zur Navigation springen

Schätze im Miniaturformat : Hunderte Besucher und Kostbarkeiten bei der Modellauto- und Eisenbahnbörse in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Händler beklagen die gesunkene Nachfrage in den vergangenen Jahren. Umso erfreuter zeigen sich die Sammler über den anwesenden Nachwuchs.

Elmshorn | Jonas von Döhren fällt seinem Vater um den Hals. Der hat sich gerade einverstanden erklärt, einen Modelleisenbahnwaggon für seinen Sohn zu kaufen. „Ich habe einen Rheingoldexpress, dieser passt dazu“, schwärmt der zwölfjährige Elmshorner, der im Vorjahr noch beige-blaue Waggons suchte. Nun hat er zwar sein Traumexemplar in rot gefunden. Trotzdem sorgt er sich, ob zu Hause auf seiner Anlage auch das Licht im Waggon funktioniert.

Von Döhrens fanden den Waggon am Sonntag bei der Modellauto- und Eisenbahnbörse im Elmshorner Autohaus Mohr. Zwei Mal im Jahr räumen dort die Neuwagen ihre Plätze für Modelle in Maßstäben von 1:18 bis 1:160. Rund 30 Stände sind aufgebaut: „Wir haben überwiegend private Leute hier“, erklärt Michael Glandt. Er gehört zum Club der Automodellfreunde aus Alveslohe, der in Norddeutschland solche Börsen veranstaltet. Glandt selbst bietet an seinem sechs Meter langen Stand Modellautos an. Er will sich vor allem von den großen Modellen trennen, die belasten mit ihrem Gewicht seinen Rücken.
500 bis 600 Besucher schieben sich durch die Reihen, schätzt Glandt. „Viele wollen kaufen“, freut er sich.

Lothar Grimm aus Lübeck baut seinen Stand um die fünf Mal pro Jahr bei verschiedenen Börsen auf und bietet Lokomotiven und Waggons im H0-Maßstab 1:87 an. „In Elmshorn ist eigentlich ein sehr fachkundiges Publikum“, lobt er. Zu Hause hat Grimm 800 Lokomotiven und 2000 Waggons stehen: „Da kann man etwas abgeben“, zumal seine Enkel sich nicht für Opas Sammlung interessieren.

Adi Voßberg aus Heidgraben sucht Modelle alter englischer Autos und Treckermodelle. „Möglichst naturgetreu“ sollen sie sein. Als Harley-Fahrer guckt er auch immer nach Modellen seiner Motorradmarke. „Ab und zu“ besucht er Börsen. Immerhin so häufig, dass er zu Hause inzwischen eine zweite Vitrine aufstellen musste. Die habe er „irgendwo noch mit ’reingequetscht“.

Das Modell eines Mercedes Benz 300 SL.
Das Modell eines Mercedes Benz 300 SL. Foto: Jann Roolfs
 

Yvonne Schmelzling steht hinter dem Tisch ihres Spielzeugladens aus Moorrege. Für die professionelle Händlerin ist hier beides wichtig: das Verkaufen und das Knüpfen von Kontakten. „Es ist schön für die Werbung, weil es sehr nah ist“, findet sie. Die Nachfrage hier stellt sie zufrieden: „Heute gehen Figuren ganz gut.“

Wiebke Neumann hat gerade zwei Packungen mit Männchen in 1:87 aus einer Kiste herausgesucht. Neumann benutzt die Figuren ganz anders als die meisten hier: In Blumentöpfen oder auf Erdhügeln stellt sie mit Bonsais und den Figuren Szenen zusammen, die sie dann abfotografiert.

Rainer Frese aus Klein Nordende bietet Teile aus seiner Privatsammlung an, Zubehör für Modellbahnen im Gartenbahn-Maßstab von rund 1:20. „Sehr zufrieden“ ist er mit dem Geschäft. Ein paar Stände weiter läuft es bei einer Händlerin aus Hamburg Bahrenfeld „heute nicht so“, aber sie steht trotzdem gern in der Autohalle: Sie macht das „aus Spaß an der Freude“. Auf ihrem Tisch stehen Lego-Star-Wars-Figuren. Die verkauft sie im Auftrag ihres Enkels, der braucht den Erlös für seinen Führerschein.

Viele Händler beklagen, dass die Nachfrage in den vergangenen Jahren gesunken sei. „Wir haben heute die Erbengeneration“, erklärt Organisator Glandt: Sammler sterben, und ihre Nachkommen haben kein Interesse an den gehorteten Schätzen. Auf der anderen Seite mangelt es an Nachwuchs. „Die Preise sind gesunken wie sonstwas“, resümiert Händler Grimm aus Lübeck. Aber er freut sich auch: „Es ist immer schön, wenn Jungs und auch Mädchen kommen, die sich für Details begeistern.“ Zum Beispiel dafür, dass die Modell-Dampflok in Grimms Angebot zu einer seltenen Ausgabe gehört: Als Exportmodell hat sie schwarze Räder statt der üblichen roten. Das steigert ihren Sammlerwert. Grimm verlangt 110 Euro für das Exemplar.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen