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Elmshorner Nachrichten

23. Oktober 2017 | 01:47 Uhr

Elmshorn : Frauenempfang mit Rita Süssmuth

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Auf dem Elmshorner Frauenempfang spricht sich Rita Süssmuth für bezahlbare Verhütung aus. Kritik an Vorurteilen gegen Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Elmshorn | „Die Pille – die sexuelle Revolution?“ stand auf der Einladung zum 30. Frauenempfang im Elmshorner Rathaus; als Rednerin war Rita Süssmuth (CDU) angekündigt – Ex-Familienministerin, langjährige Bundestagspräsidentin und in ihrer politischen Laufbahn mit den Themen Gleichberechtigung und Zuwanderung befasst. Sie riss gestern mehrere hundert Besucherinnen mit ihrer Rede zu stehenden Ovationen hin; aber zur Pille sagte sie kaum etwas.

Süssmuth sprach über Konsequenzen aus der Kölner Silvesternacht, die Geschichte der Frauenbewegung und animierte Frauen zum selbstbewussten Handeln: „,Das kommt nicht in Frage’ ist die beste Ausgangsposition für: ,Na, das wollen wir doch mal sehen’.“ Ihre Erkenntnis: „Wer etwas verändern will, muss radikal denken.“ Die eloquente Rednerin überraschte sicher viele, die in ihr nicht mehr gesehen hatten als eine ehemalige Kohl-Ministerin. 1986 wurde Süssmuth erste deutsche Frauenministerin, sie leitete diverse Gremien, erzählte im Rathaus von ihren Erfahrungen bei intenrationalen Verhandlungen und gerierte sich als überzeugte Feministin: „Besprecht euch häufiger: Mit welcher Strategie macht ihr das?“, riet sie den Elmshorner Frauen. Bei: „Uns geht es um die Sache“ werde oft die Strategie vernachlässigt.

Zur Bedeutung hormoneller Empfängnisverhütung gab Süssmuth zu bedenken: „Die Pille hat nicht zu Klarheit verholfen: Wann geht das Kinderkriegen denn überhaupt?“ Einkommen und Beziehung setzten bei dieser Frage viele Frauen unter Druck. Trotzdem plädierte Süssmuth dafür, auch Hartz-IV-Empfängerinnen und Asylbewerberinnen den Weg zur Pille zu ebnen: Sie solle für alle verfügbar sein, „nicht nur für diejenigen, die sie bezahlen können“.

Zu den sexuellen Massenübergriffen auf Frauen in der Silvesternacht sagte Süssmuth: „Wir vergessen über Köln, welches Elend die Menschen zur Flucht treibt.“ Für diesen Satz zu Anfang ihrer Rede bekam sie den ersten Applaus. Sie wandte sich gegen Pauschalurteile über Flüchtlinge oder Gruppen bestimmter Nationalität: „Die Mehrheit der Flüchtlinge will lernen und arbeiten, um voranzukommen“, stellte sie klar.

Wer am Sonntag etwas über die Pille hören wollte, bekam Futter von den übrigen Rednern: Moderatorin Beate Raudies, SPD-Landtagsabgeordnete, erinnerte daran, dass Frauen schon seit den 20ern die Idee hormoneller Verhütung verfolgten. In der DDR gab es sie seit 1972 kostenlos, trotzdem knickte die Geburtenrate nicht ein: „Hat das vielleicht etwas mit der Betreuungssituation zu tun?“, stichelte Raudies. Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) sinnierte, ob die Pille größere Auswirkungen als die Erfindung des Telefons habe. Und Detlef Witthinrich, Vorsitzender des Elmshorner Gleichberechtigungsausschusses, erinnerte daran, dass Kondome seit 1870 industriell hergestellt werden, aber seit der Pille in den 60ern die Verantwortung für Empfängnisverhütung wieder bei den Frauen liege.

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