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Elmshorner Nachrichten

20. Oktober 2017 | 15:44 Uhr

Elmshorn : Gummihämmer gegen die Krähen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vogelfreundin Kirstin Zoller will die Krähenplage-Diskussion versachlichen. Rückendeckung vom Amt für Stadtentwicklung.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2015 | 14:10 Uhr

Elmshorn | Es war gleich der erste Ratschlag, den Kirstin Zoller von dem Vorbesitzer ihres Hofes bekam: „Wenn Sie nicht wollen, dass die Krähen ihre Haustür vollkacken, hängen Sie Gummihämmer an die Bäume.“ Gebraucht hat Zoller diesen Tipp nicht – schließlich gibt es auf ihrem Hof nur Pferde, Hunde und Hühner, aber keine Getreide-Silos, die die Vögel bei ihren Nachbarn anziehen. Jetzt, wo die ganze Stadt über die Krähenplage im Frühjahr diskutiert, ist der 52-Jährigen die Sache mit dem Hammer wieder eingefallen. „Die Landwirte in meiner Nachbarschaft machen es alle so“, erzählt sie. „Man klopft ab und zu mit dem Hammer gegen den Baum, während die Krähen ihre Nester bauen. Wenn die Eier schon im Nest liegen, ist es allerdings zu spät. Die Vibration setzt sich in die Baumkrone fort, die Vögel fühlen sich gestört und ziehen in einen anderen Baum um.“

Dieses Vorgehen könnte Zoller sich auch gut für die Elmshorner Innenstadt vorstellen. Denn dass sich die Bürger über den Dreck, den die Vögel verursachen, ärgern, versteht sie nur zu gut. Ihr Ansatz beruht auf dem Gedanken, die Nistplätze der Krähen von Bürgersteigen und Cafés auf Bäume zu verlegen, wo die Krähen deutlich weniger Menschen stören würden. Dafür empfiehlt sie der Stadtverwaltung im ersten Schritt, die alten Nester, die immer noch in den Bäumen hängen, zu entfernen – „damit die Krähen nicht einfach dorthin zurück kehren können“. Und dann, sobald die schwarzen Vögel mit dem Nestbau beginnen, könnten Passanten immer mal wieder mit einer Art überdimensionalem Türklopfer gegen den Baumstamm schlagen. „Natürlich müsste der so konstruiert werden, dass die Bäume nicht beschädigt werden.“

Die Vogelfreundin möchte die emotional geführte Diskussion um die Krähenplage in Elmshorn versachlichen. „Bevor wir sofort vom Totschlagen reden, sollten wir erst einmal den Nutzen der Krähen hinterfragen“, sagt die 52-Jährige. „In der Stadt ernähren sich die Krähen von organischem Müll. Uns würde es nie gelingen, die Stadt so sauber zu halten, wie es die Krähen tun.“ Außerdem hielten die Krähen auch die Ratten fern. „Früher gab es in Elmshorn eine richtige Rattenplage“, sagt Zoller. Heute sei das immer noch im Krückaupark zu beobachten, wo nur wenige Krähen nisten. „Seit immer mehr Krähen in die Innenstadt kommen, ist es dort mit dem Ratten-Problem vorbei.“

Zoller weiß nicht sicher, ob ihre Idee funktionieren würde. „Aber einen Versuch ist es wert.“ So sieht das auch Hans Helmut Dürnberg vom Naturschutzbund Elmshorn. „Das ist eine interessante Variante, wir sind dafür offen, das einmal auszuprobieren.“

Den Lärm könne man mit ihrer Lösung natürlich nicht verhindern. Aber zum einen hält Zoller es ohnehin für unwahrscheinlich, dass ein europaweit geltender Krähenschutz für Elmshorn aufgehoben werden würde und die Krähen endgültig aus der Stadt verscheucht werden könnten. Und zum anderen plädiert Jörg Schmidt-Hilger vom Amt für Stadtentwicklung dafür, die Relationen zu berücksichtigen. „Autolärm ist auch nicht leiser als die Krähen, wird aber – anders als die Tiere – als notwendiges Übel toleriert. Wir sollten uns einmal fragen, warum das so ist.“

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