Goldene Einblicke in die Welt der Pharaonen

Originalgetreue Repliken: Die Mumie des ägyptischen Pharaos Tutanchamun fasziniert die Besucher in Hamburg.
Originalgetreue Repliken: Die Mumie des ägyptischen Pharaos Tutanchamun fasziniert die Besucher in Hamburg.

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01. Oktober 2009, 11:33 Uhr

Hamburg | Die Historie dieser Entdeckung liest sich wie ein spannender Roman, in dem leidenschaftliche Wissenschaftler, reiche Adlige und viele Zweifler die Szenerie bestimmen. Doch die wahre Geschichte um die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun ist noch abenteuerlicher als jeder Indiana-Jones-Film. Es ist der 4. November 1922, als der britische Archäologe Howard Carter entdeckt, woran viele seiner Kollegen schon lange nicht mehr glaubten: das Grab des jung verstorbenen Pharaos Tutanchamun. Als es wenige Tage später geöffnet wird, meldet die New York Times aus Luxor die "sensationellste ägyptologische Entdeckung des Jahrhunderts", denn die prunkvollen Grabbeilagen waren nicht wie die anderen Gräber im Tal der Könige antiken Räubern zum Opfer gefallen, sondern vollständig erhalten.

Was Carter sah, war eine überwältigende Fülle an Schätzen. Sein Blick in die über 3300 Jahre alte Kammer ist der Blick, mit dem die Ausstellung "Tutanchamun - sein Grab und die Schätze" beginnt. Der Besucher wird zum Entdecker, steht staunend vor der prall gefüllten Todeskammer, sieht lebensgroe Statuen und bizarre Tierköpfe, goldene Liegen, den reich dekorierten Thronsessel, Vasen, Stühle, Teile von Streitwagen und schmuckvoll verzierte Schatullen. Das Auge hat es schwer, die einzelnen Stücke in ihrer Gänze zu erfassen, denn die Schätze liegen übereinander, verdecken sich gegenseitig, wirken fast wie ein unaufgeräumtes Magazin, dessen auergewöhnlichen Wert man allerdings sogleich erkennt.

Doch was die Besucher sehen, sind nicht die Kostbarkeiten, die in Luxor geborgen wurden. Es sind Nachbildungen, Repliken. Nicht ein Stück in der Hamburger Schau ist echt. Die wahren Schätze lässt das Ägyptische Museum Kairo nur selten auf Reisen gehen. Zu gro ist die berechtigte Sorge, dass die Exponate Schaden nehmen könnten. Für den in Kairo lebenden Künstler Wulf Kohl war es dennoch ein Traum, die Faszination des Grabes mit seinen kostbaren Beigaben möglichst viele Menschen erleben zu lassen. Für diese Idee begeisterte Kohl auch Wissenschaftler wie den Hamburger Ägyptologen Martin von Falck und den Konzertveranstalter Dieter Semmelmann. Über Jahre reifte so die Idee einer Ausstellung mit den bestmöglichen Repliken von den Grabschätzen und den Sarkophagen. Ein Plan, der insgesamt gut acht Millionen Euro und vier Jahre Arbeit bis zur Realisierung brauchte.

Auf fast 4000 Quadratmetern in der ehemaligen Hamburger Oberpostdirektion am Stephansplatz präsentieren die Macher rund 1000 erstklassige Repliken aus dem Pharaonengrab. Wie auf diese Weise die Welt der Pharaonen, die Geschichte und Kultur des alten Ägyptens, erlebbar wird, ist schlichtweg faszinierend. Die aufwändige Inszenierung, die nie versucht, eine blendende Show, wohl aber ein berührendes Erlebnis zu sein, ist lehrreich und unterhaltsam. Alle Kritikern zum Trotz, die von Nachbildungen nichts und von den Originalen alles halten, beweist die klug in Szene gesetzte Geschichte von der Grab entdeckung bis zu den kleinsten Fundstücken, was moderne Darbietung archäologischer Schätze didaktisch vermag. Als die Schau 2008 ihre Weltpremiere in Zürich hatte, zeigte sich der in Oxford lehrende Ägyptologe Jaromir Malek vom "Skeptiker zum Befürworter bekehrt", denn "diese Ausstellung leistet mehr, als alle anderen Ausstellungen leisten können".

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