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Elmshorner Nachrichten

13. Dezember 2017 | 07:17 Uhr

Frühchen Jette kommt zur Schule

vom

Elmshornerin kam am 13. Juli 2006 mit einem Geburtsgewicht von 450 Gramm zur Welt / Sie überlebte und ist kerngesund

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in der Region Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere "Menschen am Montag".

Fest umklammert hält Jette Gröber ihre Schultüte und präsentiert stolz den neuen Schulranzen. Ein besonders leichtes Modell sollte es sein, darauf bestand Mutter Christine Gröber. Die Siebenjährige war in der vergangenen Woche eines von 2366 Kindern im Kreis Pinneberg, die eingeschult wurden. Und doch ist es fast ein Wunder, dass die Kleine überhaupt lebt.

Jette kam als extreme Frühgeburt am 13. Juli 2006 mit einem Geburtsgewicht von nur 450 Gramm und einer Größe von 30 Zentimetern in der 25. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Der errechnete Geburtstermin war der 24. Oktober. Einen Tag nach der Geburt wurde das Mädchen auf die Intensivstation nach Itzehoe verlegt.

Für die Eltern Christine und Bastian Gröber begann eine Zeit des Hoffens und Bangens. Würde ihre kleine Tochter den Kampf gewinnen und zu einem gesunden kleinen Baby heranwachsen? Täglich pendelten die Eltern zwischen Elmshorn und Itzehoe hin und her, um ihrer Tochter nah zu sein und bei der Versorgung des Frühgeborenen zu assistieren.

Knapp vier Monate wurde die Kleine auf der Frühgeborenen-Intensivstation aufgepäppelt und am 6. November 2006 völlig gesund nach Hause entlassen. Damals wog Jette 2450 Gramm und war 45 Zentimeter groß.

Extrem-Frühchen: Nur30 Prozent überleben


Jette ist eines von rund 400 Kindern, die jährlich in Deutschland mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm zur Welt kommen. Und selbst bei bester Betreuung sterben mehr als 70 Prozent dieser extremen Frühgeborenen. Von den 30 Prozent, die überleben, haben die Hälfte dauerhafte Behinderungen.

Jette hat Glück. Sie ist kerngesund. Wie jedes andere Kind auch besuchte sie einen Kindergarten. "Insgesamt vier Jahre war sie im Lebenshilfekindergarten an der Käthe-Mensing-Straße, davon drei Jahre in einer heilpädagogischen Kleingruppe und ein Jahr in der Integrationsgruppe", erzählt Christine Gröber. Zusammen mit einem Ergotherapeuten und einer Logopädin wird an ihrer minimalen Entwicklungsverzögerung gearbeitet.

Im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern ist die Siebenjährige noch etwas zart. "Sie ist zwar zierlich, aber hat eine unglaubliche Kraft in den Armen. Den ganzen Tag über ist Jette in Bewegung, still zu sitzen ist für sie sehr schwierig", erzählt Bastian Gröber. Damit Jette ihren Bewegungsdrang auch ausleben kann, geht sie zusätzlich zum Schwimmen - das Seepferdchen hat sie bereits geschafft - zum Kinderturnen und zu den Budo-Fit-Kids im Judo-Klub Elmshorn.

"Es wurde Zeit, dass Jette endlich in die Schule kommt. Sie möchte unbedingt Lesen lernen", sagt Christine Gröber. In der Schule wird sie in den kommenden sechs Monaten von Neele Wöbcke begleitet. Die Mitarbeiterin der Lebenshilfe wird sich 15 Stunden in der Woche ausschließlich um Jette kümmern und sie während des Unterrichts begleiten.

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