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Elmshorn : Giftige Pflanzen in der Innenstadt geplant

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Stadtmarketingverein will 36 Gefäße mit giftigen Kirschlorbeer aufstellen. Am Dienstag berät darüber die Politik im Hauptausschuss.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Elmshorn | Die Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) ist dekorativ, soll frostunempfindlich sein, behält auch im Winter das Laub, ist pflegeleicht, hat ein geringes Vandalismus-Risiko, besticht durch einen dichten Wuchs und ist deshalb scheinbar ideal für die Begrünung der Elmshorner Königstraße geeignet. Einen Nachteil haben die Pflanzen dennoch, sie sind giftig.

„Wir haben lange nach der passenden Pflanze gesucht und der Portugiesische Kirschlorbeer war die Einzige, die in Frage kam“, sagt Manuela Kase, Geschäftsführerin des Elmshorner Stadtmarketingvereins. Dass der Verzehr einzelner Pflanzenteile nicht ganz unproblematisch sein kann, ist beim Stadtmarketingverein bekannt. „Wir wissen, dass die Pflanze giftig ist, aber nur, wenn in großen Mengen davon gegessen wird“, sagt Manuela Kase. Sie sieht darin keinen Grund, eine andere Bepflanzung zu wählen. 36 Pflanzgefäße sollen entlang der Königstraße vor den Geschäften aufgestellt werden.

„Diese Pflanze ist nicht ganz unproblematisch“, sagt Prof. Hans-Dieter Warda, Vorsitzender des Arboretum-Förderkreises und Leiter der Anlage in Ellerhoop. „Zum einen sind Blätter und Samen mittelstark giftig. Zum anderen ist sie nicht ausreichend winterhart, wie gesagt wird. Gerade in einer Fußgängerzone werden besondere Anforderungen an Pflanzen gestellt. Aus diesen beiden Gründen würde ich die Portugiesische Lorbeerkirsche nicht pflanzen. Es gibt genügend andere Gehölze, die den Standortverhältnissen gerecht werden“, sagt der Pflanzen- und Baumexperte auf Anfrage dieser Zeitung.

Auch Hans-Helmut Dürnberg, Nabu-Schutzgebietsreferent in Elmshorn, hat Bedenken. „Diese Pflanzen sind keine glückliche Lösung und es sollte versucht werden, eine Alternative zu suchen. Es gibt auch heimische Pflanzen, die dekorativ, resistent und ungiftig sind“, sagt er. Dürnberg schlägt zum Beispiel den Feuerdorn vor, der sich seiner Meinung nach für diese Bepflanzung gut eignen würde und zudem ungiftig ist.

Wenn alles nach Plan geht, soll mit der Begrünung der Königstraße im Juni begonnen werden. Doch zuvor muss noch eine Hürde genommen werden, um den sogenannten PACT3 umsetzen zu können. Nach Beratungen im Hauptausschuss am Dienstag, 6. Mai, soll am Donnerstag, 8. Mai, zwischen der Stadt Elmshorn und dem Stadtmarketingverein in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag die Grundlage für die Umsetzung des Begrünungskonzeptes geschaffen werden.

Die Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) ist wie seine Verwandten aus der Kirschlorbeerfamilie giftig. Die Blätter und Samen der Pflanze enthalten Prunasin, ein cyanogenes Glykosid, das nach dem Zerkauen im Magen Blausäure  bildet. Das Fruchtfleisch der kleinen, dunklen Beeren soll weniger giftig sein. Insbesondere kleine Kinder aber auch Tiere können sich beim Verzehr  schon geringer Mengen der Pflanzenteile Vergiftungen zuziehen. Deshalb hat das Bundesumweltministerium bereits im Jahr 2000 Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) auf seine Liste giftiger Pflanzarten gesetzt. Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei der der Aufnahme von geringen Mengen an Pflanzenteilen mittelschwere (wie Kirschlorbeer oder Lorbeerkirsche) bis schwere Vergiftungen verursachen können. Im Jahr 2013 wurde Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) vom Botanischen Sondergarten Wandsbek zur Giftpflanze des Jahres ernannt. Ursprüngliche Heimat der Portugiesischen Lorbeerkirsche ist auf der Iberischen Halbinsel und auf den Azoren. (pe)
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