Stadttheater : Gezielt unter die Gürtellinie gefeuert

Comedians Lars Niedereichholz und Ande Werner zeigten als "Mundstuhl" gnadenlosen Schwachsinn in Perfektion.

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18. März 2013, 08:34 Uhr

Elmshorn | Lars Niedereichholz und Ande Werner entfachten am Sonnabend als freches Duo "Mundstuhl" ein Feuerwerk an Lachsalven. Frei von Tabus stänkerten sie über Zustände und Zumutungen, verballhornten das Gewohnte, bliesen Nichtigkeiten zu schrägen Anekdoten auf und riefen den Ausnahmezustand aus. Rund 400 Zuschauer im Elmshorner Stadttheater waren begeistert von der Mischung aus Geschmacklosigkeit, Perversitäten und der grenzwertigem Verbal-Würze der Comedy-Duos.

"Mundstuhl": Das sind der Hainstädter Ande Werner - der mit der Glatze. Und Lars Niedereichholz - der mit der Brille. Sie positionierten sich zum dritten Mal in Elmshorn als Unterhaltungsduo für eine breite Masse. Selten haben Comedians solch einen Zuspruch in Elmshorn. Und die beiden machten das am Sonnabend, zugegeben, auf professionelle Weise: Stetiger Kostümwechsel zeigte die beiden als prollige Türken "Alder" und "Dragan", die in der Illegalität einer Gesellschaft unterwegs sind, die ihnen legal keine Chancen einräumt. Da provozierten sie Kämpfe mit "Arschlöcher" oder sogar "die Scheißarschlöcher". Dem Publikum gefiel die Fäkalsprache. Die Witze lebten mehr von der Aussprache als von der Aussage - egal.

Als TV-Verkaufsduo "Bob und Bob" preisten sie in hanebüchenem US-Kauderwelsch einen Toaster als "healthy handmaker" - als Handbräuner an. Als Zauberteam "Siegfried und Roy" musste Ande im Rollator einige Dinge "einstecken". Auch mit strubbeligen Perücken versehen, als die beiden sächselnden Grazien Peggy und Sandy in einem Rostocker Wohnsilo gaben Lars und Ande Vollgas.

Die Bühnensketche wechselten mit Filmaufnahmen ab - da sah man das Duo "Mundstuhl" beim Sketch "Wichsen im Wald", bei dem sich die beiden mit dem Rücken zum Publikum stellen und so taten, als ob sie ihre Gelüste hinter jedem Baum selbst befriedigten. Die Heiterkeit im Saal indes hielt an, man freute sich am puren Unsinn.

Da gings es auch um die neu installierte Heizung mit automatischer Pinguin-Förderschnecke. Pinguine seien halt billig in der Anschaffung, hoch im Brennwert und ökologisch sinnvoll weil nachwachsend, klärte Lars den staunenden Ande auf.

Der bewusste Verzicht auf hintergründige Geschichten oder tiefgehenden Humor kam offensichtlich an. Nonsens pur war angesagt, obwohl das zeitweilig weiträumige Unterschreiten der Gürtellinie manchem Gast offensichtlich zu weit ging. Die meisten Zuschauer wussten allerdings, auf was sie sich da einließen - auf Mundstuhl eben und die kommen bekanntlich etwas deftiger daher.

Die beiden Unterhalter aus Hessen hatten es faustdick hinter den Ohren. Behinderte, Homosexuelle, Senioren, Ostdeutsche - es gibt so gut wie keine Bevölkerungsgruppe, die bei "Mundstuhl" ungeschoren davonkommt. Witzig, schlagfertig, hochsensibel für verbalen Schwachsinn ohne Sinn und Verstand - Unterhaltung pur. Sie mussten teilweise selber über sich lachen. Das Publikum liebte ihren nichtalltäglichen frivolen Einschlag. Die Hirnwindungen blieben arbeitslos, dagegen wurden die Lachmuskeln überstrapaziert. Applaus, Applaus, Applaus. Nach zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, war Schluss mit der "Scheiße". Schade.

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