Ihr Revier ist die Unterelbe 3

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Unterwegs mit den Elmshorner Wanderpaddlern

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24. Juli 2018, 17:24 Uhr

Leben am Wasser, Freizeit auf dem Wasser – In Elmshorn und Umgebung haben viele Vereine und Organisationen einen ganz besonderen Blickwinkel.

Die kleinen Punkte auf der weiten Unterelbe werden schnell größer, bald sind die Paddel zu erkennen, die immer wieder über die flachen Boote ragen, dann biegen die beiden Boote in die Bucht ein und landen am Sandstrand. Britta Zielke und Stan Stein kommen von einer Tour in ihren Seekajaks zurück. „In Brokdorf kann man gut Pause machen“, erzählt Zielke. „Da ist ein kleiner Strand“, ergänzt Stein. Morgens mit der Tide flussabwärts, nachmittags zurück: Ohne große Anstrengung haben die beiden innerhalb von sechs Stunden rund 40 Kilometer auf dem Fluss zurückgelegt.

Zielke und Stein gehören zu den Elmshorner Wanderpaddlern. Alle 14 Tage bietet der Verein im Sommer eine begleitete Vereinsfahrt auf dem Hausgewässer an, der Unterelbe. Am Hafen Kollmar besitzt der Verein gleich hinter dem Deich ein Bootshaus, ein schönes Gebäude mit Reetdach. „Das ist ein Schmuckstück, nach wie vor“, findet Jochen Meyer, seit 66 Jahren aktiver Paddler, Urgestein und wandelndes Gedächtnis des Vereins.

„Die Unterelbe ist das anspruchsvollste und schönste Revier, das es gibt“, sagt Meyer. Gezeiten, Strömung, Berufsverkehr, Wind – einfach ist es hier nicht. Aber Meyer hat keine Bedenken, bei schwachem Wind auch Anfänger auf dem Fluss paddeln zu lassen. Bei 4 bis 5 Windstärken sollten allerdings nur „starke“ Leute unterwegs sein, die das Revier kennen, meint Meyer. Und bei mehr Wind sollte man es ganz lassen.

Auf dem geräumigen Dachboden des Vereinshauses liegen die Boote der Mitglieder und einige Vereinsboote. Die sind vor allem für Anfänger und Jugendliche gedacht; wer den Kanusport ernsthaft betreibt, verfügt in der Regel über ein eigenes Boot. Im Urlaub wird das dann aufs Autodach geschnallt und so gehören zum erweiterten Revier der Elmshorner Wanderpaddler neben Nordsee samt Watten und Ostsee auch „Flüsse europaweit“, so Meyer. Sogar eine Wildwasser-Abteilung gibt es im Verein, in dem insgesamt gut 100 Mitglieder organisiert sind.

Organisiert sind die Paddler schon lange, das Bootshaus in Kollmar nutzen sie seit 1936, vorher hatten sie ihr Domizil an der Krückaumündung. Während der Nazi-Diktatur mussten sie sich heimlich treffen, denn sie standen den Kommunisten nahe. „Die Gründungsmitglieder waren alle im KZ“, berichtet Jochen Meyer. 1946 gründeten sie dann ihren offiziellen Verein, 1972 kauften sie das Bootshaus.

Seit drei Jahren haben die Wanderpaddler auch einen Stützpunkt in Elmshorn selbst: ein kleines Bootshaus an der Schlangenau am Mühlendamm. Dort oder im benachbarten Steindammpark laden die Wanderpaddler mittwochs Neulinge und Jugendliche zum Ausprobieren ein. Paddler sind eher Individualisten, die sich einer Randsportart verschrieben haben. Ins Rampenlicht kommen sie alle vier Jahre, wenn der Deutsche Kanuverband bei den Olympischen Spielen die meisten Medaillen aller Sportverbände abräumt. Ansonsten genießen Wasserwanderer wie Jochen Meyer es, „in der freien Natur zu sein“ und dass man diesen Sport auch alleine ausüben kann. Allerdings: Auch Familien sind im Faltboot gut untergebracht, betont Meyer.

Große Fahrten organisiert der Verein vier Mal pro Jahr: Zum Saisonstart und -ende das An- beziehungsweise Abpaddeln, die Pfingstfahrt und die Verbandsfahrt, bei der die Elmshorner Ortsfremden ihre Unterelbe vorstellen. Die Jugendgruppe fährt traditionell um den 1. Mai nach Malliß in Mecklenburg-Vorpommern. Ganzjährig stehen Gymnastik- und Konditionstraining auf dem Programm, im Winter Bootsbeherrschung in der Traglufthalle. „Die Jugendlichen müssen alle kentern“, beschreibt Meyer einen wichtigen Teil der Ausbildung. Ansonsten gelte: „Sitzen ist das A und O, dann kommt die Paddeltechnik.“

www.elmshorner-wanderpaddler.de/


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