Fünf neue Stolpersteine

Das letzte Foto des Benno Bengalo Winterstein (Kreis). Es zeigt ihn mit seinen Klassenkameraden, mit denen er im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Helbigsdorf in Sachsen geschickt wurde.  Foto: en
Das letzte Foto des Benno Bengalo Winterstein (Kreis). Es zeigt ihn mit seinen Klassenkameraden, mit denen er im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Helbigsdorf in Sachsen geschickt wurde. Foto: en

Avatar_shz von
13. April 2010, 07:36 Uhr

Elmshorn | Es ist das größte, dezentrale Denkmal der Welt: Die Aktion Stolpersteine. Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 17000 Steine verlegt. Mit ihnen soll den Opfern des Nationalsozialismusses gedacht werden. In Elmshorn ist es die dritte Verlegung. Am Dienstag, 20. April, werden fünf neue Steine unter Regie des Künstlers Gunter Demnig verlegt.

In diesem Jahr werden die Gedenksteine für fünf Elmshorner im Gerlingweg, in der Klaus-Groth Promenade, an der Kaltenweide und in der Königstraße verlegt. Die Elmshorner Nachrichten veröffentlichen in loser Reihenfolge die Biographien.

In der Königstraße 51, der Verlängerung des Streckers Gang, wird ein Stolperstein an Benno Bengalo Winterstein erinnern. Im Alter von Elf Jahren wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Sohn eines Sinti wurde am 14. September 1932 in Elmshorn geboren. Gemeinsam mit seinen Eltern Gerson und Marie sowie seiner etwa anderthalb Jahre älteren Schwester Esther Marga wohnte er in der Königstraße 51. Das Grundstück ist heute unbebaut. Außer der Familie Winterstein wohnten an der Anschrift, das jedenfalls gibt das Adressbuch von 1934 preis, 23 Mietparteien, darunter auch die Familie Strecker selbst.

Benno Bengalos Eltern hatten 1930 in Elmshorn geheiratet. Während die Mutter Marie in den polizeilichen Akten als "deutschblütig" geführt wird, galt der Vater Gerson als Sinti. Bereits 1934 wurde er in ein Konzentrationslager verschleppt - nicht wegen seiner Abstammung, sondern wegen "kommunistischer Umtriebe". "Winterstein ist als Volksschädling übelster Art zu bezeichnen, für den es angebracht wäre, aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen und in Dauerverwahrung genommen zu werden" - so endete das Schreiben der Polizei damals.

Benno Bengalo und seine Schwester Esther Marga lebten mindestens seit 1943 im städtischen Kinderheim am Sandberg. Ein altes Klassenfoto belegt noch, dass Benno Bengalo gemeinsam mit 40 anderen Elmshorner Jungen zur Kinderlandverschickung in Helbigsdorf in Sachsen war - keine Selbstverständlichkeit, schließlich war er nach den Vorstellungen der Nazis als "Zigeunermischling" noch weniger wert als ein "reinblütiger Zigeuner".

Am 21. April 1944 wurde der damals elfjährige Junge gemeinsam mit seiner 13-jährigen Schwester in das KZ Auschwitz deportiert. Mit ihnen wurden 24 Sinti, hauptsächlich Kinder und Jugendliche, aus Hamburg eingeliefert. Benno Bengalos Spur verliert sich in Auschwitz. Heute ist nur noch seine Häftlingsnummer, die ihm auf den Unterarm tätowiert wurde, bekannt: Z 9798.

Seine Schwester Esther Marga wurde von den Nazis von Auschwitz in die Konzentrationslager Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen verlegt. Sie überlebte den Holocaust und wurde im Sommer 1945 vom Roten Kreuz nach Schweden evakuiert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen