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Elmshorner Nachrichten

14. Dezember 2017 | 18:53 Uhr

Elmshorn : Große Jagd – kleine Beute

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Zum Abschuss freigegeben: 15 Jäger hatten es im Rosengarten auf kranke Kaninchen abgesehen. Die Ausbeute war allerdings gering. Dafür brachten sich zahlreiche Elmshorner in Lebensgefahr.

Kurz vor Sonnenuntergang leuchtet der Rosengarten gold-grün. Im Wald am Elmshorner Stadtrand zwitschern Vögel, Hunde bellen, Jogger atmen tief durch. Es ist kurz nach 18 Uhr. An einem Feldweg versammeln sich nach und nach mehr Menschen. Sie alle tragen solides Schuhwerk, blattgrüne Hosen, dicke Jacken mit orange leuchtender Weste darüber und eine luftige Kopfbedeckung. Heute geht es auf Treibjagd. Kaninchen sind das Ziel der Jägerschaft.

Die 15 Jäger aus der Region wollen die Ausbreitung der Kaninchenpest (Myxomatose) durch Abschuss erkrankter Tiere eindämmen. Myxomatose ist eine seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit (der Erreger gehört zur Gruppe der Pockenviren), welche Wild- und Hauskaninchen befällt. Für die Tiere endet sie meist tödlich – qualvoll verenden sie innerhalb weniger Tage. Seit Jahren breitet sich diese Pest auch im Liether Wald unaufhaltsam aus. Veterinär- und Jagdbehörde empfahlen deshalb einen Beschuss, da eine Impfung nicht möglich ist. Die Ausbeute der Jagd an diesem Freitagabend ist jedoch mager.

Dabei sieht der Anfang recht vielversprechend aus. Nach zwei Minuten der erste Schuss – das erste Tier erlöst. Die Augen dick geschwollen. Überall am Körper eitriger Ausfluss. „Ein typisches Krankheitsbild“, erzählen die Jäger. Danach noch ein Schuss und ein weiterer. Dann ist erst einmal Ruhe. Kein Tier weit und breit.

Treiber und Jäger laufen weiter. Ganz langsam durchkämmen sie den Wald. Ein dichtes Buschwerk aus jungen Bäumen und mannshohen, wildwuchernden Brombeerhecken erschwert das Vorankommen. Der Weg durchs Unterholz führt hier und da an alten Kaninchenbauten vorbei. Viele davon sind von Hunden frei gewühlt. Ein Langohr versteckt sich dort nicht mehr. Dann noch ein Schuss – doch diesmal kann das Kaninchen dem Schrot aus der Flinte entkommen.

Spaziergänger begeben sich in Gefahr

Gefährlich ist die freitagabendliche Jagd nicht nur für Kaninchen, sondern auch für Spaziergänger. Zwar haben Behörden und Jägerschaft das betroffenen Jagdgebiet vorschriftsmäßig abgesperrt, doch einige Wanderer, Jogger und Fahrradfahrer beachten die Durchgangsverbote nicht. „Ich habe mich schon gewundert, was die Schilder sollen“, sagt eine Radfahrerin. Dass sie sich in Lebensgefahr begeben hat, verstehen die Jäger nicht. Aber die 15 Herren sind erfahren und vorsichtig genug, mit solchen Situationen umzugehen.

Nach einer Stunde ist die Jagd zu Ende. Nur drei Kaninchen bleiben auf der Strecke. Im Vorfeld, vor einer Woche, sahen die Jäger an gleicher Stelle noch mehr als ein Dutzend jüngerer und älterer Kaninchen – in allen Stadien der Krankheit. „Ein Großteil des Bestandes ist vermutlich bereits der Krankheit erlegen“, glaubt Jäger Jürgen Glißmann der mit den Behörden die aufwendige Treibjagd organisierte. „Wir hatten gehofft, ein paar mehr zu kriegen“, so Glißmann weiter. Doch wenn zu viele Tiere auf einem Haufen leben – wie zuvor im Rosengarten – dann breitet sich die Krankheit rasant aus und die Kaninchen sterben in kürzester Zeit in ihren Bauten.

Dennoch, resümieren Glißmann und Kollegen: Die Strecke zeigt, dass das Virus sich bedrohlich ausbreitet. Die erlegten Tiere haben allesamt Symptome der heimtückischen Krankheit. Mit dem Abschuss erlösen sie die Tiere vom qualvollen Tod der Krankheit. Ganz wichtig: Nur der Abtransport der erlegten Tiere kann ein weiteres Ausbreiten der Krankheit verhindern. Verbliebe der Kadaver der verendeten Tiere im Bau, stecken sich andere Artgenossen ungehindert weiter an.

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