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Elmshorner Nachrichten

28. Juli 2017 | 18:54 Uhr

Hier sind Abfallprofis am Werk

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Heitmann Mehr als 100 Lastwagen und Maschinen gehören zum Fuhrpark des Elmshorner Familienunternehmens

Später Vormittag, Hochbetrieb auf dem Recyclinghof. Große Lkw kippen Container aus, dazwischen Transporter, Pkw mit Anhängern und Treckergespanne. Ein Gabelstapler dreht mit einem unten offenen Wasserbehälter eine Runde, damit es nicht so staubt, ein Radlader schiebt Kartonagen aufs Förderband der Papierpresse. Dazwischen ist ein Bagger unterwegs, mit seinem Greifer lädt er in große Sattelzüge, was vom Hof weggeht: Grünabfälle und Sortierreste. Die Grünabfälle werden zum Kompostieren nach Büttel bei Brunsbüttel gebracht; dort unterhält Heitmann eine Filiale. Der fertige Kompost kommt zurück nach Elmshorn und kann von jedermann kostenlos abgeholt werden.

Das Angebot ist begehrt, erklärt Kristin Bey: „Den Kompost füllen wir bis zu acht Mal pro Woche auf“. Die blonde Frau ist gemeinsam mit ihrem Bruder Ole Heitmann Inhaberin und Geschäftsführerin der Jan Heitmann GmbH, die den Recyclinghof im Industriegebiet Nord betreibt.

Dort landen Abfälle aus Gewerbebetrieben und von Baustellen. Umgangssprachlich ist das Müll; aber hier wird deutlich, warum die Experten von „Wertstoffen“ sprechen. Ein mehrere Meter hoher Turm, zusammengehalten von Metallbändern, besteht aus nichts anderem als gepressten leeren Tuben. Pappe, Folien, sogar Umreifungsbänder: Sofern es sortenrein ist, lässt es sich weiter verwerten. Pappe geht in eine Papierfabrik, aus Folien wird Granulat, das dann zum Beispiel zu Zaunpfosten verarbeitet wird. Bauschutt wird in Büttel aufgebrochen und dann im Wegebau genutzt, etwa für Zufahrten zu Windkraftanlagen in der Feldmark.

„Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“, auf dem Recyclinghof wird Beys Statement illustriert. Palettenweise stehen neben der Papierpresse Prospekte oder andere Papiere, die sogar noch in Folie verpackt sind, aber nicht mehr gebraucht werden und jetzt als Altpapier entsorgt werden.

Bei Heitmann landen so gut wie alle Sorten an Abfall. „Wir sind dafür da, um die Entsorgung vieler Fraktionen zu erledigen“, beschreibt Kristin Bey (Foto) ihr Geschäft. Wichtigstes Standbein ist die Vermietung von Containern. Die werden beim Kunden aufgestellt, befüllt, abgeholt, gewogen und der Inhalt wird dann kontrolliert. Der Preis richtet sich nach der Menge und dem Inhalt: Gemischte Bauabfälle kommen rund doppelt so teuer wie reine Bauabfälle. Mehr als 2000 Sammelbehälter mit Volumen von einem bis 24 Kubikmetern sind bei Heitmann im Umlauf. Die wichtigsten Kunden sind Gewerbetriebe und Bauherren: „Wir hängen an der Baubranche dran“, sagt Bey.
Das ist zurzeit ein gutes Geschäft. Und weil auf Baustellen Toiletten vorgeschrieben sind, bringt Heitmann bei jedem zweiten Kunden auch gleich eigene Miettoiletten vorbei. Am Wochenende werden die auch für private Feiern vermietet.

Die 80 Heitmann-Mitarbeiter kümmern sich auch in weiteren Bereichen ums Saubermachen. Mehr als 100 Lkw und Maschinen gehören zum Fuhrpark. Mit Besenwagen reinigen sie Gewerbeflächen, bei der Gastronomie holen sie Küchen- und Kantinenabfälle ab und reinigen Fettabscheider. Diese Abfälle gehen alle zusammen in einen Schredder, werden dann verflüssigt und als Treibstoff an eine Biogasanlage geliefert. Holzabfälle werden zu einem Heizkraftwerk gebracht. Die unbrauchbaren Reste nach dem Sortieren transportieren Lkw in eine dänische Ersatzbrennstoffanlage.

Abfallentsorgung ist eine komplizierte Angelegenheit. „Wir haben alle viel mit Erklären zu tun“, beschreibt Kristin Bey ihren Arbeitsalltag: „Wir sind die Branche, die die meisten Auflagen hat.“ Das Landesamt für Umwelt kontrolliert ihren Betrieb, sie muss sich jährlich zertifizieren lassen und Monatsbilanzen vorlegen. Aber die vielen Details und Regelungen machen für Bey „den Job interessant“.

Gemeinsam mit ihrem Bruder führt Kristin Bey das Unternehmen in dritter Generation. „Wir hoffen, dass die nächste Generation auch Lust dazu hat“, sagt sie. Heitmann ist ein alteingesessenes Elmshorner Unternehmen: Beys Großvater Wilhelm Becker hat als Kohlenhändler angefangen, ihr Vater Jan Heitmann den Betrieb auf Entsorgung umgestellt. Das Geschäft mit der Entsorgung läuft, aktuell planen die beiden Chefs, ihr Unternehmen zu vergrößern.

>www.heitmann-entsorgung.de

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