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„Urban Gardening“ in Elmshorn : Hier wächst ein neues Stadtgefühl

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Sonniger Saisonstart auf dem Gelände am Elmshorner Kranhaus in der Schlossstraße.

Elmshorn | „Ich wollte eigentlich nur einen Kaffee trinken.“ – Jetzt steht Martina Elfendahl aus Horst neben der Elmshornerin Tanja Lange und bekommt von Irina Noack erklärt, wie sie Furchen im Hochbeet ziehen soll, um dort anschließend Erbsen, Zucchini, Salat und Radieschen zu säen. Das Hochbeet steht auf einem von Bauzäunen umgebenen Hinterhof neben einer großen Lagerhalle mit eingeworfenen Fensterscheiben. „Urban Gardening“ heißt das Ganze und findet am Elmshorner Kranhaus in der Schlossstraße statt.

„Jeder, der hereinspaziert kommt, wird verhaftet“, beschreibt Initiatorin Irina Noack das Prinzip. Wer mithilft, darf dann auch ernten: Der Pflücksalat, der am Sonnabend gesät wurde, soll in drei bis vier Wochen schon so weit sein.

Mit der Aussaat bei schönem Aprilwetter starteten die Stadtgärtner am Sonnabend ihre Saison, aber „eigentlich haben wir nie aufgehört“, erklärt Noack. Im Winter traf sich der harte Kern von zehn Aktiven monatlich und bereitete die Zeit draußen vor: Jedes der zwölf Hochbeete bekam einen Namen, es wurde festgelegt, was wo ausgesät wird und wer wann Dienst hat. Zwei Mal pro Woche wird das Tor zum Hof geöffnet, und wer Lust hat, kann dann mitgärtnern. Sonnabends von 10 bis 13 Uhr bringt immer jemand Kuchen mit, den gibt es dann mit Kaffee gegen eine Spende. Dienstags von 14 bis 16 Uhr kümmert sich die Brücke um die Beete, dann übernehmen die Stadtgärtner bis 18 Uhr.

„Letztes Jahr ging es frei nach Schnauze“, erinnert sich Christiane Wehrmann an das erste Jahr des Urban Gardening in Elmshorn: „Das war chaotisch, niemand wusste, wo was steht.“ Jetzt werden ordentliche Reihen gezogen und beschriftet. Aber das Chaos wird schon noch kommen, ahnt Wehrmann: „Wir haben bestimmt zu dicht gepflanzt, dann müssen wir verziehen und dann wird kreuz und quer gepflanzt.“

Christiane Wehrmann zeigt der zehnjährigen Shirin Kamandani, wie die Furchen nach dem Säen verschlossen werden. (Foto: Roolfs)
Christiane Wehrmann zeigt der zehnjährigen Shirin Kamandani, wie die Furchen nach dem Säen verschlossen werden. (Foto: Roolfs)
 

Lilly Witte aus Elmshorn ist im Winter bei der Gruppe eingestiegen, Irina Noack zeigt ihr, wie sie Pflücksalat säen soll. Die Tüte mit dem Samen wird geschüttelt, damit nichts in den Ecken hängen bleibt – „wie Backpulver“ – und dann werden die Samen vorsichtig aus der Tüte in die vorbereitete Furche geschüttet. Bei den Pastinaken geht es anders, dort werden die Samen im Abstand gesetzt: Daumen und kleiner Finger abgespreizt geben das Maß. Anschließend werden die Furchen mit den Händen verschlossen und die Erde mit einer Harke leicht angedrückt. „Ich will Wissen ansammeln, wie man Gemüse und Kräuter anbaut“, erklärt die 17-jährige Lilly Witte: Zu Hause hat die Vegetarierin nur einen Balkon zur Verfügung.

Andrea Samota aus Elmshorn sät „essbare Blüten“ in ein Hochbeet. Sie sah im vergangenen Jahr das Tor zum Kranhaus-Hinterhof offen stehen, seitdem ist sie dabei. Zu Hause hat sie keinen Garten, beim Urban Gardening findet sie „die Möglichkeit für mich, selbst zu ernten und zu essen.“ Tanja Lange aus Elmshorn ist von Anfang an dabei und genießt das Gärtnern immer mehr. „Das selbst Geerntete im Salat verarbeiten und zusammensitzen“, das gefällt ihr: „und das mitten in der Stadt – schön!“

Shirin Kamandani sät mit Christiane Wehrmann Ringelblumen. Die Verständigung funktioniert vor allem übers Zeigen, die zehnjährige Kamandani spricht kaum deutsch, sie ist mit ihrer Familie aus dem Iran geflohen. Antje Thiel vom Elmshorner Willkommensteam ist mit ihnen und einer weiteren Familie zum Urban Gardening gekommen und dolmetscht im Notfall. Solche Besuche sind ganz im Sinn der Stadtgärtner: Irina Noack erzählt, dass sie sich im Winter mit dem Verein „Dialog in deutsch“ zusammengetan haben, um Asylanten und Migranten an die Hochbeete zu holen. Übers Gärtnern sollen Kontakte geknüpft werden.

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