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Elmshorner Nachrichten

23. August 2017 | 22:07 Uhr

Sibirien : Großes Abfischen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Gut zwei Dutzend Helfer und viele Schaulustige waren beim Abfischen dabei. Karpfen wurden vor Ort ausgenommen und verkauft.

Sibirien | „Können da noch mehr Leute ziehen? Wenn die Jungs nicht wollen, nehmen wir die Mädels!“ Männer, Frauen, Kinder, Senioren: Am langen Seil wurde jede Hand gebraucht. An die 20 Leute in Gummistiefeln oder Wathosen fassten mit an, um das Netz durchs Wasser zu ziehen. „Die hauen da hinten ab“, warnte eine Stimme aus dem Wasser vor dem Verlust der Fische. Das Netz schleifte nicht richtig über den Grund des Sees, Laub, Modder und Äste hatten sich in den Maschen verfangen und eröffneten der Beute Fluchtmöglichkeiten.

Gut zwei Dutzend Helfer und viel mehr Schaulustige waren am Sonnabend an den See in Sibirien zum Abfischen gekommen. Ungefähr eine Dreiviertelstunde dauerte es pro Fischzug, bis das Netz mit Hilfe eines 50 Jahre alten Treckers und vieler Hände durch den See gezogen und die Beute dann mit den Fingern aus Netz, Laub und Matsch geholt war: Karauschen, Weißfische, Rotfedern, Barsche und natürlich die begehrten Karpfen. Wobei der Ertrag mit weniger als einem Zentner die Nachfrage nicht befriedigen konnte, nicht jeder Interessent konnte mit dem gewünschten Karpfen nach Hause gehen.

Die besonders üppigen Exemplare wanderten im Keller der Gaststätte am See in ein Bassin: Zehn bis zwölf Kilo schwere Brocken, gute zehn Jahre alt; sie wurden später für die Nachzucht wieder ins Wasser gesetzt oder sollen als „Graskarpfen“ die Algen und den Bewuchs am Grund des Sees abweiden, erklärte Heike Thormählen, Wirtin der Gaststätte. Fürs Abfischen hatten sie und ihre Schwester Anette Familie, Freunde und Nachbarn an und in den See geholt. Unvorteilhafte Wathose und Dreckspritzer im Gesicht von den zappelnden Fischen gehörten am Sonnabend zum Outfit.

„Das ist so gruselig, wenn da ein Auge ’rausguckt!“, Elna Röbe-Oltmanns, Tochter von Anette Thormählen, ekelte sich, als sie das Laub nach Fischen durchsuchte. Ihre große Schwester Laura war weniger zimperlich, sie hilft beim Zupacken. Elna war schon im vergangenen Jahr beim Abfischen dabei; der Teil mit den Fischen gefällt ihr nicht, aber sie findet es „toll, mit der Wathose ins Wasser zu gehen“.

Die alte Sitte des Abfischens belebte die Familie im zweiten Jahr wieder. Die Kinder hätten darauf gedrungen, erzählte Heike Thormählen; eine Initiative, die ihr gefällt: „Die Tradition geht sonst verloren.“ Und offenbar würde sie vielen Nachbarn fehlen: Am Seeufer standen zahlreiche Zuschauer und Interessenten, die zugucken oder Karpfen für zehn Euro pro Kilo kaufen wollten. Ausgenommen wurde der Fisch gleich vor Ort. In der Wartezeit gab es Kaffee, Kuchen, Schnaps und Saft umsonst.

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erstellt am 09.Nov.2015 | 10:04 Uhr

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