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Elmshorner Nachrichten

21. Oktober 2017 | 11:33 Uhr

Hier ruhen 5000 Tote

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Blick in die Geschichte von Hörnerkirchens Kirchhof: Einst war er die Grabstätte für die ganze Region

Ein wahrer Hingucker ist zurzeit das Areal rund um Hörnerkirchens Gotteshaus. Ein lila-weißer Krokusteppich breitet sich über weite Teile der Kirchenwiese aus. Was viele gar nicht wissen: Der Hörnerkirchener Kirchhof war einstmals ein Friedhof, auf dem die Toten aus Osterhorn, Brande, Hörnerkirchen, Bokel, Westerhorn und Bokelsess ihre fest zugeordneten Flächen besaßen. Helmut Trede, der die Geschichte der Region kennt wie kaum ein anderer, hat sich im Heimatkundlichen Jahrbuch des Kreises Pinneberg unter dem Titel „Der alte Kirchhof in Hörnerkirchen 1752-1893“ des Themas angenommen.

„Der alte Kirchhof bestand ursprünglich aus einem nördlichen und einem südlichen Teil. Die beiden Hälften waren durch den Hauptweg zum Kircheneingang und den Bokeler Kirchfußsteig voneinander getrennt. Der schmale östliche Teil wurde erst in späterer Zeit angefügt“, schreibt Trede. Die fast quadratische Kirchhoffläche wurde mit einem Steinwall eingefasst. Die Seitenlängen betragen im Norden und Süden jeweils rund 80 Meter, im Westen und Osten sind es etwa 65 beziehungsweise 70 Meter.

Anfangs habe es nur den Haupteingang unter dem Glockenstuhl und zusätzlich einen kleinen Nebeneingang an der Südostecke zum Bokeler Kirchfußsteig gegeben. „Der dritte, aber durchaus imposante Nebeneingang vom südlich gelegenen Marktplatz wurde erst in den 1920er-Jahren angelegt“, so Trede. Er diente als Zugang zur damals neu geschaffenen Denkmalanlage für die Opfer des Ersten Weltkrieges an der südlichen Kirchenmauer.

Der nördliche Teil umfasste die Grabstellen der Gemeinden Westerhorn, Osterhorn sowie Bokel und Brande. „Die Gräber selbst hatten ausnahmslos eine West-Ost-Ausrichtung, damit der Verstorbene in Richtung Osten, zum Heiligen Land hin, gebettet werden konnte“, weiß Trede. Im südlichen Teil lagen die Grabstellen von Bokelsess, Hörnerkirchen, die der älteren Anbauern (Kleinbauern) sowie die restlichen Brander Gräber. Etliche Grabstätten seien der Kirche vorbehalten gewesen und dienten vorwiegend für Kindergräber. „Die erweiterte östliche Seite, der neue Teil, entstand erst Mitte des 19. Jahrhunderts“, schreibt Trede. Die Reihengräber seien „für die Leichen, bei denen kein familiäres Erbbegräbnis vorhanden war“, gedacht gewesen und waren unentgeltlich.

Insgesamt habe der alte Hörnerkirchener Friedhof Raum für etwa 200 Grabstätten geboten, auf denen sich in der Regel jeweils acht Gräber befanden. Hinzu kamen etwa 70 Kindergräber. „Ein Beweis für die damals noch sehr hohe Kindersterblichkeit“, so Trede. Die Gesamtzahl der auf dem alten Friedhofsareal bestatteten Menschen dürfte nach gut 140 Jahren Nutzung „bei fast unglaublichen circa 5000 Menschen liegen“, rechnet Trede hoch. „Der Kirchhof war bis 1893 in Gebrauch, dann war er belegt und es wurde der neue Friedhof an der Barmstedter Straße seiner Bestimmung übergeben.“

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