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Genialer Abschluss vor 150 Gästen : Finale von „Elmshorn liest“ mit Starautor Benedict Wells

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Abschlussveranstaltung in der Sparkasse. Schriftsteller Benedict Wells ist von der Aktion begeistert. Sein Roman soll in den USA verfilmt werden.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 12:21 Uhr

Elmshorn | „Selber lesen ist toll“, befand Rita Schliemann, Leiterin des Amtes für Kultur und Weiterbildung in Elmshorn: „Vorgelesen bekommen ist noch besser. Wenn der Autor vorliest, ist das genial.“ Damit hatte sie am Sonnabend den Bogen zu Benedict Wells geschlagen, der im Anschluss an ihre kurze Einführung aus seinem Roman: „Fast genial“ vorlas. Rund 150 Zuhörer saßen in der Zentrale der Sparkasse Elmshorn vor ihm und feierten den Abschluss der sechsten Auflage von „Elmshorn liest“, einem Reigen aus acht Veranstaltungen, die sich vier Tage lange um Wells’ Roman drehten.

Der junge Schriftsteller – der Berliner ist erst 31 Jahre alt, „Fast genial“ schrieb er mit Mitte 20 – genoss erstmal die Aufmerksamkeit für sein Werk, bevor er las: „Es ist außergewöhnlich, dass sich eine ganze Stadt mit einem Buch beschäftigt.“ Am Sonnabend, beim Höhepunkt der Lesetage, wurde seine Lesung umrahmt von einem Interview, das EN-Redakteur Knuth Penaranda mit ihm führte, und von ganz besonderer Musik: Matthias Wichmann, Musiklehrer am Bismarck-Gymnasium, hatte eigens für diesen Tag drei Stücke komponiert, die er mit seinen Schülern vortrug.

Bei allem rühmenswerten Engagement rundherum: Am wichtigsten waren natürlich Buch und Autor. Das zeigte sich am Schluss, als sich zum Signieren eine lange Schlange von Zuhörern bildete. Wells nahm sich Zeit für jeden Einzelnen seiner Leser und diskutierte sogar Ideen für alternative Schlüsse. Im Umgang mit seinem Werk zeigte sich der junge Mann sehr uneitel: „Das ist eine Stelle, die hasse ich im Buch“, unterbrach er einmal seinen Lesefluss: „Francis starrte sie sekundenlang an, weil sie so schön war.“ – „Ja, warum sonst?“, haderte er.

Diese Offenheit zeigte sich auch im Gespräch mit Knuth Penaranda. Wells erzählte, dass er seit dreieinhalb Jahren daran arbeitet, aus „Fast genial“ ein Drehbuch zu machen. Diese Form bedingt einen engen Rahmen, den Wells erklärte. Die mehr als 300 Romanseiten muss er auf 100 Seiten Drehbuch eindampfen: 25 Seiten Einführung, dann der „plot point“, an dem die eigentliche Handlung startet; nächste Station ist der „mid point“, an dem alles gut läuft, bis zum Tiefpunkt auf Seite 75, der das Finale einläutet.

Der Autor über seine Lieblingsfigur

„Bleiben muss das Gefühl von Hoffnung und Zweifel“, hat sich Wells für den Film vorgenommen. Dass die Hauptfigur Grover dann einen ganz anderen Charakter haben wird, stört ihn nicht: „Das ist nicht meine Lieblingsfigur im Buch.“

Wells berichtete auch, wie er auf den Stoff für seinen Roman gekommen war: Im „Spiegel“ hatte er von dem „bescheuerten“ Projekt einer Samenbank für Genies gelesen. „Das muss man schreiben“ habe er gedacht; als er zwei Romane erfolgreich veröffentlicht hatte, machte er sich daran und brachte die Geschichte eines jungen Manns zu Papier, der erfährt, dass er ein Kind dieser Samenbank ist, sich mit zwei Freunden auf die Suche nach seinem leiblichen Vater macht und dabei quer durch die USA fährt: New York – Las Vegas – San Francisco. Dass der Film ein US-Road-Movie wird, verriet Wells in Elmshorn auch: „Ich wollte, dass der in Amerika mit amerikanischen Schauspielern gedreht wird.“ Die Reise soll auch auf der Leinwand von der Ost- an die Westküste führen und nicht aus Kostengründen „von Kiel nach Passau“.

Die schweren Anfänge des Schriftstellers

Nach der Schule wollte Wells Schriftsteller werden. Das habe „natürlich nicht geklappt“ innerhalb der ersten Jahre. Er habe in Berlin in einer „Bruchbude“ gewohnt, aber wegen des billigen Lebensunterhalts die „totale Freiheit“ genossen: „Die Motivation waren die Geschichten.“ Mit „Becks letzter Sommer“ gelang ihm 2008 der Durchbruch, der Film zum Buch kam in diesem Jahr in die Kinos. Jetzt habe er mehr Zeit zum Schreiben, aber die Angst vor einem Flop kennt er mittlerweile auch, erzählte Wells.

Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe für ihn- „Fast genial“ spricht mit seinen jungen Protagonisten und den verhandelten Themen – Wo komme ich her, welche Aussichten habe ich im Leben? – ein junges Publikum an. Wie dieses generell zum Lesen gebracht werden könnte, wollte Knuth Penaranda von Wells wissen. „Vorlesen“ lautete die Antwort des Schriftstellers. Was bei „Elmshorn liest“ reichlich geschieht.

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