Fühlen wie die Swing Kids

Die Comboband der Bismarkschule unter Leitung von André Brendemühl probt den musikalischen Teil des Beitrags zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus.
Die Comboband der Bismarkschule unter Leitung von André Brendemühl probt den musikalischen Teil des Beitrags zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus.

Bismarck-Schüler proben für das Programm zum Gedenktag der Opfer des Faschismus

shz.de von
22. Januar 2019, 18:03 Uhr

„Aus dieser Veranstaltung geht keiner so heraus, wie er hineingekommen ist“, sagte Bürgermeister Volker Hatje jüngst beim Pressegespräch zur Ankündigung des Programmes zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. „Auch die Jugendlichen nicht, die das Event gestalten.“ Das war Grund genug für ein Blick hinter die Kulissen der Proben.

Da ist beispielsweise das Theaterstück der Bismarckschule: „Sing, sing, sing ...“ Benny Goodmans Swing geht in die Beine: heutzutage,, wenn ihn die Comboband der Bismarckschule probt und in den 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als der lebensfrohe Swing im deutschtönenden Gleichschritt ein Missklang und Zeichen war, sich der Einschüchterung durch die Nazis zu widersetzen.

Die Schüler des Bismarck-Gymnasiums haben sich mit ihrem Stück am Film „Swing-Kids“ orientiert und bringen am Donnerstag eine Geschichte um zwei ungleiche Brüder auf die Bühne. Der eine: glühender Anhänger des Regimes, der andere ein Verweigerer, der in der Swing-Jugend, im amerikanisch-englischen Lebensstil, vor allem in der Swing-Musik und dem Swing-Tanz, eine Möglichkeit sieht, sich gegen die Hitlerjugend abzugrenzen. Eine Geschichte aus der Feder von Eric Noske, in vier Szenen. Mit dramatischem Ende. Dass Theatergruppe und Comboband das Stück gestalten, liegt bei dem künstlerischen Potenzial der Schule nahe, war aber vor allem die Idee der Schüler.

„Eine bewegende Geschichte mit einem krassen Ausgang“, beschreibt Lars Oberjaht das Stück. Er spielt darin einen Gestapo-Mann, der eine Swing-Veranstaltung stürmt. Für ihn, Simon Dallmann und Sheroan Zibari, die alle drei im Stück als Schauspieler mitwirken, aber auch Teil der Comboband sind, war interessant nachzufühlen, wie die Swing-Jugend fühlte und sich zu fragen: „Wie hätten wir damals reagiert. Und wie positionieren wir uns heute gegen rechtsradikale Tendenzen? “

Keine Frage, die Gymnasiasten beziehen Stellung, das hatte Trompeter Luis Jacobs auf einem der jüngsten Konzerte gezeigt. „Sehr eindrucksvoll“, bestätigt Musiklehrer André Brendemühl, der den musikalischen Teil des Programms mit den Schülern probt. „Ich widme meine Musik einer weltoffenen Gesellschaft“, hatte Luis gesagt.

Eine weltoffene Gesellschaft braucht das Wissen um die Vergangenheit, ist sich Bjarne Thormählen sicher. Dazu muss man denjenigen zuhören, die sie noch erzählen können. Er hat das Glück, dass dein Großvater offen über die Nazizeit gesprochen hat. Für ihn – „aber so sind wir Schüler hier alle“ – ist es völlig normal, sich von Gewalt und Fremdenhass abzugrenzen.

Die Abendveranstaltung „Gegen das Vergessen“ findet am Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr im Saalbau der Freien Waldorfschule, Adenauerdamm 2 statt.

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