Blick in die Geschichte : Früher war mehr Draußen ...

<p>Die frühere Badeanstalt an der Oberau.</p>
1 von 2

Die frühere Badeanstalt an der Oberau.

Kein Computer, kein Smartphone: Die EN-Serie „Freizeit handgemacht“ zeigt Bilder aus Zeiten, als Muße noch ohne Bildschirm stattfand.

shz.de von
14. Juli 2018, 10:43 Uhr

Elmshorn | In ferne Länder verreisen, in Vereinen aktiv sein oder zwei Tage pro Woche frei zu haben – für viele ist das heute selbstverständlich. Dabei ist der Begriff „Freizeit“ gerade einmal 200 Jahre alt, Sportvereine wurden Anfang des 20. Jahrhunderts richtig beliebt und die Fünftagewoche wurde erst in den 1960er Jahren eingeführt (in der Landwirtschaft 1983). Später entstanden dann immer mehr Vereine, die Menschen unternahmen Ausflüge in die Natur, trafen sich in Gaststätten oder feierten Feste.

Wie Freizeit in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Elmshorn aussah, darum soll es in einer neuen Fotoserie der EN gehen. Wir zeigen historische Bilder, hauptsächlich aus den Beständen des Stadtarchivs. Oft sind Fotograf, Entstehungsjahr und -ort unbekannt. Dann sind Sie, liebe Leser aufgerufen: Erkennen Sie etwas Bekanntes auf dem Foto, waren Sie vielleicht sogar selbst bei dem Ereignis dabei oder können Sie uns dazu eine Geschichte erzählen? Wir freuen uns über Ihre Anrufe und Zusendungen.

Heute zeigen wir gleich drei Bilder aus dem historischen Elmshorn, alle zum Thema Schwimmen. Das Freibad Elmshorn entstand 1954, 15 Jahre später wurde das Hallenbad eröffnet. Bis dahin war die sogenannte Oberau bei den Elmshornern zum Rudern und Baden sehr beliebt. Durch das Stauwehr der Pieningschen Mühle unterlag der Oberlauf der Krückau nicht mehr dem Tiedenhub und war deshalb für solche Freizeitbeschäftigungen gut geeignet. In einem Stadtführer aus den 1930er Jahren heißt es:

„Elmshorn hat nicht nur das Gepräge einer Industriestadt, sondern ist von der Natur auch mit schönen Reizen bedacht. Nur einige Minuten vom Bahnhof entfernt finden wir die schöne Oberau-Landschaft. In unendlich  vielen Windungen zieht sich dieser kleine Fluss bis weit über die Nachbarstadt Barmstedt hinauf. An diesem ziehen Boote über Boote vorüber; Musik, Gesang und frohes  Lachen hallen über die sommerliche Flur. Wer einmal den Zauber der Oberau empfunden hat, den lässt sie nicht mehr los.“

Die Badeanstalt an der Oberau vor dem Stauwehr der Pieningschen Mühle war bis in die 1950er Jahre hinein sehr beliebt.  Der Zugang befand sich am heutigen Uferkamp und war über die Kaltenweide erreichbar. Die Badeanstalt befand sich also direkt gegenüber vom heutigen Badepark-Gelände. Eine Postkarte aus dem Jahr 1905 zeigt Fotos des Restaurants und Flussbads Wilhelmsbad. In der Badeanstalt selbst gab es 40 Umkleidekabinen, einen Sandstrand und einen Sprungturm.  Ab 1952 entstand dann auf der gegenüberliegenden Seite der Au der Badepark, der damals noch Badeanstalt hieß.   „In den Quellen heißt es, die Elmshorner seien sehr stolz auf ihr neues Freibad gewesen“, erzählt Katharina Steinebach vom Industriemuseum Elmshorn. „Endlich mussten sie   für ein solches Vergnügen nicht mehr nach Barmstedt oder an die Ostsee fahren.“

Schnell wurde die neue Badeanstalt auch zur Gründung eines Schwimmvereins genutzt. Der EMTV war bis etwa 1963  der im Schwimmsport tonangebende Verein. Nach der Gründung des Elmshorner Schwimm Clubs wechselte fast die gesamte Elmshorner Schwimmelite in diesen Verein. Doch bis 1969 das Hallenbad eröffnet wurde, hatten die Schwimmsportler in Elmshorn schwere Bedingungen, die konnten nur im Bereich der Vereine ohne Winterbad starten. Erst danach verbesserten sich die Trainingsmöglichkeiten und die Mitgliederzahlen nahmen zu. Heute sind das Schwimmzentrum Elmshorn und das Swim-Team Stadtwerke Elmshorn Leitungssportzentren. Die Elmshorner Schwimmhallen wurden in den 1980er Jahren grundlegend saniert und von „Badeanstalten“ zum „Badepark“ mit Spaßbecken und Riesenrutschen im Hallenbad und Freibad. Auch ein Whirlpool und ein Saunagarten wurden Ende der 80er Jahre angebaut. 1987 wurde die erste Traglufthalle für das 50-Meter-Sportbecken aufgebaut. Mit diesen Neuerungen traf man damals genau den Geist der Zeit. Derzeit wird das Hallenbad komplett saniert – die Nachfrage nach einer wetterunabhängigen  Schwimmen ist ungebrochen groß.

Wollen Sie etwas zu diesem Thema beitragen,

wenden Sie sich an die Redaktion unter

redaktion.elmshorn@a-beig.de oder (04121) 2311804.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen