Gerüchte um Giftköder : Facebook-Post beunruhigt Hundebesitzer in Elmshorn – ein Faktencheck

Bei Facebook hieß es: Auf diesem Grünstreifen in der Straße Schlurrehm soll Gift liegen. Hundebesitzer meiden den Bereich nun.

Bei Facebook hieß es: Auf diesem Grünstreifen in der Straße Schlurrehm soll Gift liegen. Hundebesitzer meiden den Bereich nun.

Gift in der Straße Schlurrehm und schon vier tote Hunde, so hieß es bei Facebook. Aber stimmt das? Fakt ist: Ein Hund ist tot.

shz.de von
19. Juni 2018, 12:11 Uhr

Elmshorn | Ihr Hund ist tot. Blut auf der Nase. Die Zunge hängt heraus und ist halb abgebissen. Die Augen verdreht. Diesen letzten Blick auf das geliebte Tier in der Klinik in Uetersen wird die 35 Jahre alte Elmshornerin wohl nie  mehr vergessen. Ihre Mischlingshündin war sieben Jahre alt. Kerngesund. Die 35-Jährige kämpft immer wieder mit den Tränen, als sie ihre traurige Geschichte erzählt. Sie wohnt im Schlurrehm und sie ist überzeugt davon, dass ihr Hund vergiftet wurde.

Facebook-Post sorgt für Aufsehen

Schlurrehm, Ecke Ollnsstraße: Am 9. Juni sorgt ein Post auf Facebook für Aufsehen. Giftköder seien in der Straße ausgelegt oder Gift versprüht worden. Vier Hunde seien tot. Quelle: ein Kettenbrief der Hundebesitzer. So lautet die erste Info. Auf Facebook brodelt es. Die Gerüchte, Verdächtigungen und Mutmaßungen schießen ins Kraut. Gar eine verdächtige Person sei gesehen worden.

Fakt ist: Bei der Polizei liegt auch eine Woche nach diesen vermeintlichen Vorfällen keine Anzeige vor. Fakt ist aber auch: Ein Hund ist tot. Anzeige hat die Besitzerin nicht erstattet. Der Schock nach dem Verlust war groß. Zudem glaubt sie nicht, dass eine Anzeige viel bringt. Vier tote Hunde? „Nein, ich weiß nicht, wer noch betroffen ist“, sagt die 35-Jährige. Sie weiß nicht, ob es überhaupt stimmt.

Ein Hundehasser?

Gift? Der Hund ist in der Tierklinik in Uetersen in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni gestorben. Eine Auskunft zu dem Fall gibt es vom behandelnden Arzt nicht. Es wird auf die ärztliche Schweigepflicht verwiesen. „Der Arzt geht aber davon aus, dass es Gift war. Weil alles so schnell ging“, sagt die Elmshornerin. Rattengift habe der Arzt ausschließen können.

Nach einem Spaziergang am Freitag, 8. Juni, in der Straße Schlurrehm habe  ihr Hund sich erst übergeben, später Krämpfe bekommen. Sie fuhr in die Tierklinik nach  Uetersen. Am Samstagmorgen kam der Anruf, dass das Tier gestorben sei. In diesem Moment brach für sie die Welt zusammen. 

Vier tote Hunde im Bereich Schlurrehm, Ollnsstraße? Ein Hundehasser, der zur Selbstjustiz greift? Eine unglaubliche Geschichte. Aber Meldungen über ausgelegte Giftköder gibt es immer wieder – auch in Elmshorn.

Hundebesitzer haben Angst

„Da drüben auf dem Grasstreifen soll das Gift gelegen haben“, sagt eine ältere Dame, die mit ihrem Hund an diesem Morgen im Schlurrehm Gassi geht. Sie zeigt rüber zur Neuapostolischen Kirche. „Auf dieser Seite gehe ich nicht mehr“, sagt sie. Sie kennt niemanden persönlich, der ein Tier verloren hat. „Meine Schwiegertochter hat mich  gewarnt. Das mit den toten Hunden stand in diesem Internet.“

Auch eine andere Hundebesitzerin hat von den vergifteten Tieren gehört. Auch sie kennt keinen Betroffenen in dieser ruhigen Straße, in der sich rechts und links die Wohnblocks reihen. Dazwischen Rasenflächen und Grünstreifen. An dem vor der Kirche liegt überall Hundekot. Ganz frisch. Ganz alt.  Der Hundekotütenspender an der Ecke Ollnsstraße ist an diesem Morgen leer.

„Zwei Hunde aus einem Wohnblock sollen seit Tagen nicht mehr gesehen worden sein“, sagt die 35-Jährige Elmshornerin. Die Info kommt von einer Nachbarin. Eine andere Nachbarin berichtet von einem bitteren, widerlichen Geruch, den sie am 8. Juni im Schlurrehm, in Höhe der Kirche, deutlich wahrgenommen habe. Fakt ist: Die Elmshorner Polizei wurde an jenem 8. Juni darüber informiert, dass dort angeblich Gift versprüht worden sei. Zwei Beamte sind  auch vor Ort – aber erst um 23.50 Uhr. Feststellen können sie nichts. Anzeige will die Anruferin  nicht erstatten.

Niemand hat sich gemeldet

Auch eine Woche nach dem bestätigten Tod des einen Hundes hat sich niemand öffentlich gemeldet, der ebenfalls ein Tier verloren hat. „Das finde ich auch komisch“, sagt die Elmshornerin.

Sie will wissen, was mit ihrem Tier passiert ist. Wer die Verantwortung trägt. Doch selbst die Untersuchung des Blutes ihres toten Hundes hat keine Klarheit geschaffen.  

Vier getötete  Hunde im Schlurrehm wurden auf Facebook vermeldet. Verifizieren lässt sich das nicht. Ein Hund im Schlurrehm ist tot. Das ist zumindest ein Stück der Wahrheit. Ob er wirklich vergiftet wurde, steht  nicht zweifelsfrei fest. Aber es gibt Indizien, die diesen Verdacht nahe legen. Eine  Tat mit Vorsatz? Dafür gibt es – bisher – keine gesicherten Erkenntnisse.

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