SHMF 2018 : Harfenist Xavier de Maistre in Elmshorn: Eine sinfonische Romantikexplosion

Virtuos und gefühlvoll zugleich: Solist Xavier de Maistre an der Harfe.
Virtuos und gefühlvoll zugleich: Solist Xavier de Maistre an der Harfe.

Beim letzten Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals zeigte Harfenist Xavier de Maistre sein Können.

shz.de von
13. August 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | „Ich bin eine Harfe mit goldenen Saiten, auf einsamem Gipfel über die Fluren erhöht...“, ersann Christian Morgenstern in seinem Gedicht „Wenn du nur wolltest“ über das fragile goldene Instrument mit den stählernen Saiten. Einen einsamen Gipfel gab es zwar am vergangenen Sonnabend beim letzten Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Elmshorner Reithalle nicht zu sehen, immerhin schaffte es das mitunter älteste Instrument der Welt auf ein kleines Podest aus Holzplanken und Edelstahl – nicht ganz so romantisch, nicht ganz so majestätisch, aber trotzdem beeindruckend. Denn Xavier de Maistre, der französische Harfenvirtuose mit einer Vorliebe für enge Hemden und einer der diesjährigen Stars des SHMF, beherrscht das große Saiten-und Zupfinstrument, das in der Karriere der Soloinstrumente nie so erfolgreich war wie andere Artgenossen, wie kein Zweiter. „ ...Du lass die Finger leise und sanft darüber gleiten, und Melodien werden aufraunen und aufrauschen, wie noch nie Menschen hörten; das wird ein heilig Klingen über den Landen sein ...“

Dem Klang keine Beschränkung

Wie perlmuttschimmernde Perlenketten, die leise kleine Treppen herunterrieseln, meistern sich seine Finger durch die Saiten und offenbaren die Magie des Instruments. Sie zupfen, sie streichen, sie streicheln, sie verharren – der Spielweise setzt de Maistre keine Grenzen, dem Klang keine Beschränkung. Laut, leise, voll, schlank. Akkordisch, melodisch, rhythmisch, verspielt. Seine Komplizin wiegt er dabei sanft wie ein Kind in einer Wiege, verliebt umkümmernd und dennoch ernst. Komponist Carl Reinecke ist dabei der Quentin Tarantino der Harfenmusik. Blockbuster: Konzert für Harfe und Orchester in e-Moll. Kulisse: morbider Orchesterklangteppich zwischen Moll und Dur, zwischen Euphorie und Melancholie. „... Ich bin eine Harfe mit goldenen Saiten, auf einsamem Gipfel über die Fluren erhöht ...“.

Tiefer romantischer Morast

Einsam muss sie dennoch nicht bleiben. Die NDR-Radiophilharmonie unter Leitung von Dirigent Andrew Manze sorgt mit Schumanns „Zwickauer Sinfonie“ und Brahms erster Sinfonie für Vor-und Nachspann im tiefen romantischen Morast, der sich in der Reithalle ausbreitet. Sie ist so schön, die musikalische Romantik, denn man muss nicht denken. Sie ist so leicht zu verstehen – und doch so schwer. Mit großen Klängen und leeeeeegaaaato-brahmsischer Manier führt Dirigent Manze seine Musiker wie ein ruhiger Weiser durch den Zauberwald, den Küstennebel, durch’s norddeutsche Moor. Oder wie ein Regisseur seine Schauspieler durch höchste Spielanforderungen, durch forte und piano, durch Emotionen und musikalisch ästhetische Brutalität. „... Und harre Deiner, oh Priesterin! Dass meine Geheimnisse aus mir brechen und meine Tiefen zu reden beginnen und, wie ein Mantel, meine Töne um dich fallen, ein Purpurmantel der Unsterblichkeit.“

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