa, Australien und die USA. Die Elmshorner verkaufen sogar chinesischen Tee nach China. 60 Prozent seines Umsatzes verdient Mount Everest im Export, die Tendenz des Geschäfts ist steigend, sagt Martin Weber, kaufmännischer Leiter des Unternehmens.

Mount Everest beschäftigt mehr als 50 Mitarbeiter, im Lager wird Tee in Big Packs per Gabelstapler transportiert. Nicht nur Tee wird in dem riesigen Hochregallager aufbewahrt, hier finden sich Pflanzen und Zutaten für alle möglichen Teemischungen, von Kräutern über Früchte bis zur Bergamotte, die dem Earl Grey sein Aroma verleiht.

Welchen Tee Mount Everest einkauft, das entscheidet Tea Tasterin Catharina Richter. Mitte März bis Mitte April ist die wichtigste Erntezeit, dann kostet sie schon mal 300 Sorten Tee am Tag. Ein bis zwei Sekunden hat sie dann pro Tasse Zeit für ihre Entscheidung. Das Ritual ähnelt einer Weinverkostung: Richter führt einen Löffel in die Tasse, schlürft die Flüssigkeit lautstark auf – dabei aktiviert die mit aufgenommene Luft die Geschmacksknopsen der Zunge – und spuckt den Tee anschließend in einen kupfernen Napf.

Im Lager von Mount Everest Tea wird Tee in Big Packs gestapelt. (Foto: Roolfs)
Im Lager von Mount Everest Tea wird Tee in Big Packs gestapelt. (Foto: Roolfs)
 

Bei einer eingehenden Verkostung werden zwei Durchgänge mit gefiltertem Wasser absolviert, dann kommt der Härtetest mit Elmshorner Leitungswasser. „Wenn der Tee selbst im Elmshorner Wasser schmeckt, ist er gut“, sagt die Frau mit der feinen Zunge.

Wenn Richter sich für Tee aus einem bestimmten Garten entschieden hat, werden Gebote und Gegengebote ausgetauscht „wie auf einem Basar“, bis sich Produzent und Großhändler auf einen Preis geeinigt haben – oder, mit Pech, die Partie an einen Konkurrenten geht. Das kann schon innerhalb eines Tages passieren.

Richters zweiter wichtiger Arbeitsbereich ist das Komponieren: Sie stellt die Zutaten für die vielen Teemischungen und Kräutertees zusammen und sorgt dafür, dass die Ostfriesenmischung auch bei verschiedenen Erntebedingungen immer gleich schmeckt.

Jeder Mitarbeiter bei Mount Everest Tea hat seine eigene Teekanne, er kann sich täglich eine neue Sorte aussuchen, die dann morgens für ihn aufgebrüht wird, erzählt Barbara Makowka. Sie ist seit anderthalb Jahren damit beschäftigt, unter der Marke „T-Bar“ ein Standbein im Einzelhandel zu entwickeln: Schicke Dosen mit 110 Gramm Inhalt und Sichtfenster im Deckel sollen vor allem junge Kunden anlocken, die knapp 30 Mischungen im Sortiment tragen Namen wie „Energy Splash“, „Mama Mango“ oder „Queen Of The Day“, Detox-Tees zum Entgiften und Entschlacken bilden eine eigene Rubrik mit drei Sorten. Die Palette umfasst grob die Mischungen, die sich im Großhandel am besten bewährt haben, darunter auch Klassiker wie English Breakfast oder Darjeeling.

Der Tee wird maschinell in Pfundpackungen abgefüllt. (Foto: Roolfs)
Der Tee wird maschinell in Pfundpackungen abgefüllt. (Foto: Roolfs)
 

Barbara Makowka weiß, dass sie für ihre Mission einen langen Atem braucht, aber sie sammelt sonnabends beim Markt in der Hamburger Fabrik schon „ganz viele Empfehlungen“ und registriert „viele Wiederholungstäter“ an ihrem Stand.

In der Gastronomie ist es schwieriger: Hotels zum Beispiel schreiben ihre Lieferverträge alle zwei bis drei Jahre aus, da ist es nicht so einfach, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Tee- und Delikatessenläden und Cafés hat Makowka für den Vertrieb ihrer Tees im Visier. Außerdem gibt es einen Online-Shop.

Für die meisten Konsumenten ist Tee ein Alltagsgetränk, aber es gibt auch beim Aufgussgetränk Hypes. „Total in ist Flug-Tee“, berichtet Barbara Makowka: Das ist Darjeeling der ersten Ernte, der per Flugzeug nach Deutschland gebracht wird und dementsprechend teuer ist. Tea Tasterin Richter erinnert sich an den teuersten Tee, den sie jemals probierte: 5000 Euro sollte ein Kilo kosten, geerntet und veredelt wurde er in Japan von einem prominenten Teemeister, es gab nur vier bis fünf Kilo pro Jahr von diesem einen Strauch.

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