Hitzige Debatte um Kirchenbau

Vor 200 Besuchern im Gemeindehaus stellte der  Vorsitzende des Kirchenvorstands, Pastor  Dr. Andreas Pawlas (links, stehend), die Pläne für den Kirchenneubau in Sparrieshoop vor. Foto: Kamin
Vor 200 Besuchern im Gemeindehaus stellte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Pastor Dr. Andreas Pawlas (links, stehend), die Pläne für den Kirchenneubau in Sparrieshoop vor. Foto: Kamin

200 Besucher bei Gemeindeversammlung in Sparrieshoop / Pläne für Millionen-Projekte vorgestellt

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06. September 2011, 08:26 Uhr

Sparrieshoop | Die evangelische Kirchengemeinde Barmstedt hat zurzeit zwei große Projekte in Planung: Die Sanierung der Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche und den Neubau einer Kirche nebst Gemeindehaus und Kindergartengruppe in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Gesamtkosten rund drei Millionen Euro. Am Sonntagabend wurden beide Vorhaben nun in einer Gemeindeversammlung ausführlich vorgestellt.

Am Ende einer teilweise hitzigen und sehr emotional geführten Diskussion standen eine klare Aussage, versöhnliche Töne und eine Anregung, der sich viele der 200 Anwesenden mehr oder weniger anschließen konnten. Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Dr. Andreas Pawlas, erklärte unmissverständlich, dass der Neubau in Sparrieshoop nicht in Auftrag gegeben werde, bevor die Finanzierung steht und die entsprechende Zustimmung des Kirchenvorstandes vorliegt.

Versöhnlich waren die klaren Worte des Barmstedters Ralf Gercken: "Die kritische Frage nach den Kosten ist das Recht eines jeden Gemeindemitglieds. Es ist wichtig, die Kirchengemeinde in ihrer Gesamtheit zu sehen." Das Mitglied im Kirchenkreisvorstand machte deutlich, dass die Sanierung der Heiligen-Geist-Kirche und der Neubau des Kindergartentraktes in Sparrieshoop für ihn die gleiche Priorität hätten. Des Weiteren sei für ihn auch der Neubau des Gemeindehauses nachvollziehbar, da eine Sanierung nahezu kostengleich wäre und keine räumliche Verbesserung ergäbe. Der Neubau einer Kirche käme für ihn jedoch nur in Frage, wenn die EU-Fördermittel von 750 000 Euro wirklich flössen. "Es ist nachvollziehbar, dass die Sparrieshooper eine Kirche haben möchten. Hier eine Kirche zu sehen, fällt mir schwer, das ist nicht mal ein Ersatz", stellte er mit Blick auf den Sparrieshooper Kirchensaal fest.

Gercken schlug abschließend vor, für die Sanierung der Heiligen-Geist-Kirche Gelder aus den Rücklagen der Kirchengemeinde zu entnehmen und sich grundsätzlich für den Neubau einer Kirche auszusprechen, sollten die EU-Zuschüsse fließen. Solange die Finanzierung nicht stehe, sollte der Kirchenvorstand aber keine weiteren Verpflichtungen in Sachen Neubau eingehen. Diese Anregungen wurden vom Großteil der Anwesenden positiv aufgenommen.

Im Verlauf der Diskussion wurden die eingeplanten Spenden für die Sanierung der Heiligen-Geist-Kirche hinterfragt. Besonders der hohe Anteil, der in die Sanierung der Barmstedter Kirche fließen soll, wurde von mehreren Seiten in Zweifel gezogen. Daraus resultierte auch der Vorschlag aus den Reihen der Anwesenden, die Aufwandsentschädigung des Kirchenvorstandsvorsitzenden von 15 000 Euro in das Projekt fließen zu lassen und die halbe Stelle von Pastorin Antje Stümke, die aus dem Haushalt der Kirchengemeinde bestritten wird, zu Gunsten der Sanierung zu streichen. So stünden jährlich rund 40 000 Euro zur Verfügung. Damit ließen sich problemlos 700 000 Euro finanzieren. Pawlas wies das zurück und erklärte, dass sein Amt nicht dotiert würde, sondern der Betrag ein "durchlaufender Posten" sei.

Ebenso wurde gefragt, wie ein Renovierungsstau in Sparrieshoop überhaupt entstehen konnte. Pawlas zeigte auf, dass in den vergangenen zehn Jahren durch die Kirchengemeinde rund 1,1 Millionen Euro in unterschiedliche Objekte investiert wurden. Davon sei kein Geld nach Sparrieshoop geflossen. Er merkte an, dass er die Reaktion der Gemeindemitglieder hätte erleben mögen, wenn in dieser Zeit nicht das Barmstedter, sondern das Sparries hooper Gemeindehaus saniert worden wäre. Finanziert wurden die Investitionen vor allem durch Verkäufe von Immobilien - eine Option auch für künftige Maßnahmen, wie Pawlas auf Nachfrage bestätigte.

Hannelore Abel schlug vor, dass die Sparrieshooper sich für die Gottesdienste nach Elmshorn orientieren sollten. Sie musste sich fragen lassen, warum sie die Bedürfnisse eines Ortes über die eines anderen stellen würde. Pastorin Antje Stümke erinnerte in diesem Zusammenhang an die Diskussionen vor zehn Jahren, als die Kirchengemeinde in Bezirke aufgeteilt werden sollte: "Damals hatte man Angst, dass die Gemeinde auseinander fällt. Heute sollen wir Elmshorn angegliedert werden?"

Jutta Magens beleuchtete die Diskussion von einer weiteren Seite und berichtete vom Sparrieshooper Kompetenzteam: "Dr. Pawlas hat in den vergangenen Jahren viele Projekte auf die Beine gestellt. Alle solide finanziert, keines ist den Bach hinuntergegangen. Warum sollte dieses Projekt den Kirchenkreis in die Miesen bringen?"

Am Ende des Abends hatten sich die Wogen ein wenig geglättet. Die Finanzierung der Bauprojekte bleibt weiter offen.

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