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Interview : „Hauptmann von Köpenick“ - Premiere in Elmshorn

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Heute erste Aufführung an der Dittchenbühne: „Hauptmann von Köpenick“ nimmt Militarismus und Bürokratismus aufs Korn.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Heute Abend feiert der „Hauptmann von Köpenick“ am „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ Premiere. Aus diesem Anlass traf EN-Mitarbeiter Manfred Kellner Raimar Neufeldt zum Interview. Der Chef der Dittchenbühne zeichnet als Regisseur für diese Neuinszenierung verantwortlich.

In den vergangenen Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Hauptmannsuniform der heutigen Zeit ein Doktortitel ist. Hätte Zuckmayer heute vielleicht den „Doktor von Köpenick“ geschrieben?
Raimar Neufeldt:
Ja, wer weiß… Auf jeden Fall zeigen solche Titelanmaßungen oder auch eine ganze Reihe anderer, moderner Hochstapeleien, wie aktuell dieses Stück aus dem Jahr 1930 auch heute noch ist. Manche Berufskleidung hat immer noch eine geradezu magische Wirkung auf die Menschen. Denken Sie etwa an Arztkittel oder auch an Polizeiuniformen. In anderen, mehr vom Militär geprägten Staaten könnte aber auch heute noch eine Hauptmannsuniform die Hauptrolle bei einer Köpenickiade spielen. Das macht den „Hauptmann“ nach wie vor für viele Menschen interessant. Nicht nur eine bestimmte Schicht wird angesprochen, sondern jeder kann etwas aus diesem Stück mitnehmen.

Die Frage der richtigen Ausweispapiere oder eines Ausweises überhaupt spielt heute ja auch für Immigranten oder für Asylbewerber eine große Rolle. Auch hier lassen sich sicher Parallelen ziehen zum „Hauptmann“...
...in der Tat! Man sollte nicht vergessen, dass der „Hauptmann von Köpenick“ nicht nur eine Militärsatire ist, sondern auch Bürokratie und Obrigkeitsdenken aufs Korn nimmt. Insofern lassen sich viele Parallelen auch zu heutigen Verhältnissen finden. Genau das macht das Stück ja so attraktiv für den Zuschauer.

Können sich die Zuschauer in Elmshorn auf besondere Regieeinfälle freuen, auf besondere Inszenierungsideen? Denn so, wie man den „Hauptmann“ von anderen Bühnen oder von Film und Fernsehen kennt, werden Sie ihn ja nicht inszeniert haben?
Wenn es auch nicht immer leicht ist, versuchen wir bei allen unseren Inszenierungen, uns von bekannten Vorlagen oder Vorbildern zu lösen. Ich denke, das ist uns jetzt auch beim „Hauptmann von Köpenick“ gelungen. Weil wir in seinem sehr reduzierten Bühnenbild spielen, informieren zum Beispiel zwei junge Darstellerinnen als Leierkastenspielerinnen darüber, wo die Szenen spielen – etwa wie bei einer Moritat. Ansonsten kann ich den Leserinnen und Lesern nur empfehlen: Schauen Sie, dass Sie noch Karten bekommen, und überzeugen Sie sich selbst von unserem „Hauptmann“!

Gab es besondere Herausforderungen bei dieser Inszenierung?
Das schon genannte Lösen von Vorbildern war hier sicherlich eine besondere Aufgabe. Und dann natürlich wie immer: das Zusammenwachsen von vielen einzelnen Darstellern zu einem gemeinsamen Ensemble. Bei der Besetzung gab es übrigens keine Schwierigkeiten: Unser Schauspielerstamm ist groß genug auch für eine solche Inszenierung. 22 Darsteller – die zum Teil mehrere Rollen übernommen haben – bringen mit Hilfe von zehn Technikern das Stück auf die Bühne.

Geht es im Anschluss an die Aufführungen auf Ihrer Freilichtbühne und in Ihrem Theatersaal wieder auf Tournee?
Natürlich, das ist bei uns ja schon gute Tradition. Wir werden wieder in Polen spielen, in Russland und in Finnland. Alles in allem gibt es zwölf Vorführungen. Dabei erreichen wir den nördlichsten Punkt, zu dem uns bisher eine unserer Tourneen geführt hat: Murmansk am Rande des Eismeers.

Aufführungen im Freilicht-Theater der Dittchenbühne

Freitag, 22. August, 20 Uhr
Sonntag, 24. August, 16 Uhr
Freitag, 29. August, 20 Uhr
Sonntag, 31. August, 16 Uhr
Freitag, 5. September, 20 Uhr
Sonntag, 7. September, 16 Uhr.

Aufführungen in der Dittchenbühne

Sonnabend, 20. September, 20 Uhr
Sonntag, 21. September, 16 Uhr
Freitag, 26. September, 20 Uhr
Sonntag, 5. Oktober, 16 Uhr

 
Tickets: 04121-89710; E-Mail: buero@dittchenbuehne.de
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