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21 Tiere in Sparrieshoop : Igel-Zeit in der Wildtierstation

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jeden Tag werden es mehr Tiere. Stephanie Lange verrät, wie die Tiere am besten unterstützt werden können.

Elmshorn | Mit seinen kleinen Knopfaugen blickt der junge Igel munter in die Welt hinaus. Auf den Händen von Tierpfleger-Azubi Stephanie Lange fühlt sich das Tier sichtlich wohl und schnuppert interessiert mal in die eine, mal in die andere Richtung. In der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop lebt der kleine Igel derzeit in einer Wohngemeinschaft mit fünf Artgenossen. Außerdem gibt es in der Station noch zehn kranke Jungtiere und fünf erwachsene Igel – und es werden täglich mehr. Im Herbst ist in der Wildtierstation Igel-Zeit, von Ende August bis Mitte November rufen ständig Leute an oder kommen vorbei, die ein von den Eltern verlassenes Jungtier oder einen abgemagerten oder kranken Igel gefunden haben.

„Meistens sind die Tiere, die direkt zu uns gebracht werden, leider falsch eingefangen“, sagt Stephanie Lange. Was die 24-Jährige damit meint: Junge Igel erkunden kurz vor der Dämmerung häufig für eine oder zwei Stunden alleine ihre Umgebung. Die Mutter kommt dann, wenn es dunkel wird, dazu. „So lange der Igel schon Fell hat und seine Augen geöffnet sind, sollte man vor dem Einsammeln erst einmal einige Zeit warten“, erklärt Lange.

Denn ist der junge Igel erst einmal einen Tag von seiner Mutter fort, ist es meist schwierig, ihn zurückzusetzen. „Dann ist die Mutter oft weitergezogen. Deshalb nehmen wir alle Igel, die zu uns in die Station gebracht werden, auf.“ Wenn dagegen ein sehr junger Igel mit geschlossenen Augen und ohne Fell alleine herumläuft, offene Wunden zu sehen sind oder Fliegen um das Tier herumschwirren, könne er bedenkenlos eingesammelt werden.

Stephanie Lange rät in jedem Fall dazu, als erstes immer mit der Wildtierstation telefonisch Kontakt aufzunehmen und um Rat zu fragen.

Spezielles Aufzuchtmilch

In der Wildtierstation werden die Igel je nach Alter mit einer speziellen Aufzuchtmilch vom Tierarzt oder mit Katzen- und Igelfutter aufgepäppelt. 450 bis 500 Gramm sollte ein Igel wiegen, damit er für den Winterschlaf genügend Fettreserven aufgebaut hat. „Wenn ein Igel jetzt noch weniger wiegt, dann ist das nicht so schlimm“, sagt Lange. „Aber später benötigt er das Gewicht. Wer im November, wenn es Frost gibt, noch einen Igel draußen herumlaufen sieht, sollte ihn auf jeden Fall zu uns bringen oder selber aufpäppeln. Vor allem, wenn sie das Winterschlafgewicht von 450 bis 500 Gramm noch nicht erreicht haben.“ Bei erwachsenen Igeln sei das auch für Laien machbar: „Man muss den Igel dann in einem großen Karton mit Einstreu und einem frischen Handtuch zum Kuscheln in die Garage oder in den Keller stellen und ihm Katzenfutter geben.“

Denn auch die Wildtierstation ist irgendwann überlastet. Im vergangenen Jahr haben 40 Igel in einem Wohnwagen auf der Wiese vor der Station überwintert – „aber damit waren wir auch echt an unseren Grenzen“. Zehn weitere Tiere verbrachten den Winter innerhalb der Station, weil sie krank waren oder nicht genügend Gewicht für den Winterschlaf zugelegt hatten. Besonders Jungtiere bedeuten für Stephanie Lange und ihre Kollegen viel Arbeit. Sie müssen alle zwei Stunden mit Hilfe einer Spritze mit spezieller Milch gefüttert werden – auch nachts. „Dann stellen wir uns regelmäßig den Wecker“, erzählt Lange, die seit drei Jahren als Auszubildende in der Station wohnt. Das belohnen die jungen Igel mit großer Zutraulichkeit. Anders als die erwachsenen Tiere – „von denen werden wir in der Regel angeknurrt. Sogar, wenn wir sie vor dem Winterschlaf noch aufgepäppelt haben.“

Wildtierstation Hamburg/Schleswig-Holstein / Am Sender 2, 25365 Klein Offenseth-Sparrieshoop / Telefon: 04121/4501939 / E-Mail: info@wildtierstation-hamburg.de / Spendenkonto: Wildtier- und Artenschutzzentrum; Kontonummer: 60038900; BLZ: 20190003

Wer in diesen Tagen einen Igel in seinem Garten entdeckt und helfen möchte, kann ihm ein Igelhäuschen oder ein Häuschen für Hasen hinstellen. „Dann schleppen die Igel selber ihr Laub hinein, wenn sie es als sicher genug einschätzen. Man kann aber auch selber Laub hinein legen.“ Auch Zufüttern könne helfen: „Einfach ein Schälchen mit Katzenfutter nach draußen stellen. Aber nur, bis es anfängt zu frieren.“

Der junge Igel, der eben noch die Hände von Stephanie Lange erkundet hatte, sitzt inzwischen wieder bei seinen Artgenossen und hat sich an einen anderen Igel angekuschelt. Er hat gute Chancen, den Winter zu überleben – entweder in der freien Natur, wenn er rechtzeitig genug Fett ansetzt, oder in der Wildtierstation.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 16:15 Uhr

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