Feuer: 200 Mieter ohne Wohnung

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Dachboden eines achtstöckigen Wohnblocks an der Beethovenstraße geht in Flammen auf / Acht Verletzte / Eine Million Euro Schaden

shz.de von
22. Juni 2014, 18:34 Uhr

Nach einem Großbrand in einem achtstöckigen Wohnblock an der Beethovenstraße in Elmshorn mussten am späten Sonnabend sieben Bewohner mit Verdacht auf Rauchvergiftung in Kliniken eingeliefert werden. 200 Menschen verloren ihr Zuhause: Die 105 Wohnungen sind vorerst unbewohnbar. 430 Kräfte von zwölf Freiwilligen Feuerwehren, dem Rettungsdienst, des DRK, des THW und der Polizei waren im Einsatz. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf „weit mehr“ als eine Million Euro. Die Brandursache ist noch unklar.

Das Feuer war um 22.50 Uhr – kurz nach dem Ende des Deutschland-Spiels – auf dem Dachboden ausgebrochen und entdeckt worden. Bei der Kooperativen Regionalleitstelle seien zahlreiche Notrufe eingegangen, berichtete Kreisfeuerwehrsprecher Michael Bunk. „Das Feuer hatte sich offenbar schon fast auf die komplette Länge des Dachtraktes ausgebreitet“, sagte er. Noch auf der Anfahrt habe Einsatzleiter Sven Stade für die Freiwillige Feuerwehr Elmshorn Vollalarm geben lassen und ein drittes Hubrettungsgerät aus Uetersen geordert. „Weitere Nachalarmierungen folgten zu Beginn fast im Minutentakt“, sagte Bunk – darunter zusätzliche Drehleitern aus Pinneberg und Itzehoe, so dass die Brandbekämpfer von außen über fünf Hubrettungsgeräte arbeiten konnten.

Im Innern des Hochhauses drangen die Brandbekämpfer über die Treppenhäuser vor. Wegen des Bedarfs an Atemschutzgeräteträgern wurden nach und nach weitere Wehren alarmiert. In letzter Minute gelang es den Einsatzkräften, ein Überspringen des Feuers auf den zweiten, gleich großen Trakt des Blocks zu verhindern. „Das war der silberne Löffel“, sagte Elmshorns Wehrführer Stefan Mohr gestern – hörbar erschöpft nach dem fast 13-stündigen Einsatz. Denn erst gegen 5 Uhr hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauerten sogar noch bis 11 Uhr an. „Wir sind alle total erledigt“, sagte Mohr. Laut Bunk war es der größte Feuereinsatz der jüngeren Vergangenheit in Elmshorn und im gesamten Kreis Pinneberg.

Nach dem Ende der Löscharbeiten erhielten die Bewohner gestern Mittag Gelegenheit, in Begleitung der Polizei und der Feuerwehr ihre wichtigsten Habseligkeiten wie Papiere, Medikamente und Kleidung aus ihren Wohnungen zu holen.

Der „enorme Wasserbedarf“ habe in allen Wohnungen Schäden hinterlassen, sagte Mohr. „Sie sind definitiv unbewohnbar. Das ist für die Betroffenen wirklich tragisch.“ In Absprache mit der Stadt wurde den Bewohnern als Notquartier die Sporthalle der Elsa-Brändström-Schule am Krückaupark angeboten. 25 Frauen und Männer wurden dort bis zum Vormittag vom DRK betreut und versorgt, bevor sie sich privat eine Unterkunft suchten. Acht weitere wurden in ein Elmshorner Hotel einquartiert. Die meisten kamen bei Verwandten oder Freunden unter.

Wie es für die Bewohner weitergeht, ist unklar. Die Elmshorner Notunterkünfte seien wegen der hohen Zahl der Asylbewerber zurzeit alle belegt, sagte Bürgermeister Volker Hatje gestern. Er habe sich bereits mit dem Geschäftsführer der Deutschen Annington – der das Hochhaus gehört – getroffen und um Lösungen bemüht. „Sie suchen jetzt nach freien Wohnungen in ihrem Bestand.“ Heute Morgen soll es zudem ein Krisentreffen im Rathaus geben, „um zu klären, wie wir den Betroffenen kurzfristig helfen können“.

Hatje selbst war während des Brandes nicht in Elmshorn: Er stattete der Partnerstadt Wittenberge (Brandenburg) seinen Antrittsbesuch ab. Als er von dem Einsatz erfuhr, machte er sich auf den Heimweg und sah sich zusammen mit Stadtrat Dirk Moritz die Lage vor Ort an. „Ich habe Hochachtung vor der Leistung aller Helfer, die es gemeinsam geschafft haben, das Haus zu retten“, sagte er. Laut Wehrführer Mohr ist auch die Standfestigkeit des Hauses nicht gewährleistet. „Ein Statiker soll den Dachbereich überprüfen“, sagte er. Das Dach war eingestürzt und musste von den Einsatzkräften – darunter zwei Bergungsgruppen des THW Pinneberg – aufgeschnitten werden, um die Brandnester zu erreichen.

Vier der Verletzten konnten mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen werden; drei werden noch stationär behandelt. Auch ein Feuerwehrmann musste behandelt werden: Er war während des Einsatzes umgeknickt.

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