"Ich werde alles vermissen"

Die Koffer sind gepackt: Traurig blickt Rena Fischer aus ihrem Zimmer im Haus Elveshörn.  Foto: Mulert (2)
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Die Koffer sind gepackt: Traurig blickt Rena Fischer aus ihrem Zimmer im Haus Elveshörn. Foto: Mulert (2)

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05. Februar 2011, 06:17 Uhr

Elmshorn | Herbert Stieboldt sitzt auf dem Sofa in seiner geschmackvoll eingerichteten Wohnung im DRK- Senioren- und Pflegezentrum Haus Elveshörn. Er ist empört. Denn hier darf der 91-Jährige nicht mehr lange wohnen bleiben. "Es ist eine Sauerei, was mit uns gemacht wird." Er und die anderen Bewohner müssen ausziehen. Denn das Heim wird geschlossen (EN berichteten). Über den genauen Termin herrscht aber Verwirrung.

Die 33 Bewohner hatten vor etwa zwei Wochen erfahren, dass sie sich eine neue Bleibe suchen müssen - am 31. März soll das Haus geschlossen werden. Laut den Aussagen mehrerer Bewohner sollen sie nun aber bereits zum 28. Februar ausziehen, also in drei Wochen. Reinhold Kinle, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands: "Ich habe auch von diesem Gerücht gehört. Der Insolvenzverwalter sagte mir, dass er diese Nachricht nicht bestätigen könne."

Etwa die Hälfte der Heimbewohner lebt noch im Haus Elveshörn. Die anderen sind ausgezogen, wohnen teilweise bereits in anderen Heimen. In Elmshorn waren deren Plätze aber schnell vergeben. Stieboldt hatte Glück. Er kommt in den nächsten Wochen in einer Elmshorner Einrichtung unter. Von Glück möchte er aber nichts wissen. Denn freiwillig geht er ja nicht. "Ich werde das alles hier sehr vermissen", sagt er. Vor zwei Jahren ist er eingezogen, fühlte sich sehr wohl und ging davon aus, bis zu seinem Lebensende hier zu wohnen.

Dass er und die anderen Bewohner innerhalb weniger Wochen das Haus verlassen müssen, findet er unerhört.

Ähnlich äußert sich Klaus Fischer: "Die Informationspolitik des Insolvenzverwalters war schlimm", sagt er. Seine Ehefrau wohnt in Elveshörn, kehrt in den nächsten Tagen nach Hause zurück - notgedrungen. "Sie hat keinen Platz mehr in einem Elmshorner Heim bekommen." Die 69-Jährige leidet an den Folgen zweier Schlaganfälle, ihr Ehemann sitzt im Rollstuhl. Der Pflegedienst kommt nun zu ihr nach Hause. "Jetzt müssen wir es so probieren", sagt Klaus Fischer. Ein Umzug in eine andere Stadt kommt für sie nicht in Frage.

Ein Ortswechsel wäre auch für Stieboldt undenkbar. "Ich zieh doch nicht nach Pinneberg oder sonst wohin um. Da bin ich doch nicht zuhause." Vielen bleibt aber nichts anderes übrig. Erika Weller sitzt im Rollstuhl, fühlte sich in Elveshörn ebenfalls sehr wohl. Sie wird in hohem Alter in eine andere Stadt ziehen müssen. Wohin, ist noch nicht sicher. Und so geht es vielen Bewohnern. "Das ist alles unerhört", sagt sie.

Und auch einige der knapp 30 Mitarbeiter des Hauses Elveshörn gehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Das meint zumindest Ralph Noß, Hausmeister im Heim. "Gerade die älteren Beschäftigten werden es schwer haben, Arbeit zu bekommen." Laut Kinle hätten die Mitarbeiter generell gute Chancen, einen neuen Job zu bekommen oder sogar vom DRK übernommen zu werden. "Die Mitarbeiter können sich bei uns neu bewerben. "

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