Handwerk erfährt Wertschätzung

Claudia Mohr.
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Interview mit Claudia Mohr, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, zur aktuellen Arbeit, Zielen und Umzug der Geschäftsstelle

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19. Februar 2018, 12:26 Uhr

Das Handwerk spielt als Wirtschaftszweig traditionell eine wichtige Rolle. Wir sprachen mit Claudia Mohr, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pinneberg, über Herausforderungen, Perspektiven und Zukunft des Handwerks.

Frage: Was sind die wichtigsten Aufgaben, die die Kreishandwerkerschaft 2018 zu bewältigen hat?
Claudia Mohr: Wir betreuen derzeit schwerpunktmäßig elf verschiedene Handwerksbereiche in unseren Innungen und so sind auch die Aufgabenschwerpunkte sehr vielfältig. Das betrifft zum Beispiel die Umsetzung von EU-Vorgaben. Der steigende Fachkräftemangel beschäftigt gewerkeübergreifend insbesondere auch das Handwerk. Hier unterstützen die Innungen unter anderem durch die Teilnahme an Berufsmessen die Innungsbetriebe. Interessiert beobachten wir die politischen Entwicklungen in Bund und Land, auf die wir dann entsprechend reagieren werden. Intern beschäftigt uns natürlich der Ende März anstehende Umzug der Geschäftsstelle besonders.

Unterscheidet sich der Kreis Pinneberg in Hinsicht auf die Gewerke und Infrastruktur von anderen Gebieten im Land?

Die Nähe zu Hamburg ist schon eine Besonderheit für die Handwerker im Kreis Pinneberg. Die Strukturen sind ansonsten ja uneinheitlich von kleinen Gemeinden bis hin zu größeren Städten. Die Auswirkungen der Metropolregion Hamburg betreffen auch die Preisgestaltung. Unter den Baustellen auf der A7 leiden unsere Handwerksbetriebe erheblich.

Sie verlegen Ende März Ihre Geschäftsstelle nach Horst. Warum brauchen Sie ein neues Gebäude?

Bis 2012 gab es noch eine Geschäftsstelle in Pinneberg. Da der Kreis Steinburg aufgrund von dringendem Erweiterungsbedarf Interesse am Grundstück in Itzehoe geäußert und sich die Gelegenheit eines Neubaus an der Grenze der Kreise Steinburg und Pinneberg, für die wir beide zuständig sind, ergeben hat, wurde 2016 der Beschluss zum Umzug nach Horst gefasst.

Gilt das Sprichwort noch „Handwerk hat goldenen Boden“? Gilt es insbesondere für junge Menschen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind und im Handwerk ihre Berufung sehen?

Das Sprichwort gilt nach wie vor. Das Schöne am Handwerk ist, dass man am Ende des Tages sieht, was man geleistet hat. Aufgrund der Anforderungen der demografischen Entwicklung werden viele Positionen im Handwerk in naher Zukunft frei, so dass gute Karrierechancen bestehen. Viele Inhaber suchen Nachfolger – wer eine Ausbildung im Handwerk beginnt, hat also viele Möglichkeiten.


Sterben einige Gewerke und Betriebe im Kreis aus? Und wenn ja, warum?

Veränderungen gehören zum Leben dazu. Da sich das Verbraucherverhalten ändert, verschwinden auch Betriebe. Früher gab es zum Beispiel in fast jedem Dorf Bäcker und Schlachter. Heute bieten Discounter Brot und Fleisch an und wenn die Kunden nicht bei den kleinen Betrieben vor Ort kaufen, ist ihre Zukunft fraglich. Wer sich vor Ort beraten lässt, dann aber doch im Internet kauft, darf sich hinterher nicht wundern, wenn Betriebe und Geschäfte in der Nachbarschaft nicht mehr bestehen können. Vergessen wird aber dabei, dass es oft die inhabergeführten Betriebe sind, die Ausbildungsplätze anbieten, sich engagieren in Kommunalpolitik, Feuerwehr, Trikots in Sportvereinen sponsern - und hier vor Ort Gewerbesteuern zahlen, wovon das Gemeinwesen bezahlt wird. Das ist bei Internetfirmen nicht immer so.


Wie schätzen Sie für das Handwerk die Verlängerung der Lebensarbeitzeitbeziehungsweise den Renteneintritt mit 70 Jahren ein? Ist man als Senior noch fit genug für die Anforderungen im Handwerk?

Die Lebenserwartung ist gestiegen und die Belastungen im Handwerk sind durch den Einsatz von Maschinen und technischen Entwicklungen zurückgegangen. Jeder Mensch ist aber anders und deshalb sind pauschale Urteile schwierig. Ein Betrieb lebt häufig gut mit Mischungen aus jung und alt – neuen Ideen und Erfahrungen. Es gibt den schönen Spruch „Junge sind schneller, aber die älteren kennen die Abkürzungen“.

Sind Handwerksleistungen noch für den Durchschnittsbürger bezahlbar? Was halten Sie von Portalen, auf denen man Handwerksleistungen zu Dumpingpreisen bekommt?

Wer Qualität will, sollte beim Handwerker vor Ort nachfragen. Qualität hat aber auch berechtigterweise ihren Preis. Es gibt jede Menge enttäuschter Kunden, die einen billigen Auftrag über verschiedenste Portale erteilt haben, hinterher aber Probleme hatten, den auswärtigen Handwerker für Gewährleistungsfragen in Gewährleistung zunehmen. Billig wird dann häufig teuer – von Zeit und beanspruchten Nerven ganz zu schweigen.

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