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Elmshorn : Hier werden notleidende Tiere gut versorgt

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bei Ina Storjohann auf der Hei-Lo-Ranch in Sparrieshoop haben mehr als 50 Vierbeiner ein neues Zuhause gefunden. Nun gibt es auch den Verein Tier & Tat.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2016 | 17:48 Uhr

Elmshorn | Norbert reckt seinen langen Hals. Aufmerksam beobachtet er die Umgebung und zeigt seine Zähne. Sein dichtes schwarzes Fell bewegt sich im Wind. Hinter Norbert steht Ninja. Sie hat ebenfalls einen langen Hals. Ihr Fell ist allerdings hellbraun. Norbert ist ein Lama. Er lebte in Bremen zusammen mit anderen Lamas. Dummerweise bekam er Knatsch mit einem zweiten Hengst. Norbert sollte deshalb zum Schlachter. Doch er hatte Glück. Er fand Unterschlupf in Klein-Offenseth Sparrieshoop auf der Hei-Lo-Ranch. Dort lebt er nun mit anderen Lamas wie Ninja. Doch nicht nur mit denen. Sein neues Zuhause ist eine Art tierische Wohngemeinschaft: Denn außer den Lamas fühlen sich auf dem Gelände in Sparrieshoop Ziegen, Pferde, Katzen, Hunde, Schweine, Kaninchen und Meerschweinchen wohl.

Die Hei-Lo-Ranch gehört Ina Storjohann. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tieren eine zweite Chance zu geben. Und deshalb leben bei und mit ihr mittlerweile mehr als 50 Vierbeiner. Tierlieb war Ina Storjohann, die seit ihrer Geburt in Sparrieshoop lebt, bereits als Kind. Schon damals brachten ihr Freunde und Bekannte Tiere zum Aufpäppeln. „Ich habe immer gern Tiere um mich gehabt. Ich bin mit Tieren aufgewachsen“, sagt sie.

Ihr Vater war es schließlich, der ihr als Maurer die Hei-Lo-Ranch baute. Hei steht deshalb für die ersten drei Buchstaben des Vornamens ihres Vaters: Heinrich. Das Lo steuerte ihr Ina Storjohanns erstes Pferd, Lord, bei. Seitdem hat die Tierfreundin viel Platz für notleidende Tiere. Vier weitere Lamas, die jetzt gemeinsam mit Norbert leben, kamen aus Hessen. Ihnen ging es dort überhaupt nicht gut: Sie waren unterernährt, hatten keinen Kontakt zu Menschen und ihre Halfter waren eingewachsen. Mittlerweile haben sie sich bestens erholt und fressen Ina Storjohann sogar aus der Hand.

Die beiden Schweine Adsche und Odsche waren ebenfalls total vernachlässigt. Sie lebten mit knapp 60 Artgenossen auf dem Hof eines Bauern in Wilhelmshaven, der mit der Haltung der Tiere völlig überfordert war. Der Amtsveterinär schritt ein. Alle Schweine hatten Glück: Sie konnten vermittelt werden, Adsche und Odsche kamen nach Sparrieshoop, wo sie nun den Rest ihres Lebens verbringen werden. Auch den zehn Pferden auf der Ranch ging es früher entweder nicht gut oder ihren ehemaligen Besitzer wuchsen die Kosten über den Kopf. Andere wiederum sind schon alt und verbringen ihren Lebensabend auf der Hei-Lo-Ranch.

Bankverbindung: Tier & Tat, Sparkasse Elmshorn, IBAN: DE65 2215 0000 0111 0047 01, BIC:  NOLADE21ELH, Kontakt: Ina Storjohann: (04121) 87928, Jenny Landsmann: 04121-3422. www.hei-lo-ranch.de

Zwischen den Lamas und den zehn Pferden toben fünf Ziegen herum. Auch sie haben, nachdem sie vorher nicht gut behandelt wurden, Unterschlupf in Sparrieshoop gefunden. Das alles macht natürlich viel Arbeit. Vor allem aber kostet es viel Geld. Denn Ina Storjohann finanziert die Kosten ihrer Tierliebe mit ihrem eigenen Geld. „Hobbys und Urlaub sind da kaum drin“, sagt die Sparrieshooperin. Ab und an gibt es mal von anderen tierlieben Menschen Futterspenden.

Zudem unterstützt Ina Storjohann seit einigen Jahren ein polnisches Tierheim. Dazu kam sie über eine weitere Sparrieshooperin, Jenny Landsmann. Auch die engagiert sich seit Jahren im Tierschutz. Ebenfalls privat: „Wir zahlen alles aus eigener Tasche“, sagt sie. Gemeinsam bringen die beiden Frauen Spenden in das polnische Tierheim. „Die haben immer Mangel an Decken und Futter“, sagt Jenny Landsmann. Außerdem holen sie Hunde von dort nach Sparrieshoop, um für sie neue Herrchen oder Frauchen zu finden. Ina Storjohann war entsetzt, als sie das erste Mal das polnische Tierheim besuchte. „Die Zustände dort sind nicht annähernd mit denen in unseren Tierheimen zu vergleichen. Es ist wirklich schlimm“, berichtet sie.

Die Hunde aus Polen werden von der Hei-Lo-Ranch oder von Jenny Landsmanns Vierpfotenhaus an neue Besitzer vermittelt. Aber nicht sofort. Sie werden zuvor tierärztlich versorgt, frisiert und erzogen. Auch das geschieht ehrenamtlich. Die Erziehung übernimmt die Pinneberger Hundetrainerin Nicole Storjohann. Ebenfalls ehrenamtlich. In dem polnischen Tierheim leben meist 400 bis 500 Hunde. Klar, dass nicht alle mit nach Sparrieshoop genommen werden können, auch wenn das den engagierten Tierschützern schwerfällt. „Man kann nicht die ganze Welt retten. Aber man kann die Welt einiger Hunde retten“, sagt Nicole Storjohann.

Odsche fühlt sich sauwohl in Sparrieshoop. Er lebte zuvor auf einem Hof in Wilhelmshaven. (Foto: Amsberg)
Odsche fühlt sich sauwohl in Sparrieshoop. Er lebte zuvor auf einem Hof in Wilhelmshaven. (Foto: Amsberg)
 

Oftmals wachsen den Tierschützern einige Tiere sofort ans Herz, so dass sie auf der Hei-Lo-Ranch bleiben dürfen. Zum Beispiel Skip. Den hatte einst ein anderer Hund so sehr gebissen, dass er seitdem ein verkrüppeltes Vorderbein hat. Skip wurde aus Polen mit nach Klein Offenseth-Sparrieshoop gebracht und ist mittlerweile treuer Begleiter von Ina Storjohann. Und er hat seit einiger Zeit Gesellschaft: Die traumatisierte Hündin Nuka sollte eigentlich vermittelt werden. Doch sie lebte sich auf der Hei-Lo-Ranch so gut ein, dass sie nun ebenfalls bleiben kann. Demnächst steht die nächste Tour nach Polen an.

Auch einige Katzen haben auf der Hei-Lo-Ranch ein vorübergehendes Zuhause gefunden und warten nun auf neue Besitzer. Ebenso Kaninchen und Meerschweinchen. Warum engagiert sich jemand derart stark im Tierschutz, nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell? „Das ist einfach eine Herzensangelegenheit“, so Ina Storjohanns Erklärung. Ihr Einsatz für die Vierbeiner ist eigentlich schon ein Vollzeitjob. Doch einen Vollzeitjob hat sie auch, neben dem Tierschutz. Das Geld, das sie in ihrem Job verdient, wird auch dringend für die Tiere benötigt.

Ninja lebt mit Norbert und weiteren Lamas auf der Hei-Lo-Ranch. (Foto: Amsberg)
Ninja lebt mit Norbert und weiteren Lamas auf der Hei-Lo-Ranch. (Foto: Amsberg)
 

Vielleicht bekommt sie künftig mehr finanzielle Unterstützung. Denn gemeinsam mit Jenny Landsmann und anderen Tierfreunden aus den Kreisen Pinneberg und Steinburg wurde Anfang 2015 der Verein „Tier und Tat“ gegründet. Die Mitglieder des neuen Vereins haben sich alle schon länger privat im Tierschutz engagiert und sich darüber kennengelernt.

„Tier und Tat“ ist ein gemeinnütziger Verein. „Bislang hat jeder von uns allein gearbeitet“, sagt Jenny Landsmann. Die Vereinsgründung hat für die Tierfreunde einen großen Vorteil: „Wir dürfen jetzt Spendenquittungen ausstellen.“ Damit können Spender ihre finanziellen Hilfen von der Steuer absetzen. Nach wie vor arbeiten alle Tierschützer in dem Verein ehrenamtlich. „Spenden kommen deshalb 1:1 den Tieren zugute“, verspricht Jenny Landsmann. Sie und ihre Mitstreiter hoffen aber nicht nur auf finanzielle Hilfen, sondern auch auf „viele weitere Mitglieder“.

Sie haben ein ganz großes Herz für Tiere: Die beiden Sparrieshooperinnen Ina Storjohann (rechts) mit Nuka und Jenny Landsman mit Skip. (Foto: Amsberg)
Sie haben ein ganz großes Herz für Tiere: Die beiden Sparrieshooperinnen Ina Storjohann (rechts) mit Nuka und Jenny Landsman mit Skip. (Foto: Amsberg)
 

Der Verein unterstützt den Tierschutzhof Hei-Lo-Ranch, das Vierpfotenhaus, in dem überwiegend ältere und kranke Hunde leben, sowie zwei polnische Tierheime, in denen außer Hunden auch Katzen untergebracht sind. „Wir bekommen viel Leid mit, aber die Arbeit macht auch viel Freude“, sagt Ina Storjohann. Zum Beispiel dann, wenn sich Menschen über ihre neuen tierischen Gefährten freuen. Vor allem aber dann, wenn verwahrloste oder misshandelte Tiere wieder aufgepäppelt werden können und es ihnen wieder richtig gut geht. So wie Norbert, dem Lama. Der fühlt sich in seiner kleinen Herde total wohl. Und Angst, dass er die Hei-Lo-Ranch verlassen muss, braucht er auch nicht zu haben. „Der bleibt hier und bekommt sein Gnadenbrot“, sagt Ina Storjohann.

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