Hochspannung mit der „Elbschuld“

Nicole Wollschlaeger will sich als Autorin einer Krimireihe einen Namen machen.
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Nicole Wollschlaeger will sich als Autorin einer Krimireihe einen Namen machen.

Krimi-Autorin Nicole Wollschlaeger Ein Leben auf dem „platten“ Lande mit lieben Nachbarn und Kommissar Goldberg

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08. März 2017, 16:13 Uhr

Es gibt Autoren, die leben genau so, wie man es sich von Schriftstellern vorstellt. Nicole Wollschlaeger, die gerade an der Fortsetzung ihrer Krimi-Reihe mit Hauptkommissar Philip Goldberg arbeitet, wohnt in einem alten Bauernhaus in Sommerland. Ein holperiger Pflasterweg führt zum Eingang ihrer Wohnung. Die Türen sind hoch, die Decken noch höher. Auf der Straße vor dem Haus fährt nur gelegentlich einmal ein Auto vorbei. Ansonsten herrscht Ruhe. Eine friedvolle Stille, die Wollschlaeger sehr genießt, und die ihr den nötigen Raum für die Arbeit an ihren Geschichten gibt.

Geboren 1974 in Pinneberg, hat die gelernte Buchhändlerin schon mit Anfang 40 einen spannenden Lebenslauf zu bieten. „Ich habe den Beruf geliebt“, sagt sie. Und doch warf sie ihre sichere Zukunft 2001 über den Haufen und begann, in Hamburg Schauspiel zu studieren. „40 Jahre immer dasselbe machen - das konnte ich mir einfach nicht vorstellen“, erklärt sie den Schritt ins Ungewisse.

Schauspieler ist ein Traumberuf. Gewiss. Aber eben auch einer, der finanziell nur wenigen ein akzeptables Auskommen garantiert. Den Traum von den großen Bühnen träumte auch Wollschlaeger. Und schaffe es sogar ans renommierte Ernst-Deutsch-Theater. Doch der ganz große Durchbruch gelang nicht, und so war sie froh, als sie 2008 die Çhance erhielt, für den Loewe-Verlag und dessen bekannte Kinderbuch-Serie „Das magische Baumhaus“ auf Lesereise zu gehen. „Das war ein Geschenk“, blickt Wollschlaeger auf die acht Jahre zurück. Doch irgendwann nahm die Routine überhand, und so mussten neue Ziele her.

Die Sommerländerin fand diese in der Schreiberei. 2013 erschien ihr Kinderbuch „Schatten über Nargon“ im Carlsen Verlag. Nun plant sie eine Lesereise mit der „Elbschuld“, dem ersten Krimi, in dem Kommissar Goldberg die Hautrolle spielt. Den Berliner verschlägt es in die beschauliche Elbmarsch. Mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als Obsthofbesitzerin Hilde Deterding in seinem Revier auftaucht und behauptet, ihr verstorbener Mann trachte ihr nach dem Leben. Kurz darauf wird Hildes Hund vergiftet und ihre Steifftier-Sammlung brutal geschändet. Goldberg nimmt die Ermittlungen auf – und der Wettlauf um das Leben von Hilde Detering beginnt.

Erschienen ist das Buch im Selbstverlag bei BoD. Auch den Folgeroman will sie wieder in Eigenregie vermarkten. Kein ganz einfaches Unterfangen in einer Branche, die schon bei 10000 Exemplaren gern einmal von Bestsellern spricht. Doch Wollschlaeger ist mit ihren Anfangserfolgen durchaus zufrieden. Auch verkaufstechnisch gesehen. „Die Elbschuld steht bei BoD auf Platz neun“, freut sie sich. Reichtümer seien damit zwar nicht zu ernten, aber „die Schriftstellerei ist eines meiner beruflichen Hauptstandbeine“. Das andere sind die Lesungen, für die die Autorin gebucht werden kann. „Das läuft richtig gut“, versichert sie. Am 23. April, dem Welttag des Buches, kommt Wollschlaeger nach Elmshorn in den Roten Pavillon, am 4. Mai liest sie in der Glückstädter Stadtbücherei. Weitere Engagements in der Region nimmt sie gern an. Wer sie kontaktieren möchte: Die Sommerländerin ist über ihre Homepage www.nicolewollschlaeger.de erreichbar.

Seit zwei Jahren lebt Wollschlaeger nun schon in Sommerland. Inzwischen sind zwei Katzen in ihre Wohnung eingezogen. Den Schritt von der Großstadt Hamburg aufs Dorf hat sie nicht bereut. Wohl auch, weil sie den Spagat lebt. „Zwei- bis dreimal pro Woche fahre ich nach Hamburg“, erzählt sie. Der alten Freunde wegen. Und weil das Kulturangebot in der Hansestadt einfach größer sei als auf dem platten Land. Die große Einsamkeit sei bei ihr noch nicht ausgebrochen, versichert Wollschlaeger. Es gebe ja die Nachbarn und Kommissar Goldberg, der viel Zeit beanspruche.

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