Altenmoor : (Fast) die Weltschönste Wanderung

Abenteurer Rolf Reinstrom war in Tasmanien unterwegs. Der Overland-Track gilt als die drittschönste Tour auf Erden.

Avatar_shz von
18. März 2013, 08:39 Uhr

Altenmoor | Abenteurer Rolf "Lotte" Reinstrom wanderte fünf Wochen durch Tasmanische Urwälder, die kaum ein Mensch betreten hat - heute lesen Sie den zweiten und letzten Teil seiner Erlebnisse.

In dem zweiten Teil meiner Reisebeschreibung möchte ich über eine ungewöhnliche Wanderung berichten, den Overland-Track. Diese Wanderung gilt unter Fachleuten als der drittschönste Fernwanderweg auf unserem Planeten. Für den Busfahrer, der uns zum Ausgangspunkt gefahren hat, sogar als der Schönste. Er war aber natürlich ein Einheimischer.

Der Weg führt vom Nordwesten Tasmaniens in den Südwesten durch gebirgige Wildnis ohne jegliche Anzeichen von Zivilisation wie Strassen oder Stromleitungen. Er beginnt am Cradle Mountain und endet 80 Kilometer später am wunderschönen Lake St. Clair.

Zwischendurch bieten sich diverse Möglichkeiten für "Seitensprünge" auf Berge, zu Wasserfällen oder zu einsamen Seen an.

Man muss sich lange vorher zu dieser Wanderung registrieren lassen. Es dürfen sich pro Tag 34 Einzelwanderer auf den Weg machen. Mit

organisierten Gruppen zusammen nicht mehr als 60. Und da der Weg in der Sommersession nur in eine Richtung begangen werden darf, verteilen sich die Wanderer durch unterschiedliche Gehgeschwindigkeiten schnell. Abends trifft man sich bei den Lagerplätzen oft wieder und so entsteht eine kleine Familie.

Der Beginn der Wanderung ist terminlich festgelegt, das Ende bestimmt man selber. es gibt Leute, die die Strecke in vier Tagen durchrennen und stolz darauf sind. Wir waren neun Tage in dem Nationalpark, weil wir die Natur erleben wollten. Das bedeutet aber mehr Essen und ein entsprechend schwerer Rucksack, da man auch die Ausrüstung sowohl auf Frost als auf Hitze abstimmen muss. Mein Rucksack wird sicherlich die ersten Tage 25Kilogramm gewogen haben - und leider ist der erste Tag der härteste.

Zusätzlich macht sich mein Begleiter Billy Lottermann auch noch in meinem Rucksack breit und jammert abends dann auch noch über heisse Füße.

Unsere Mitwanderer sind eine mehr als bunte Truppe. Itchy, ein Japaner mit Streichholzbeinen; Riley, ein amerikanischer Outdoor freak; Benjamin, ein junger Deutscher auf der Suche nach sich selbst; Max, ein Belgier, der zwar keinen Kocher dabei hat, dafür aber schweres Essen in Gläsern und Dosen; ein australisches Pärchen, die nach den Tagesetappen noch etliche Liegestütz machen mussten,wohlgemerkt mit dem Rucksack auf dem Rücken; ein australischer Vater, der es seinem Sohn nochmal zeigen wollte; drei australische Mädchen, die es ihren "Boys" zu Hause beweisen wollten; eine australische Familie, die es ihren beiden Kindern zu Weihnachten geschenkt haben und fünf Australier, die wir immer "die Alten" genannt haben. Mit Schrecken musste ich später feststellen,das uns nur ein Jahr getrennt hat!

Bei den Lagerplätzen gibt es meistens eine Hütte,in der man auch auf Pritschen nächtigen kann und sein Essen vor den vierbeinigen Räubern sichern kann. Wir haben aber das Zelt vorgezogen, da so ein Haufen nasser Wanderer eine reichliche Geruchsbelästigung mit sich bringt, von dem nächtlichen Gesäge mal ganz abgesehen.

Die Wege sind sehr gut ausgebaut und führen in moorigen Gegenden oft über Planken um die empfindliche Natur zu schützen und sogar die

kompostierten Reste aus den Toiletten werden per Helipkopter ausgeflogen.

Die ersten Tage waren allerdings sehr nass und man war schnell mit Schlamm überzogen. Ganz wichtig sind hohe Gamaschen, die etwas Schutz vor den Bissen der hochgiftigen Schlangen bieten, denen man gerade an heissen Tagen oft begegnet. Landschaftlich ist der Weg unbeschreiblich schön und abwechslungsreich. Das Wetter wurde mit jedem Tag besser und von den Berggipfeln boten sich 360-Grad-Blicke ohne Wolken.

Die Ruhe ist ein Hochgenuss und das Wandern wird schnell zu einer genialen Form von Meditation, angenehm unterbrochen von dem Gesang der Vögel. Nachts wird man höchstens mal von den Possums, den Wallabies oder den Wombats gestört, die über die Zeltschnüre stolpern. Die neun Tage vergingen viel zu schnell und werden einen bleibenden Eindruck hinterlassen und nicht nur der Rucksack ist am Ende der Wanderung um einige Kilo leichter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen