zur Navigation springen

Prävention in Grundschulen : Gewalt kommt nicht in die Klasse

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Wendepunkt führt 32 Projekte an Grundschulen durch. Die Sparkasse und Stadt unterstützen.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2016 | 13:00 Uhr

Elmshorn | Es sind nur drei Stufen auf der „Freundschaftstreppe“, die Streitende aufeinander zugehen müssen, um sich wieder zu vertragen. Und doch ist es schwer, sich zusammenzureißen, dabei nicht nur seinen Standpunkt zu sehen, sondern auch die Argumente des anderen wahrzunehmen. Gemeinsam nach Lösungen suchen um sich dann schließlich wieder freundschaftlich die Hand zu geben ist Zweck der Zusammenarbeit von Wendepunkt und aller sechs Elmshorner Grundschulen (GS).

Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren werden gemeinsame Projekte in Schulklassen, Elternabende und Fortbildungen zu Themen der Gewaltprävention angeboten. Diese werden von der Stadt Elmshorn jährlich mit 15.000 Euro sowie von der Jugendstiftung der Sparkasse Elmshorn mit 5000 Euro unterstützt. „Und jeder Euro in dieses unverzichtbare Projekt ist hier gut investiert“, erklärt Stadtrat Dirk Moritz anlässlich einer Schulleiterdienstversammlung, bei der über die Ergebnisse der schulischen Gewaltprävention bilanziert wurde.

Dennis Blauert und seine Wendepunktmitarbeiter besuchen in Doppelteams ganze Jahrgänge zu einem Thema. In 2016 waren es 32 Projekte wie „Gemeinsam finden wir eine Lösung“ (Verfestigung von Regeln, Vermittlung von Lösungsstrategien), „Klick – Das Medienprojekt“ (Vor- und Nachteile digitaler Medien, Sicherheitsaspekte), „Mädchen- und Jungen-Projekt“ (Rollenzuschreibungen, Stereotypen aufbrechen) oder „Teamarbeit als Grundlage für eine starke Klasse“ (verstärkte Kontakte, gemeinsame Interessen und Wünsche).

Aber auch anlassbezogen bei akuten Gewaltproblemen wie Mobbing oder Aggressivität sind die Wendepunktmitarbeiter rasch vor Ort, um mit den Grundschülern Verhaltensweisen zu erarbeiten, die sie letztlich in die Lage bringen sollen, Konflikte friedlich untereinander zu klären.

„Was macht gute Laune kaputt?“ sei eine Frage, erklärt Blauert und schnell kommen die Kinder darauf, dass beispielsweise Lautstärke oder Aggressivität dazu beitragen. Die konsequente Umsetzung dieser Erkenntnisse setze Kinder in die Lage, ihre Anliegen untereinander zu klären. „Kinder sind sensibel für kippelige Situationen und ungute Stimmungen“, sagt Sabine Knier von der Grundschule Hainholz. Ihre Kollegin Sigrid Bockelmann, Timm-Kröger-Schule, ergänzt: Wenn Kinder Regeln für ihre Klassengemeinschaft aufstellen, sind sie auch viel rigoroser in der Einhaltung, da sie sich diese Regeln selbst erarbeitet haben.“

Die Freundschaftstreppe

Ein gutes und in allen Schulen genutztes Beispiel ist die Freundschaftstreppe. Hier stehen sich „Streithähne“ gegenüber, die sich nicht einigen konnten und ihr Anliegen vielleicht mit Anbrüllen oder Schlägen „diskutiert“ haben. „Ich erzähle aus meiner Sicht“ heißt die Aufgabe der ersten Stufe. Ist das geschehen, können die Streitenden das zweite Level erreichen: „Was hat das andere Kind gesagt?“ Auf der dritten Ebene wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, die dann idealerweise zum Vertragen auf der obersten Stufe führt. Das setzt gutes Zuhören, miteinander Reden und Respekt voraus.

Auch Rollenspiele eignen sich, um Streitpunkte zu erkennen, erklärt Dennis Blauert. Er arbeitet gern mit Antibeispielen, zeigt also falsches Verhalten, das die Kinder durchaus auch als ungeeignet erkennen können.

Die Arbeit mit DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) habe andere Herangehensweisen an den respektvollen Umgang untereinander erfordert, die man aber mittlerweile gut im Griff habe, wird berichtet. Das Einhalten von gewissen Regeln sei anfangs für diese Kinder fremd gewesen, weil sie ein Schulwesen – wenn überhaupt – in unserer Form gar nicht kennen würden. Mittlerweile seien aber viele von ihnen in Regelklassen übernommen und hätten sich dort gut integriert, berichtet Bärbel Blieske von der Astrid-Lindgren-Schule.

Die schulische Gewaltprävention des Wendepunktes erreicht mit ihren Projektmaßnahmen 1811 Grundschüler in Elmshorn. Bei einer Umfrage bewerteten Kinder das Projekt. Per Fragebogen gaben 94 Prozent an, dass das Projekt „super“ beziehungsweise „meistens gut“ war und 87 Prozent bestätigten, „viel beziehungsweise etwas gelernt“ zu haben.

Das sind Ergebnisse, mit denen alle Beteiligten sehr zufrieden sind. „Es ist gut, dass wir Kindern schon sehr früh beibringen, wie man Konflikte friedlich klären kann“, erklären Gaby Köhling von der GS Hafenstraße und ihre Kollegin Cornelia Fürst von der GS Kaltenweide. Und auch Dieter Ackmann, Gastgeber des Zusammentreffens in der Friedrich-Ebert-Schule, macht ein eindeutiges Daumen-hoch-Zeichen. So ist es erfreulich, dass für 2017 bereits wieder 17 Projekte für die erste Jahreshälfte mit den Schulen vereinbart sind.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen