Interview : „Horizon“ investiert in die Zukunft

Freuen sich über die Erweiterung des Modellbaugeschäfts im Einzelhandel: Joe Ambrose (l.), Vorstandsvorsitzender  der Horizon-Gruppe,  und Jörg Schamuhn, Vize-Präsident Europa.
Freuen sich über die Erweiterung des Modellbaugeschäfts im Einzelhandel: Joe Ambrose (l.), Vorstandsvorsitzender der Horizon-Gruppe, und Jörg Schamuhn, Vize-Präsident Europa.

Elmshorner Modellbau-Unternehmen übernimmt deutschen Marktführer des Modellbau-Facheinzelhandels Gustav Staufenbiel.

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18. Juli 2014, 09:45 Uhr

Elmshorn | Mit ferngelenkten Flug-, Auto- und Schiffsmodellen steuert das Elmshorner Modellbauunternehmen „Horizon Hobby“ in die Zukunft. Die Geschäfte laufen prächtig. Immer mehr Menschen möchten fliegen, fahren oder schippern. Als Großhändler für den europäischen Einzelhandel haben sich die Elmshorner Modellbauer an die Spitze der Lieferanten gearbeitet. Mit der Übernahme des deutschen Marktführers des Modellbau-Facheinzelhandels Gustav Staufenbiel aus Barsbüttel will die Elmshorner Tochtergesellschaft von Horizon nun nachhaltig erweitern und sich für die Zukunft stärken. Der direkte Kontakt zum Endkunden ermöglicht dem Unternehmen, nun noch schneller auf Kundenwünsche und sich verändernde Märkte zu reagieren.

Die Gustav Staufenbiel GmbH ist Einzelhändler und Hersteller in der RC-Industrie. Mit eigenen Geschäften und Franchise-Unternehmern hat Andreas Och, bisheriger Chef des Unternehmens, vor allem den Flugmodellbau in Europa vorangetrieben.

Nun übernimmt die Elmshorner Tochter der amerikanischen Muttergesellschaft Horizon die Hamburger. „Der Standort in Barsbüttel wird genauso erhalten bleiben, wie er ist, und wird weiterhin unabhängig als Gustav Staufenbiel arbeiten. Alle Mitarbeiter werden übernommen. Andreas Och bleibt der Horizon Hobby Gruppe als Berater erhalten“, schreibt Jörg Schamuhn, Vizepräsident Europa der Horizon Gruppe in einer Pressemitteilung. Im Zuge der Übernahme soll es nicht zu Änderungen der Geschäftsmodelle beider Unternehmen kommen. Horizon wird weiterhin das Großhandelsgeschäft betreiben und als Hersteller von Modellen tätig sein. Im Interview mit dieser Zeitung erklärt Schamuhn die Hintergründe zur Übernahme.

Die Vorteile eines großen Handelskonzerns mit den Stärken eines mittelständischen Familienunternehmens zu verbinden ist nicht neu, aber in der Modellbaubranche sicherlich selten. Zumindest in Deutschland. Wie möchten Sie Nutzen aus der Kombination für die gesamte Horizon-Gruppe erzielen?
Jörg Schamuhn: Auch wir sind eher noch ein mittelständisches Unternehmen, besonders wenn man die Struktur der Horizon Hobby GmbH hier in Elmshorn betrachtet. Beide Unternehmen haben eine ähnliche Kultur und Passion für das, was sie tun. Deshalb passt die Gustav Staufenbiel GmbH so gut zu uns. Wir versprechen uns von der Akquisition nun einen Zugang zum Endverbraucher – sozusagen ein Fenster, durch das wir auf die Menschen schauen können, für die wir am Ende des Tages täglich unser Bestes geben. Wir werden in erheblichem Maße von den Erfahrungen bei Staufenbiel profitieren, um schneller, bestimmter und zielsicherer das Richtige für unsere Kunden zu tun. Diese Übernahme ist in dieser Form in unserem Markt einzigartig. Wir sind überzeugt, dass wir dadurch den Markt positiv beeinflussen und verändern werden. Es ist eine aufregende Strategie, selbst für uns. Zwei Starke gehen zusammen, der stärkste Hersteller und Großhändler und der stärkste Einzelhändler im deutschen Modellbau. Hier ist ein sehr potentes Unternehmen entstanden mit sehr vielfältigen Optionen für eine sehr erfolgreiche Zukunft.

Ist die Übernahme für Horizon also eine optimale Kombination? Macht der Deal Horizon sympathischer?
Nun, es ist die Kombination von zwei Erfolgskonzepten auf zwei verschiedenen Wertschöpfungsstufen. Und jeder Erfolg für sich selbst, Horizon Hobby im Bereich Produkt und Großhandel sowie Staufenbiel im Bereich Produkt und Einzelhandel, ist durch Beweglichkeit und Innovationskraft in der Unternehmensstrategie entstanden. Beides zusammen ergibt ein abgerundetes Ganzes mit enormem Potenzial. Ja, und es macht uns in der Summe noch sympathischer, noch „anfassbarer“ und wenigstens geplant auch noch erfolgreicher.

Inwieweit können die Erfahrungen der Hamburger bei der Entwicklung von neuen Modellen sowie deren Produktion die Effizienz der Horizon-Gruppe steigern oder mit dazu beitragen, den Geschmack der Kunden zu treffen?
Nun, die Gustav Staufenbiel GmbH ist ja nicht umsonst Marktführer bei Seglern und Elektroseglern in Europa. Dieses Know how haben wir eingekauft und werden es in der Gruppe verwenden. Wir erweitern also unser Produktentwicklungsportfolio in diesem Bereich, in dem wir die Gustav Staufenbiel GmbH als Center of Excellence eingliedern. Sehr spannend. Das ganz Besondere ist hier, dass Staufenbiel dem Verbraucher am nächsten ist und somit am schnellsten reagieren kann. Für die gesamte Gruppe ist es sozusagen das Fieberthermometer des Marktes. Hinzu kommt, dass unsere Marketingexperten eine Art Labor betreiben können, um nahezu verzugslos und uneingeschränkt ungefiltert Ergebnisse ihrer Arbeit und Visionen ablesen kann. Für uns ist dieser Aspekt unendlich wertvoll.

Horizon hat in jüngster Zeit kräftig an Größe hinzugewonnen. Wie viel Wachstum ist im Modellbau noch möglich?
Das kommt darauf an, wie man das betrachtet. Wenn Sie an Modellbau denken, Balsaholz, Feile und Sandpapier, Bespannpapier, dann sicher nicht viel. Aber das ist nicht unsere Welt. In unserer Welt sprechen wir von Technologie, Bedienhilfen, Drohnen, Spaßmaschinen. Und hier sehen wir noch sehr, sehr viel Steigerungspotenzial. Dieses erschließt sich nicht durch tradierte Marketing- und Vertriebsansätze, sondern erfordert Expansionsstrategien und Marktentwicklung hin zu neuen Konsumentengruppen. Und wir bei Horizon Hobby sehen uns in der Lage, hier das Erforderliche zu leisten. Wir werden ein erhebliches Wachstum erleben, optimistisch, wie wir nun mal sind.

Halten die Staufenbiel-Produkte Einzug in das Programm von Horizon?
Mit der Übernahme ist das geschehen. Staufenbiel ist jetzt ein Teil von Horizon Hobby. Das Sortiment ist in unserer Gruppe angekommen. Und da die Eigenmarken von Staufenbiel kleine und wertvolle Juwelen sind, werden wir mit Weitsicht all denjenigen Wachstumspotenziale erschließen, die für nachhaltiges Wachstum dieser Sortimente sinnvoll sind. Inflationärer Umgang ist hier sicher nicht angebracht.

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