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Präzision ist ihr Geschäft : Feinwerktechnik - made in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Elmshorner Firma Keller Feinwerktechnik setzt auf individuelle Lösungen für Kunden.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 16:07 Uhr

Elmshorn | „Es ist immer wieder eine neue Denksportaufgabe“, erklärt Jens Collin. Die Vorgaben bestehen aus einer dreidimensionalen Darstellung des Teils, das produziert werden soll, und einem Metallklotz in halbwegs passender Dimension. Der wird in einem Fräszentrum bearbeitet, bis er die gewünschte Form hat. Um die 20 dieser Maschinen stehen bereit, von vergleichsweise einfachen bis zu hochmodernen 5-Achs-Fräszentren. Und die müssen für den jeweiligen Auftrag programmiert werden.

Diese Fertigung im Kundenauftrag ist eines der beiden Standbeine des Elmshorner Unternehmens Keller Feinwerktechnik. Das andere ist der Sondermaschinenbau: Nach Anforderungen der Kunden entwickeln, fertigen und montieren die Elmshorner Techniker Maschinen als Einzeltstücke, bauen sie auf und warten sie.

In einer Halle wird gerade eine Maschine nach ihrem finalen Probelauf für den Versand vorbereitet. Dirk Glävke führt vor, was der mehr Apparat in seinem mehr als mannshohen Schrank kann: Er verschweißt zwei verschieden geformte Metallteile zu Kugelschalenrädern. Es zischt und knattert wie im Fliewatüüt. Im Alltagsbetrieb werden diese Geräusche durch geschlossene Türen gedämmt. Die produzierten Kugelschalenräder gehören zu den vielen Bestandteilen eines Gurtsystems, sie sorgen fürs richtige Ab- und Aufrollen des Sicherheitsgurts. „Es ist ein spannender Moment“, wenn die Maschine zum ersten Mal vollständig montiert ist und arbeitet, findet Jens Collin beim Demonstrationslauf. Die Anforderungen sind hoch, die Vorgängermaschine arbeitete 16 Jahre lang im Dreischichtbetrieb.

In der Maschine sind mehr als 250 Fertigungsteile verbaut, die Keller selbst herstellt, erklärt Collin. Er führt durch das Labor, in dem gefertigte Teile überprüft werden. Die Genauigkeit – technisch ausgedrückt: die Toleranzen – liegen normalerweise im Bereich von Hundertstel Millimetern, bei Bedarf arbeitet Keller auf wenige Mikrometer genau, unter Technikern „Mü“ genannt. Zum Vergleich: ein menschliches Haar ist rund 60 Mikrometer dick.

„Der Konstrukteur bestimmt den Preis“, sagt der studierte Maschinenbauer Collin: Wie der Ingenieur ein Bauteil entwirft, wie kompliziert dessen Form ist und wie klein die Toleranzen, damit entscheidet sich, wie teuer die Fertigung des Bauteils wird. Auf der Zeichnung sind Bohrung und Stift, der hineingesteckt werden soll, beide drei Millimeter dick; das würde in der Praxis natürlich nicht passen, also legt der Konstrukteur eine Toleranz fest. Und damit bestimmt er, ob der Stift später satt ins Loch passt und dort fest sitzt oder ob ein bisschen Spiel bleibt.

Rund 50 Mitarbeiter sind bei Keller Feinwerktechnik beschäftigt. Den Umsatz liefern je hälftig die Fertigung und der Sondermaschinenbau. „Ich bin dafür, solide zu wachsen“, sagt Jens Collin: Seit 2008, als er die Firma übernahm, hat er den Umsatz verdreifacht. Vor allem bei den Sondermaschinen haben die Elmshorner zugelegt. Da ist die Automobilindustrie ein wichtiges Geschäftsfeld, zum Beispiel lässt Autoliv in allen europäischen Werken seine Gurtsysteme auf Keller-Sondermaschinen herstellen. In diesem sicherheitsrelevanten Bereich werden hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit gestellt, erklärt Collin.

Andree Meißner programmiert ein 4-Achs-Fräszentrum für die nächste Aufgabe.
Andree Meißner programmiert ein 4-Achs-Fräszentrum für die nächste Aufgabe. Foto: Jann Roolfs
 

Gegründet wurde das Unternehmen 1921 in Hamburg vom Feinmechanikermeister Amandus Keller. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er seine Firma in Lockstedt wieder auf, nahe beim wichtigen Kunden, dem NDR. Keller hatte sich spezialisiert auf Projektoren, Schneidetische und -technik sowie Umspultechnik. Bis in die 1990-er Jahre lief das Geschäft gut, der Woodstock-Film etwa wurde mit Keller-Technik geschnitten. Mit der zunehmenden Digitalisierung im Film stellte der damalige Geschäftsführer Michael Kaiser die Firma ab den 1980-ern auf CNC-Fertigung um, 1992 kam Keller nach Elmshorn.

In der Fertigung kommen die Kunden für Keller aus der Region, Medizin- und Lebensmitteltechnik sind wichtige Branchen. Um sich gegen Konkurrenz aus China oder Rumänien zu behaupten, setzt er auf „innovativ sein“ und automatisieren. Im Schnitt schafft er pro Jahr eine neue Maschine an, um technisch auf der Höhe der Zeit zu sein. Trotzdem setzt er auf hanseatische Zurückhaltung beim Investieren: „Wir haben Platz für eine neue Halle – aber das Geld muss erst verdient werden“.

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