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Mühlenstraße : Hier haben "Rollis" keine Chance

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Der lange Weg eines Rollstuhlfahrers bei seinem Kampf um mehr Barrierefreiheit in der Mühlenstraße. Situation soll jetzt entschärft werden.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 08:36 Uhr

Elmshorn | Er ist schwierig für Eltern mit Kinderwagen, er ist eine große Anstrengung für Menschen mit einem Rollator und er ist unmöglich für Rollstuhlfahrer: Der Weg aus Richtung Bahnhof über den Zebrastreifen in der Mühlenstraße. Die Steigung von der Fahrbahn auf den schmalen, südlichen Gehweg ist zu steil; Rollstuhlfahrer müssen sogar fürchten, nach hinten umzukippen. Das soll sogar schon geschehen sein.

Das Problem besteht, seitdem der Neubau Mühlenstraße 32 an der Ecke zur Julius-Leber-Straße (Zufahrt zur Parkpalette im Steindammpark) gebaut worden ist. Bei der Erstellung des Mehrfamilienhauses mit seiner abgerundeten Fassade ist der Übergang vom Gehweg zum Zebrastreifen offenbar aufgrund der nicht vorhandenen Fläche so steil erstellt worden. Der Erbauer und Betreiber des Hauses, die Elmshorner Wohnungsbaugesellschaft Semmelhaack, hat in dem Objekt nicht nur dringend in der Stadt benötigte, mit Steuergeldern geförderte Sozialwohnungen geschaffen, sondern alle Wohnungen auch barrierefrei erstellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Hindernis-Zebrastreifen direkt vor der Tür - zumal in dem Mehrfamilienhaus gut eine Handvoll Rollstuhlfahrer ein neues, bequemes Zuhause gefunden haben.

Einer von ihnen ist Jan Porstendorfer. Auch er ist genervt. Nicht nur von dem Übergang, den er mit seinem Rollstuhl nicht ohne fremde Hilfe nutzen kann, sondern auch von der Ignoranz, die ihm bei seinen Bemühungen um eine Lösung des Problems von vielen Seiten entgegenschlug. "Seit mehr als zwei Jahren kämpfe ich für Barrierefreiheit am Zebrastreifen", so der Elmshorner. Zunächst wandte er sich an die Wohnungsbaugesellschaft Semmelhaack, die sich für den Mangel des Gehwegs nicht zuständig fühlt, was laut Nachfrage beim zuständigen Flächenmanagement im Elmshorner Rathaus auch richtig sei.

Deshalb setzte Porstendorfer seine Bemühungen anderweitig fort: Er informierte den Behindertenbeauftragten, sprach mit Vertretern des Seniorenrats. "Leider wurde mir zwar von allen Seiten Verständnis entgegengebracht, in der Sache konnte man mir aber nicht helfen", berichtet der Betroffene. Auch eine Anfrage bei der Stadtverwaltung, so der Rollstuhlfahrer weiter, habe nichts gebracht: Es verstoße nichts gegen Vorschriften.

"Durch Zufall nahm sich der Fraktionsvorsitzende der CDU, Andreas Hahn, der Sache an", schildert Porstendorfer den weiteren Verlauf der Sache und: Zu seiner großen Verwunderung habe er dann innerhalb einer Woche von der Stadtverwaltung ein Schreiben bekommen. Darin wird zugesagt, den Mangel bis Ende Mai abzustellen.

Tatsächlich, so berichtet der zuständige Rathausmitarbeiter Jürgen Kölln vom Flächenmanagement auf Anfrage, soll der Bürgersteig kommende Woche auf einer Fläche von 30 Quadratmeter aufgenommen und neu gestaltet werden. Man wolle versuchen, die Absenkung zu verbreitern, damit die Steigung nicht mehr so stark ist. Dann soll auch der Zebrastreifen erneuert und an die breitere Absenkung angepasst werden.

Der Bürgersteig sei, so erklärt Kölln, "im Rahmen der Normen" gebaut und von der Behörde ordnungsgemäß abgenommen worden. Allerdings räumt der Verwaltungsfachmann ein: "Was technisch korrekt ist, ist nicht immer gut für Behinderte." Deshalb werde jetzt von der Stadt auch versucht, die Situation zu ändern.

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