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Ansgarstraße in Elmshorn : Geschäfts-Aufgabe wegen Baustelle

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Schuhhaus Bornholdt an der Ansgarstraße schließt nach 60 Jahren. Umsatz brach durch Straßensperrung um 40 Prozent ein.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 09:45 Uhr

Elmshorn | Eigentlich sollte in diesem Jahr beim Schuhhaus Bornholdt gefeiert werden. Und zwar das 60-jährige Bestehen. Doch zum Feiern ist dort niemand zu Mute. Und dafür gibt es auch keinen Anlass mehr. Denn das Geschäft wird geschlossen. Oder besser: muss geschlossen werden. Spätestens Ende März ist Schluss. Und damit endet eine lange Familientradition in Elmshorn. Der Grund für diese Entwicklung ist aus Sicht der Familie eindeutig: Die Großbaustelle Ansgarstraße.

Begonnen hat der Niedergang mit dem Beginn der Bauarbeiten im März des vergangenen Jahres. Danach, so berichtet Inhaber Rainer Bornholdt, blieben die Kunden weg. Schlagartig. „Die Leute wollen vor der Tür parken“, so Bornholdt. Und das war eben oft nicht möglich, obwohl das Schuhhaus meist trotz der Baustelle irgendwie erreichbar war. Doch die zum Großteil älteren Kunden hatten keine Lust oder Angst, sich über die aufgerissene Straße und zwischen Baggern zu den Bornholdts durchzuschlagen. „Viele Kunden haben sich während der Bauphase nicht zu uns getraut. Das war eine Katastrophe“, sagt Björn Bornholdt. Schließlich hätten auch Schilder der Stadt darauf hingewiesen, dass es besser sei, den Bereich weiträumig zu umfahren. „Eine derartige Maßnahme dieses Umfanges belastet sowohl die Anwohnerinnen und Anwohner als auch den Verkehrsfluss“, hatte die Stadt auf ihrer Internetseite mitgeteilt.

Das dürfte die Auswirkungen auf Bornholdt nur sehr unzureichend beschreiben. Um rund 40 Prozent ist der Umsatz eingebrochen, sagt der Inhaber. Als die Bauarbeiter Mitte Dezember ihre Winterpause begannen, sei das Weihnachtsgeschäft bereits vorbei gewesen. Schlimmer noch: Die Kunden kamen nicht zurück. Zum einen hätten sie sich während der Bauphase anders orientiert. Zum anderen gehen die Bauarbeiten ja nun weiter. „Das war alles nicht zu verkraften“, sagt Rainer Bornholdt. Deshalb fasste die Familie den schweren Entschluss, spätestens am 31. März das Geschäft zu schließen. Bis dahin läuft der Räumungsverkauf.

Damit endet in vier Wochen eine lange Tradition. Angefangen hatte alles vor 60 Jahren. Bruno Bornholdt, der Vater des jetzigen Inhabers, hatte in der Ansgarstraße eine kleine Werkstatt und verkaufte später Arbeitsstiefel und Arbeitsschuhe. Als das Geschäft immer besser lief, wurde das jetzige Schuhhaus gebaut und im Laufe der Jahre mehrmals vergrößert.

Rainer Bornholdt übernahm vor rund 15 Jahren die Geschäfte. Der gebürtige Elmshorner ist Schuhmachermeister und Einzelhandelskaufmann. Nun muss er sich nach einem neuen Job umsehen. „Es ist schwer etwas zu finden“, sagt der 58-Jährige. Und auch sein Sohn Björn schreibt Bewerbungen. Eigentlich wollte der Einzelhandelskaufmann später einmal das Geschäft seiner Eltern übernehmen und damit die Familientradition fortsetzen. Daraus wird nun nichts.

So richtig kann sich Rainer Bornholdt die Zukunft ohne sein Geschäft noch nicht vorstellen. „Es ging doch bei uns immer nur um Schuhe“, sagt er traurig.

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