Elmshorn : Hatje: Land muss sich zum Stadttheater bekennen

Ärgern sich über das Konzept  aus dem Kultusministerium: Stadtrat Volker Hatje (l.) und Theaterchef Peter Thomsen. Foto:  pen
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Ärgern sich über das Konzept aus dem Kultusministerium: Stadtrat Volker Hatje (l.) und Theaterchef Peter Thomsen. Foto: pen

Kritik am Theater-Konzept aus Kiel. Elmshorn "wichtigstes Bühnenhaus nordwestlich von Hamburg".

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30. April 2013, 08:30 Uhr

Elmshorn | In seinem "Konzept zur Sicherung der öffentlichen Theater und des Theaterstandortes Schleswig" hat das Kieler Kultusministerium Elmshorn mit keinem Wort erwähnt. Das ärgert die Elmshorner Theaterchefs gewaltig. "Auch uns ist klar, dass das Theater in Schleswig erhalten bleiben muss, es ist unverzichtbar für die Landesbühnen", sagt Volker Hatje, Stadtrat und Vorsitzender der Elmshorner Theatergemeinschaft. Doch er sieht das Land auch bei anderen Häusern in der Pflicht. Gerade im kommunalen Bereich, so Hatje in einem Brief an das Ministerium, sei ein öffentliches Theater ein wichtiger Standortfaktor und ermögliche die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt.

"Es kann keine Darstellung der Theaterlandschaft im Land ohne Elmshorn geben. Wir wundern uns sehr darüber, dass wir nicht erwähnt werden", sagt Volker Hatje. Mit seinen rund 40 000 Besuchern im Jahr und einer Auslastung von rund 80 Prozent sei das Elmshorner Haus beispielhaft. Auch deshalb, weil der Betrieb mit einer prozentual niedrigeren öffentlichen Bezuschussung als vergleichbare Unternehmen auskäme. Für die Spielzeit 2011/12 mit 120 Vorstellungen bekam das Theater bei einem Etat von rund einer Million Euro einen Zuschuss von 268 000 Euro. Volker Hatje betont in seinem Brief, dass mit "wirtschaftlich eingesetzten Mitteln ein attraktives und anspruchsvolles Theaterangebot geschaffen" werde.

In seiner Analyse, so Hatje weiter, gehe das Ministerium davon aus, dass die Theaterlandschaft besonders durch die Mehrspartentheater mit eigenen Ensembles in Kiel und Lübeck, sowie durch das Landestheater geprägt sei. Ferner sei nachzulesen, dass sich Kommunen mit Theatern ohne Ensemble mit qualitativ schlechteren Gastspielen "behelfen" müssten. Außerdem gehe das Gutachten davon aus, dass das Publikum im südlichen Schleswig-Holstein wegen der räumlichen Nähe verstärkt zu Hamburger Bühnen strebe.

"Das ist eine Fehleinschätzung und es entsteht der Eindruck, dass Elmshorn nicht förderwürdig sei", sagt Volker Hatje. Und weiter: "Möglicherweise kommt man zu diesem Schluss, weil Elmshorn kein Abnehmer der Aufführungen des Landestheaters ist".

Für Peter Thomsen, Geschäftsführer der Elmshorner Theatergemeinschaft ist die Zusammenarbeit mit anderen Häusern elementar wichtig. Das dazu nicht die Landesbühne gehört, hat für ihn handfeste Gründe. "Die Landesbühne hat bei uns im Süden für das Publikum einfach nicht die Strahlkraft wie im Rest des Landes. Die Besucher erwarten Gastspiele mit Stars und bekannten Schauspielern".

Sein Theater arbeite deshalb mit Häusern wie dem Altonaer Theater, den Hamburger Kammerspielen oder dem Berliner Theater am Kurfürstendamm zusammen. "Unser Publikum rekrutiert sich nicht nur aus Elmshornern. Viele Abonnenten kommen aus der Region und sogar aus Hamburg. Die Menschen kommen zu uns, weil sie Qualität und Vielfalt schätzen".

Für Stadtrat Hatje steht fest: "Elmshorn ist das wichtigste Bühnenhaus nordwestlich von Hamburg. Das Land muss sich eindeutig zu unserem Stadttheater bekennen". Besonders deshalb, weil - genauso wie in Schleswig - der Bühnenbau marode sei und dringend saniert werden müsse. Volker Hatje sieht das Land in der Pflicht, den Elmshornern dabei zu helfen.

Nicht zuletzt, weil die Bürger bereits in "Vorleistung" getreten seien: Der Förderverein des Elmshorner Stadttheaters hat der Stadt, wie berichtet, 500 000 Euro für die Sanierung des altersschwachen Daches zur Verfügung gestellt. Doch das genügt nicht, in weiteren Bauabschnitten müssen Fassade und Innenräume in Schuss gebracht werden. "Wir würden uns wünschen, dass das Land sich dabei engagiert", sagt Volker Hatje.

Dafür will sich auch die Elmshorner SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies einsetzen. "In Elmshorn gibt es ein großes bürgerschaftliches Engagement für das Stadttheater", sagt sie. Die Bindung zur Region sei stark. Die Politikerin kann sich eine institutionelle Förderung des Hauses vorstellen. Sie will sich in den parlamentarischen Gremien für eine Bezuschussung für die Sanierung einsetzen. Ihr Tipp: "Vielleicht sollten die Elmshorner einfach mal Kultusministerin Anke Spoorendonk ins Theater einladen".

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