Freche Möwe

shz.de von
04. Juli 2018, 15:32 Uhr

Die faltbare Einkaufstasche und die Fahrradtasche liegen trocken zuhause. Und so balanciere ich mit der neu gekauften Papiereinkaufstüte voller Einkäufe am Drahtesel-Lenker vorsichtig durch die Stadt. Nach einigen hundert Metern bohrt sich die Milchtüte durch die dünne Papierwand. Der Riss wird bedrohlich groß – und dann reißt die Tüte, natürlich treu nach Murphys Gesetz während der Überquerung einer mittelgroßen Straße. Hastig versuche ich alles einzusammeln, bevor die ersten Autoreifen unbarmherzig über meine Lebensmittel rollen. Und dann erscheint er, mein Rettungsengel in Gestalt eines jungen Busfahrers auf dem Heimweg. Schnell sammelt er die Packung Bananen und die Joghurtbecher von der Straße, klaubt in letzter Minute die Milchtüte hinter dem Fahrradreifen auf. „Gut dass erstmal alles von der Straße weg ist“, sagt er lächelnd und geht von dannen.

Ich bin dankbar, stehe aber vor dem nächsten Problem: Wie soll ich jetzt die Einkäufe nach Hause bringen? In dem Moment kehrt der junge Mann zurück – mit einer großen Plastiktüte in den Händen. Manchmal sind es die kleinen Gesten, die einem den ganzen Tag versüßen können.

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