zur Navigation springen

Flüchtlingscafé Elmshorn : Hilfe mit Respekt und auf Augenhöhe

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Ziel der ehrenamtlichen Helfer im Flüchtlingscafé: Basiskenntnisse der deutschen Sprache und Lebensrealität vermitteln.

Elmshorn | Es könnte ein babylonisches Sprachengewirr sein – doch die Menschen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Albanien, Somalia, Armenien oder dem arabischen Sprachraum versuchen sich im Flüchtlingscafé des Diakonievereins Migration auf Deutsch zu verständigen. Jeden Montag treffen sich von 15 bis 17 Uhr im Christus-Zentrum Arche (Lornsenstraße 53) rund 18 ehrenamtliche Helfer und bis zu 100 in Elmshorn lebende Flüchtlinge, um miteinander die ersten Versuche einer multikulturellen Verständigung zu üben.

Leiterin des Cafés ist Sonita Haidari, die selbst als afghanisches Flüchtlingskind vor 20 Jahren an die Krückau kam und nun als Diakonie-Mitarbeiterin beschäftigt ist. Sie möchte etwas von der Freundlichkeit und Unterstützung weitergeben, mit der sie damals an der Krückau willkommen geheißen wurde. Und so heißt es seit einem Jahr im Flüchtlingscafé beileibe nicht nur Kaffee trinken, sondern vielmehr in bis zu 15 Tischrunden mit ebenso vielen Betreuern Deutsch lernen. „Wir sind keine studierten Lehrer“, erklärt eine Ehrenamtliche, doch bemühe man sich, jedem Flüchtling der durch seine Anwesenheit Interesse bekundet, Deutsch sprechen, lesen und schreiben beizubringen, sich in die Sprache hineinzuhören und Basiskenntnisse zu erwerben, die sie für das Leben in ihrer neuen Heimat benötigen.

Bitte und danke sagen, die Wohnanschrift aussprechen, den eigenen Namen schreiben können... die Ehrenamtler versuchen, Unterricht und Hausaufgaben individuell auf die Personen, ihr Bildungsniveau oder Alter auszurichten. Hilfreich sind Bilderbücher, Memorykarten, Schulbücher, Verben-Kärtchen, aber auch selbst erstellte Materialien – sowie ganz viel Kreativität und Einfallsreichtum. „Ziel ist es, den Flüchtlingen so weit zu helfen, dass sie reguläre Integrations- und Sprachkurse besuchen können“, erklärt Elwira Flohr vom Diakonieverein. Rasch habe sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Unterrichter und Unterrichteten entwickelt – und das könne auch Aktivitäten über die zwei Lehrstunden pro Woche hinaus mit sich bringen. So besuchte Elke Rieger-de-Boer kürzlich mit ihrer Gruppe einen Supermarkt, Susanne Kelting die Stadtbücherei. Luul Habtemariam aus Eritrea, seit 16 Jahren in Deutschland und Dolmetscherin für Tigrinya, organisiert Treffen zwischen den Kulturen im Haus der Begegnung, Andrea Potten begleitete „ihre“ Syrer beim Beglaubigen von Zeugnissen und Sonita Haidari schaffte es, auch nach Schuljahresbeginn noch mehrere Flüchtlingskinder einschulen zu lassen. Das mache Spaß und man bekomme viel zurück, ist man sich einig. Bernd Halbuer ist dabei ein Netzwerk zu spinnen, das Flüchtlinge über Ausbildung und Arbeit integrieren soll und Burckhard Jockel kümmert sich um die ins Café mitgebrachten Kinder. Mittlerweile greift hier auch eine Kooperation mit der Familienbildungsstätte.

„Wir begegnen uns mit Respekt und auf Augenhöhe“, erzählen die Helfer. Die meisten sind über Hörensagen und Gespräche im Bekanntenkreis ins Flüchtlingscafé gekommen. Nach einigen Besuchen sei man „einfach so“ in die Arbeit mit hineingerutscht – und keiner schaut so aus, als wenn er das bereuen würde. Wer Lust hat mitzuhelfen, kann sich montags im Café melden. Wer spenden möchte: EB Kiel, Iban: DE 06520604100006 423043, Vermerk: Kostenstelle 10700.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Nov.2015 | 13:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert