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IHK-Umfrage : Firmen klagen über Schneckentempo

vom

IHK-Umfrage zeigt: 80 Prozent der Unternehmen sind mit Internet-Geschwindigkeit unzufrieden. Gewerbegebiete schlecht versorgt.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 08:59 Uhr

Elmshorn | Der Ausbau des Breitbandnetzes in Elmshorn muss Fahrt aufnehmen. Das fordern Dr. Paul Raab und Dr. Martin Kruse von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Grundlage für ihre Aufforderung zum Handeln ist eine landesweite Umfrage der IHK in Schleswig-Holstein unter ihren Mitgliedsunternehmen. Das Ergebnis für die Stadt Elmshorn präsentierten nun Raab und Kruse.

"Die Ergebnisse offenbaren einen erheblichen Ausbaubedarf in Sachen Breitband", betont Elmshorns IHK-Zweigstellenleiter Paul Raab im Gespräch mit unserer Zeitung. 80 Prozent sind laut der Umfrage mit ihrer derzeitigen Geschwindigkeit der Internetverbindung unzufrieden. Vor allem die Industriegebiete am Stadtrand sind von einer schlechten Anbindung betroffen. "Am Ramskamp und im Industriegebiet Nord zeigt sich, dass Übertragungsraten von lediglich bis zu sechs MBit/s die Regel statt die Ausnahme sind", betont Raab. Selbst im Stadtzentrum sind laut der Umfrage nicht selten Bandbreiten von nur bis zu 16 MBit/s verfügbar.

"Das ist ein großes Problem. Den meisten Unternehmern reicht diese Leistung nicht", sagt Kruse, der bei der IHK zu Kiel die Geschäftsbereiche Standortpolitik, Innovation und Umwelt leitet. Ein großer Teil (42 Prozent) der Unternehmen benötige 50 oder mehr MBit/s. Eine schnelle Internetverbindung sei längst nicht nur für Firmen in der IT-Branche erforderlich. Selbst Autowerkstätten benötigten gute Anbindungen. "Die Daten und Systemfehler werden längst elektronisch erfasst und gespeichert. Mit einer langsamen Verbindung muss der Techniker länger auf die Analyse des Problems warten", erläutert Kruse.

Landesweit ergab die Umfrage der IHK, dass 77 Prozent der befragen Unternehmen mit ihrer derzeitigen Bandbreite nicht zufrieden sind. Jedes vierte Unternehmen benötigt aktuell eine Bandbreite zwischen 32 und 50 MBit/s; nahezu jedes fünfte Unternehmen gab an, bereits heute auf Bandbreiten von mehr als 100 MBit/s angewiesen zu sein. Demgegenüber verfügen im kabelgebundenen Bereich lediglich 15 Prozent aller Unternehmen über eine Bandbreite von 25 MBit/s und mehr. Über einen Glasfaseranschluss, der Bandbreiten von 100 MBit/s und mehr ermöglicht und im Gegensatz zum klassischen Kupferkabel verlustfrei ist und keine Störungen aufweist, verfügen lediglich 6,5 Prozent der Unternehmen. Einzig in den Branchen IT-Dienstleistungen und des Verarbeitenden Gewerbes weist zumindest jedes zehnte Unternehmen einen Glasfaseranschluss auf. Ein besonderes Augenmerk richtete die IHK auf die Breitbandversorgung ihrer Mitgliedsunternehmen in Gewerbegebieten. Nur ungefähr jedes 20. Unternehmen genießt eine Bandbreite von 100 MBit/s und mehr. Die durchschnittliche Bandbreite der befragten in Gewerbegebieten ansässigen Unternehmen beträgt 15,4 MBit/s.

"Leistungsfähige Breitbandverbindungen sind nicht die Autobahnen der Zukunft, sondern die Autobahnen der Gegenwart. Es ist für die Unternehmen wenig hilfreich, wenn sie immer noch mit Kies oder Kopfsteinpflaster statt Asphalt befestigt sind", so Kruse. Andererseits müsse sich jedoch jedes Unternehmen darüber im Klaren sein, dass es Leistung jenseits der Grundversorgung nicht zum Nulltarif gebe. "Hohe Bandbreiten haben ihren Preis. Die Erhebung hat in der Frage nach der Zahlungsbereitschaft gezeigt, dass nicht wenige Unternehmen annehmen, sie könnten sozusagen einen Maserati zum Preis eines Fiat Panda erwerben." Um Enttäuschungen vorzubeugen, riet Kruse den Unternehmen zu mehr Realismus.

Für Elmshorn kommt es nach Meinung der IHK jetzt darauf an, aktiv auf die Unternehmen zuzugehen und den Bedarf vor Ort genauer zu erfassen, um anschließend gezielt für den Ausbau der Infrastruktur sorgen zu können. Die erhobenen Daten der Breitbandumfrage böten dazu eine erste Basis. Die IHK sei bereit, diesen Prozess aktiv zu begleiten.

Einen Appell richtete Kruse auch an die Unternehmen, die auf dem Breitbandmarkt aktiv sind. "Unsere Umfrage zeigt nicht nur, dass der Markt für schnelle Internet-Produkte vorhanden ist, sondern auch ganz genau, wo am meisten Nachfrage besteht", so Kruse. Er und Raab hoffen, dass zum Wohle der Unternehmen zügig Bewegung in den Ausbau der Netze kommt. "Schnelles Internet ist ein entscheidender Standortfaktor. Wenn wir nicht wollen, dass unser Wirtschaftsraum von der Entwicklung abgekoppelt wird, muss jetzt gehandelt werden", betonte Elmshorns IHK-Chef Raab.

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