Schleswig-Holstein Musik Festival : Gelungenes musikalisches Schauspiel in Elmshorn

Die Musiker des Schleswig-Holstein Festivalorchesters spielen Werke von Mozart und Tschaikowsky.
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Die Musiker des Schleswig-Holstein Festivalorchesters spielen Werke von Mozart und Tschaikowsky.

Christian Zacharias und Schleswig Holstein Festival Orchester spielten in der Elmshorner Reithalle.

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27. Juli 2015, 14:00 Uhr

Elmshorn | Christian Zacharias, Dirigent und Pianist, steht vor dem Klavier. Dahinter das große Schleswig-Holstein Festival Orchester, besetzt mit jungen Musikern aus den unterschiedlichsten Nationen. Noch ist alles normal. Zacharias hebt die Hände und gibt seinen Musikern das Zeichen zum Einsatz. Dann kommt das Außergewöhnliche: Der Dirigent setzt sich an das Klavier und spielt. Es ertönt die zarte Melodie des A-Dur-Konzerts von W.A. Mozart.

Aber sein Orchester lässt er nicht allein: Während das zarte Thema aus seinen Fingern perlt, nimmt er die linke Hand von den Tasten, gibt damit den Streichern ihren erneuten Einsatz, hört auf zu spielen, bringt mit beiden Händen das Orchester zum Aufbrausen. Er wirft Blicke, Kopfbewegungen, ein Zucken mit der Schulter, der permanente Augenkontakt und in alldem spielt er die Klavierstimme in Perfektion. Dieses musikalische Schauspiel konnten die Konzertbesucher am Samstagabend in der Elmshorner Reithalle beim Schleswig-Holstein Musik Festival erleben.

Auf dem Programm standen Werke von Prokofieff, Mozart, Tschaikowsky und Rossini. Ihre Werke brachten allesamt den Besuchern den Geist der Wiener Klassik näher. Und dabei ging es dem Publikum wahrscheinlich ähnlich wie bereits E.T.A. Hoffmann, Komponist, Musikkritiker und romantischer Literat, der bereits 1809 in seiner Rezension schrieb: ,,Daß die Instrumentalmusik jetzt zu einer Höhe gestiegen ist, von der man vor nicht langer Zeit noch keinen Begriff hatte; daß ferner die Sinfonie insonderheit durch den Schwung, den Haydn und Mozart ihr gaben, das Höchste in der Instrumentalmusik – gleichsam die Oper der Instrumente geworden ist. […] das Einzelne nur im Ganzen wirken zu lassen: das war die schwierige Aufgabe […]‘‘.

Annette Sprenger (r.) aus Hamburg hatte sich vom Konzert überraschen lassen: Die Karte für Elmshorn besaß sie schon länger, aber sie hatte gar nicht aufs Programm geguckt. Der Ausflug ins Unbekannte habe sich für sie „absolut gelohnt“, sie schwärmte vom „schönen Konzert“. Ein extra Lob hatte Sprenger für den Spielort, die alte Reithalle des Holsteiner Verbands: „Ein wunderschönes Ambiente“. Auch akustisch überzeugte die große Halle die Hamburgerin: „Das ist ein interessanter Klang.“
Annette Sprenger (r.) aus Hamburg hatte sich vom Konzert überraschen lassen: Die Karte für Elmshorn besaß sie schon länger, aber sie hatte gar nicht aufs Programm geguckt. Der Ausflug ins Unbekannte habe sich für sie „absolut gelohnt“, sie schwärmte vom „schönen Konzert“. Ein extra Lob hatte Sprenger für den Spielort, die alte Reithalle des Holsteiner Verbands: „Ein wunderschönes Ambiente“. Auch akustisch überzeugte die große Halle die Hamburgerin: „Das ist ein interessanter Klang.“
 

Doch was genau gibt dieser Musik ihren Reiz, ihre Höhe? Die Vollkommenheit in der Instrumentation? Ist es die Harmonik, die eine Symbiose zwischen Simplizität und Komplexität bildet? Ist es das Spiel mit der Motivik? Es ist das Zusammenspiel der einzelnen Stimmen, die sich teilen und wieder finden, das Thema exponieren, berühren, fortspinnen.

Und dort, wo der kompositorische Dialog stattfindet, wird er von dem jungen Orchester zusammen mit Zacharias wieder abgeholt und auf das Musizieren übertragen. Da spiegelt sich die thematische Arbeit in den Blicken und Gesten zwischen Musikern und Dirigent wieder. Das ist das Schauspiel!

Regina und Joachim Schiemann aus Boostedt bei Neumünster hatten Christian Zacharias und das Festivalorchester bereits bei den Proben beobachtet. „Wir spüren die Verbesserungen“, lobte Joachim Shiemann: „Das ist schon beeindruckend, was in dieser Zeit passiert ist.“ Regina Schiemann war schlicht „begeistert, vor allem von dem Klavierkonzert“. Ihr Mann lobte die Elmshorner Reithalle als Spielort: „Die Akustik ist sehr gut. Auch wenn man, wie wir, sehr weit hinten sitzt, bekommt man noch Feinheiten mit.
Regina und Joachim Schiemann aus Boostedt bei Neumünster hatten Christian Zacharias und das Festivalorchester bereits bei den Proben beobachtet. „Wir spüren die Verbesserungen“, lobte Joachim Shiemann: „Das ist schon beeindruckend, was in dieser Zeit passiert ist.“ Regina Schiemann war schlicht „begeistert, vor allem von dem Klavierkonzert“. Ihr Mann lobte die Elmshorner Reithalle als Spielort: „Die Akustik ist sehr gut. Auch wenn man, wie wir, sehr weit hinten sitzt, bekommt man noch Feinheiten mit.
 

Eben diese kompositorische Ästhetik im Wechselgang zwischen Harmonik und Motivik hat auch Prokofieff für sich erkannt und ihre Elemente in seiner D-Dur-Sinfonie wieder aufgegriffen. Es ist die altbekannte Sonatenhauptsatzform, der Begriff der Wiener Klassik, den der Komponist hier verarbeitet. Verfeinert mit Tendenzen der Moderne, mit Rückungen und Modulationen die bei Mozart noch nicht etabliert waren. Auf diese Art und Weise eröffneten die Musiker das Konzert: ein moderner Rückblick auf die Wiener Klassik, sozusagen neoklassizistisch. Mit der ,,Mozartina‘‘ von Tschaikowsky, zeitlebens großer Fan von Mozart, steigert sich das Orchester zu seinem Höhepunkt.

Susanne Franke  aus Hamburg äußerte sich in der Pause etwas zurückhaltend: „Ganz nett“ habe ihr der erste Teil gefallen, sagt sie. „Ich mag Mozart an sich nicht so“, räumte sie ein. Die Musiker dagegen lobte sie: „Es ist ein sehr junges Orchester, das sehr engagiert spielt.“ Dass ein Pianist beim Spielen ein Orchester dirigiert, habe sie noch nie gesehen, stellte sie verwundert fest. Nach der Pause stand Tschaikowsky auf dem Programm – der liege ihr mehr: „Ich freue mich auf den zweiten Teil“, sagte sie.
Susanne Franke aus Hamburg äußerte sich in der Pause etwas zurückhaltend: „Ganz nett“ habe ihr der erste Teil gefallen, sagt sie. „Ich mag Mozart an sich nicht so“, räumte sie ein. Die Musiker dagegen lobte sie: „Es ist ein sehr junges Orchester, das sehr engagiert spielt.“ Dass ein Pianist beim Spielen ein Orchester dirigiert, habe sie noch nie gesehen, stellte sie verwundert fest. Nach der Pause stand Tschaikowsky auf dem Programm – der liege ihr mehr: „Ich freue mich auf den zweiten Teil“, sagte sie.
 

Es ist die Leichtigkeit der Klassik und das Sehnsuchtsvolle der Romantik, das sich in diesem Werk vereint. Und ja, auf der Bühne weiß man dies umzusetzen. Eine Instrumentalmusik, die tatsächlich eine Oper der Instrumente geworden ist. Da ist das Fagott, das dem Kontrabass verschmitzte Blicke zuwirft, während beide die Musik mit den tiefen Basstönen untermalen, auf der anderen Seite die Violinen, die ganz zart ihren Bogen über die Seiten streichen lassen.

Und allem voran steht ein großartiger Dirigent, der es schafft, diese Tendenzen zu vereinen. Und er erfasst und vereint das schon von Hoffmann angestrebte symphonische Gebilde in seiner Gesamtheit. Leichtigkeit, Heiterkeit, das Zarte, vereint mit der Dramatik und der Sehnsucht sind die Stichworte dieses Konzerts. Eigentlich genau wie E.T.A Hoffmann: die Schnittstelle zwischen Klassik und Romantik. Und wenn man den Klängen des Orchesters und des Pianisten lauscht, wird man an die Worte Friedrich Schillers in seinem Gedicht Laura am Klavier erinnert: ,,Seelenvolle Harmonien wimmeln. Ein wolllüstig Ungestüm, aus den Saiten, wie aus ihren Himmeln, neugebohrne Serafim.‘‘

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